Longmire 1x10

Longmire 1x10

Das Staffelfinale von Longmire, Unfinished Business, gewÀhrt einen kleinen Blick auf die Andeutungen der letzten Episoden, doch es wird seinem Titel mehr als gerecht: Ein Abschluss sieht anders aus. Immerhin im Fall der Woche hat Sheriff Longmire wieder einmal den richtigen Instinkt.

Der Sheriff Walt Longmire (Robert Taylor) in der Serie „Longmire“ / (c) A&E
Der Sheriff Walt Longmire (Robert Taylor) in der Serie „Longmire“ / (c) A&E

Wir stehen am Ende der ersten Staffel der Serie Longmire und ein RĂŒckblick auf zehn Episoden mit Sheriff Longmire steht an. Die Gewöhnung aneinander war manchmal schleppend und oft war es nicht leicht, einander zu verstehen. Henry (Lou Diamond Phillips) hat es treffend formuliert in der Episode Unfinished Business. Dort weist er Walt darauf hin, dass dieser die Menschen um ihn herum auch mal teilhaben lassen sollte, an seinem offenbar sehr reichen Innenleben. Und Walt reagiert, wie wir es erwartet hĂ€tten: Knapp und trocken lĂ€sst er seinen Freund wissen, dass er andere Probleme habe.

Doch mit der Zeit haben wir den wortkargen, aber liebenswerten Sheriff schĂ€tzen gelernt. Er hatte stets den richtigen Instinkt bei den Ermittlungen der mehr oder weniger interessanten FĂ€lle. Das Gesetz hat er immer nur bei Bedarf angewandt, wenn es ihm ungelegen kam, konnte er es auch - ohne mit der Wimper zu zucken - ignorieren. NatĂŒrlich nur zum Besten der Schutzlosen und im Sinne der Moral.

Der Sheriff ist das HerzstĂŒck der Serie geblieben, viele Szenen und Storylines stehen und fallen mit dem Herzblut, das Robert Taylor in die Darstellung des einsiedlerischen Cowboys steckt.

Doch auch auf die anderen Schauspieler können die Macher der Serie sich verlassen. Besonders Katee Sackhoff hat wahrscheinlich ihre ohnehin schon recht große Fangemeinde noch ausweiten können. Zu Recht, denn ohne Vic wĂ€re auch die Story um den Sheriff nur halb so interessant und wir wĂŒssten auch viel weniger ĂŒber Walt. Das VerhĂ€ltnis zu seinem einzigen weiblichen Deputy hat sich zu einer tiefen, oft wortlosen Freundschaft entwickelt. In einer Welt, in der Vic sich als Frau immer wieder aufs Neue beweisen muss, hĂ€lt ihr Chef zu ihr, lĂ€sst ihr aber auch nichts durchgehen.

Die Konkurrenz mit Branch (Bailey Chase) ist erst richtig spannend geworden, als der Zuschauer einen Blick in die HintergrĂŒnde werfen durfte. Es ist nicht der junge Herausforderer selbst, sondern sein ehrgeiziger Vater, der den Kampf anheizt. Branch selbst war zunĂ€chst gar nicht wohl bei dem Gedanken an den Wahlkampf. Doch mit seiner Reaktion auf die AffĂ€re mit Cady (Cassidy Freeman) hat Walt seinen Deputy in die Enge getrieben - und vor allem in den Kampf. Es ist ja genau das, was einen Kampf spannend macht: Wenn es keinen grundsĂ€tzlich Bösen gibt, sondern man die Motive aller Beteiligten zumindest ansatzweise nachvollziehen kann.

Das Finale ohne Ende

Der Titel der Episode deutet es an, die letzten Minuten der Episode lassen es Gewissheit werden: Einen Abschluss oder eine AufklÀrung gönnen die Autoren ihren Zuschauern nicht. Was neu ist: Walts Frau ist nicht an Krebs gestorben, sondern wurde von einem DrogenabhÀngigen ermordet, der nun selbst - samt Mordwaffe - tot aufgefunden wurde.

Das erklĂ€rt so einiges, was uns im Verlauf der ersten Staffel von Longmire nur in schemenhaften RĂŒckblicken angedeutet wurde. Und nun steht eine neuer Verdacht im Raum: Walt hat den Mörder seiner Frau umgebracht, ein Rachemord.

Dadurch verbindet sich Walts private Storyline mit dem Fall der Woche. Der Verdacht, dass der Sheriff sich in Selbstjustiz geĂŒbt hat, wird von den RĂŒckblicken der letzten Episoden unterstĂŒtzt. Dennoch glaubt er selbst keine Sekunde daran, dass der Bruder des Vergewaltigungsopfers tödliche Rache genommen hat.

Man kann es als Instinkt ausgeben, der sich bekanntermaßen schlecht erklĂ€ren lĂ€sst, man kann aber auch einfach die Klischeeverliebtheit der Autoren finden, die hier und da immer mal wieder durchscheint. Doch selten so deutlich wie in dieser Episode.

