Longmire 2x01

Longmire 2x01

Der Mann der wenigen Worte ist zurück: Sheriff Longmire muss sich in der Episode Unquiet Mind mit einem entflohenen Häftling und einem schweren Schneesturm auseinandersetzen.

Robert Taylor als Walt Longmire mit seinem Deputy Branch (Bailey Chace) in der Serie „Longmire“. / (c) A&E
Robert Taylor als Walt Longmire mit seinem Deputy Branch (Bailey Chace) in der Serie „Longmire“. / (c) A&E

Er ist zurück, der schweigsame Sheriff Longmire. In seinem ersten Fall der zweiten Staffel tritt er gegen einen entflohenen Häftling an, der eine FBI-Agentin in seiner Gewalt hat und in die Berge flüchtet. Doch der Beginn der Episode macht deutlich: Walt (Robert Taylor) tritt gegen noch viel mehr an: gegen die unendliche Geräuschkulisse einer modernen Welt, gegen die Schnelllebigkeit im Fernsehen. Er kämpft mit Charisma, einer umwerfenden Landschaft und starken Helfern.

Seine erste Amtshandlung ist die Einrichtung der Stille. Er dreht Vic (Katee Sackhoff) das Radio ab und versagt ihr damit die Chance auf Ablenkung, nach der sie so dringend verlangt. Nicht anders als wir, die von Sender zu Sender zappen, um das Interessanteste nicht zu verpassen. Longmire ist anders, man muss sich die Zeit nehmen, sich darauf einlassen. Es sind die Zwischentöne und die kleinen Andeutungen, die die Serie wirklich interessant machen. Das ist nicht jedermanns Sache, doch diejenigen, die am Beginn der zweiten Staffel noch am Ball sind, gehören wohl zu jenen, die sich über die Rückkehr des schweigsamen Sheriffs freuen und die ernsten, dunklen, ruhigen, intensiven Episoden zu schätzen wissen.

Der Über-Sheriff

Die Figuren der Serie Longmire sind keineswegs frei von Klischees, im Gegenteil, es ereilt einen bereits bei der ersten Episode wieder dieses Gefühl, sich einem Über-Sheriff gegenüber zu sehen. Und das kann besonders dann ganz schön nerven, wenn es zu häufig auf Vics Kosten geht. Doch es sind nicht nur die schlechten Seiten, die die erste Episode der zweiten Staffel, Unquiet Mind, zurückbringt, es ist das Gefühl, alte Bekannte wieder zu treffen, über deren Schwächen hinwegzusehen, man durchaus bereit sein kann - wenn sich dafür die Vertrautheit einstellt. Er ist ein Sheriff der alten Schule, bei dem man sich sicher fühlen kann. Der aber auch eine verletzliche Seite hat und der einen nicht vergessen lässt, dass das Leben nicht immer ein Happy End bereit hält, egal wie sehr man sich bemüht.

Etwas schade ist die Rolle, mit der Vic in dieser Episode abgespeist wird. Das Zusammenspiel zwischen ihr und dem Sheriff ist am besten, wenn auch Vic eine Chance bekommt, sich zu beweisen. In der Regel ist sie der Lehrling, hitzköpfig und emotional. Die Flucht des Häftlings und die erzwungene Zusammenarbeit mit dem FBI bieten ihr nur wenig Gelegenheit, sich von ihrer starken Seite zu zeigen, sie bleibt in ihrer eigenen Emotionalität stecken.

Branch (Bailey Chase) zeigt sich als der undurchsichtige Charakter, als den wir ihn in der ersten Staffel kennengelernt haben. Nach wie vor tritt er gegen Longmire in der Sheriffswahl an, doch als kaltblütigen Feind kann man ihn auf keinen Fall bezeichnen. Seine eigene Lesart und Henrys Einschätzung, dass er sich nur als Held darstellen will, stehen einander gegenüber, ohne dass der Zuschauer einen eindeutigen Hinweis bekommt, welche mehr zutrifft. Ist Vics Frage, wie er Cady (Cassidy Freeman) seine Untätigkeit erklärt, wenn ihr Vater stirbt, der Grund, aus dem er sich in die Berge aufmacht? Oder ist Henry (Lou Diamond Phillips) im Recht?