Es sind vier weiße Jungs aus wohlhabenden Familien, die anscheinend aus Langeweile zu Vergewaltigern werden, doch mithilfe des Geldes, das ihre Familien in AnwĂ€lte stecken, fĂŒr unschuldig erklĂ€rt werden. Und das Opfer ist natĂŒrlich nicht nur ein Cheyenne-MĂ€dchen, es ist auch mental benachteiligt. Es ist eine tragische Geschichte mit vielen ernsten, traurigen Momenten, doch die GefĂŒhle, die der Zuschauer in die Storyline steckt, sind vor allem den guten Schauspielern zu verdanken. Die Struktur der Geschichte regt eher zum GĂ€hnen an.

Das Leid der Opfer, die Grausamkeit und eventuelle Schuld der TĂ€ter, selbst die GefĂŒhle des Mörders bleiben oberflĂ€chlich und abziehbildchenhaft. Das konnte man in der Serie Longmire schon anders erleben. Dass gerade der Finalfall schwĂ€chelt, enttĂ€uscht.

Neben den Ermittlungen

Nach zehn Episoden ist lÀngst deutlich geworden: Der Kriminalfall an sich ist selten das Sehenswerte bei Longmire. Viel spannender war bisher stets der Einblick in eine dem Zuschauer unbekannte Subkultur, der mit den Ermittlungen geliefert wurde. In diesem Fall ist es ein weiteres Mal ein Blick ins Reservat, ein Blick in das Leben der Cheyenne.

Auf diesem Gebiet gibt es zwar keine großen Neuigkeiten - das Cheyenne-MĂ€dchen bleibt Opfer, ihre Verwandten werden zu Unrecht beschuldigt, Henry bleibt Vermittler zwischen den Welten - doch interessant ist es trotzdem immer noch.

Der Kampf mit Branch zeigt eine neue AggressivitĂ€t, die vor allem von Branch ausgeht. Denn bisher hat er Walts Befehle mehr oder weniger ohne zu murren hingenommen. Es ist ein Kampf, der beide vom Wesentlichen ablenkt, nĂ€mlich den Ermittlungen. Außerdem hat er in dieser Episode noch lange keinen Abschluss gefunden. FĂŒr die zweite Staffel verspricht Branchs Besuch bei Jacob Nighthorse eine neue Lagerbildung.

Im Mittelpunkt der Finalepisode stehen jedoch vor allem die Frauen. Die Beziehung Walts zu Lizzy (Katherine La Nasa) scheint langsam Fortschritte zu machen und, obwohl die Situation unangenehm fĂŒr beide Beteiligten ist, kann der Zuschauer sich freuen, wenn er Lizzy in der KĂŒche des Sheriffs antrifft. Ein kleines LĂ€cheln hier, ein stiller Moment dort - diese Beziehung könnte beiden Seiten eine schönere Zukunft bringen.

Die Beziehung zu seiner Tochter Cady hingegen ist auf keinem guten Weg. Die gegenseitigen Geheimnisse sind aus dem Sack und haben Verletzungen und Misstrauen bei beiden hinterlassen.

Fazit

Es waren zehn meist spannende Episoden mit einem manchmal zu begabten Sheriff Longmire und vielen Geheimnissen. Die ErzĂ€hlweise ist zu langsam, um alle Geheimnisse innerhalb der ersten Staffel zu Ende zu erzĂ€hlen. Im Finale steht der Zuschauer da und hat das GefĂŒhl, die Geschichte ginge gerade erst richtig los. Der Verdacht gegen Walt liegt auf dem Tisch. Doch so einfach ist es sicher nicht gewesen. Bisher haben wir keine Informationen ĂŒber das, was Walts Frau passiert ist. Ist es der Mörder, den der Detective aus Denver gefunden hat, oder einfach jemand, der absichtlich mit dem Mordmesser begraben worden ist? Wir haben gesehen, wie Walt wutentbrannt in ein Haus stĂŒrzte. War es das Haus des Mörders?

Die langsame ErzĂ€hlweise kann man kritisieren, man kann enttĂ€uscht sein darĂŒber, dass keine einzige Storyline der ersten Staffel so wirklich zu Ende erzĂ€hlt wurde. Weder der Kampf um den Sheriffposten noch der Tod von Walts Frau.

Doch im Grunde ist die Serie Longmire am stÀrksten, wenn sie einfach das tÀgliche Leben im Blick hat. Und davon hat die erste Staffel genug geboten, dass man sich auf eine zweite freuen kann.

Verfasser: Serienjunkies.de am Dienstag, 14. August 2012
Episode
Staffel 1, Episode 10
(Longmire 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Bittere Wahrheiten
Titel der Episode im Original
Unfinished Business
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 12. August 2012 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 7. Februar 2014
Regisseur
Nelson McCormick

Schauspieler in der Episode Longmire 1x10

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?