Entflohen

Der Einstiegsfall in die zweite Staffel hingegen bleibt eher flach. Die Flucht in die Berge, die Geiselnahme, der Showdown zwischen Walt und Wayne (Dan Hildebrand, Sons of Anarchy, Game of Thrones), das alles erzeugt nur wenig Spannung. Denn man darf sich doch sicher sein, dass der Über-Sheriff vielleicht strauchelt, aber am Ende den Sieg nach Hause trägt.

Am Ende entscheiden nicht Kraft oder Schusssicherheit, am Ende entscheidet die Kälte und Walts Fähigkeit, stillzuhalten und Dinge auszusitzen. Während Wayne erfriert, überlebt Walt die Zeit bis zur Rettung durch Henry und Branch. Das führt zu einer Szene (Branch: „Is he dead?“ Walt: „Not yet.“), die so geschraubt daherkommt, dass nur Robert Taylors Charisma den Zuschauer vor einem ausgewachsenen Lachkrampf retten kann.

Der Rest der Suche bleibt flach, die Zusammenarbeit mit dem FBI fühlt sich ein bisschen verschenkt an: der Entflohene, der vage über mystische Dinge fabuliert, aber nicht zum Punkt kommt, die verblendete Kellnerin - das alles verschleiert im Grunde den Blick auf die Stärke der Serie. Denn das, was einen wirklich fesselt an den Longmire-Fällen, ist die Zusammenarbeit zwischen den Figuren. Nicht nur innerhalb des Sheriffdepartments, auch die Opfer, Zeugen und Verdächtigen tragen für gewöhnlich viel zur Atmosphäre der Serie bei. Besonders das problembehaftete Zusammenleben zwischen Cheyenne und Weißen, das Fingerspitzengefühl, das Longmire als Sheriff in dieser Hinsicht immer wieder beweisen muss, macht die Spannung der Serie aus. In der Episode Unquiet Mind fühlen sich die Verweise auf diese Besonderheiten aufgesetzt an. Wir erfahren, dass der Häftling ein Serienmörder ist, der die Organe seiner Opfer - allesamt Reservatbewohner - verkauft hat. Was wir bekommen, ist dann jedoch lediglich ein verrückter Flüchtling, der von Zeichen fabuliert.

Der Unruhige

Eine zentrale Rolle in dieser Episode spielen Walts innere Dämonen. Er plagt sich ganz offensichtlich nach wie vor mit dem Tod seiner Frau, mit den Problemen, die dieser Tod auf die Beziehung zu seiner Tochter hat, mit den ungelösten Fällen der Vergangenheit. Er, der äußerlich kaum ruhiger sein könnte, kommt mit seiner Psyche nicht zur Ruhe. Sheriff Longmire ist ein Getriebener. Eine schöne Abhandlung aller wichtiger Personen in seinen Halluzinationen - erst sein Vertrauter Henry, dann seine Tochter Cady, schließlich Detective Fails (Charles S. Dutton, Nemesis, Emmygewinner für seine Gastauftritte in den Serien Without A Trace, The Practice und The Corner) aus Denver, der sich mit Walts Vergangenheit beschäftigt -: Die erste Episode der zweiten Staffel wählt einen wenig eleganten, aber durchaus effektiven Weg, alle Figuren der ersten Staffel zurück in die Erinnerung der Zuschauers zu holen, ohne dass sie eine Rolle in diesem Fall spielen müssten.

Fazit

Der Fall ist flach und lässt die wichtigen Bausteine der Serie außer Acht. Doch wir wissen, dass Longmire das besser kann. So darf man sich zurücklehnen und sich über die Rückkehr des großen Schweigers freuen, der uns in die wilde Welt Wyomings mitnimmt.

Verfasser: Serienjunkies.de am Dienstag, 28. Mai 2013
Episode
Staffel 2, Episode 1
(Longmire 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Im Alleingang
Titel der Episode im Original
Unquiet Mind
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 27. Mai 2013 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 14. Februar 2014
Autoren
Hunt Baldwin, John Coveny
Regisseur
Michael Offer

Schauspieler in der Episode Longmire 2x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?