Longmire 1x04

Longmire 1x04

In der Episode The Cancer muss Titelheld Walt Longmire sich auf die Suche nach einem Doppelmörder begeben. Die Spuren führen ins Drogenmilieu. Auch die Beteiligung eines mexikanischen Drogenkartells scheint plötzlich möglich im ruhigen Wyoming.

Rückendeckung für den Sheriff: Ferg (Adam Bartley) und Branch (Bailey Chase) in der Serie „Longmire“ / (c) A&E
Rückendeckung für den Sheriff: Ferg (Adam Bartley) und Branch (Bailey Chase) in der Serie „Longmire“ / (c) A&E

Zwei Tote in einem Fluss - das ist der Ausgangspunkt für die Episode The Cancer. Und es ist der Anfang der Ermittlungen, die dieses Mal von Sheriff Walt Longmire (Robert Taylor) und seinem Team gemeinsam geführt werden.

Es gibt einige erfreuliche Weiterentwicklungen im Vergleich zur vorangegangenen Episode. Aber auch ein paar altbekannte Schwächen.

Der Allwissende spricht

Die grobkörnige Charakterisierung des Sheriffs, bestehend aus den Elementen Technikfeindlichkeit, Ehrbarkeit und Alleingang, kommt auch in dieser Episode nicht zu kurz. Ihm einen abwertenden Spruch über das Internet in den Mund zu legen, können die Autoren sich nicht verkneifen. Immerhin ist sein fehlendes Handy in dieser Episode nur nebenbei in die Handlung eingebaut, ohne das zum wiederholten Male darauf hingewiesen wird.

Mit dem lokalen Drogendealer Jaime (Bob Clendenin, Scrubs, Cougar Town) hat er eine Vereinbarung, die man ungefähr so zusammen fassen kann: Gegen Informationen schaut der Sheriff über die Sache mit dem Marihuana hinweg. Natürlich im Alleingang. Das ist allerdings kein großes Problem, denn Jaime wirkt wie jemand, der Gras nur an verantwortungsbewusste Erwachsene abgibt. Auf einem Schulhof kann man ihn sich nur schwerlich vorstellen. Es liegt gar der Verdacht nahe, dass er Walts Frau während ihrer Krebserkrankung auf diese Weise Schmerzlinderung verschaffte. Und so folgt Walt seinem inneren Wertesystem und nicht den Gesetzen. Er ist ein Mann, dessen Wort und Ehre etwas wert sind. Was ihn besonders in Bezug auf Jaime natürlich nicht unsympathisch wirken lässt. Aber willkürlich ist es dann halt doch.

Symptomatisch erscheint auch die erste Szene des Sheriffs, als er die beiden Leichen eigenhändig und alleine aus dem Wasser zieht. Doch höchstpersönlich liefert er die Erklärung nach und dann ergibt es plötzlich auch Sinn. Wenn Jaime mutmaßt, dass Freddy einer der Toten sei, die „sie“ aus dem Wasser gezogen hätten, setzt Walt bestimmt hinzu: „Nicht sie, ich!“ Er scheint den Toten ein Stück Würde zurückgeben zu wollen. Er will der Anonymität der Gesellschaft etwas entgegensetzen.

Der allwissende Held bleibt Longmire nach wie vor. Das Fallpuzzle setzt er zusammen. Der Schlüssel ist Afghanistan. Anders als in der vorherigen Episode, teilen die Autoren dem Zuschauer die Lösung jedoch dankenswerterweise im selben Moment mit. Und für diejenigen, die das Schlüsselwort verpasst haben, weist dankenswerter Weise die Musik darauf hin, dass im Kopf des Sheriffs etwas vor sich geht.

Schade ist, dass die Spur sehr dünn und lieblos erscheint. Dass Park Ranger Eli in Afghanistan gedient hat und die Pflanzen aus demselben Land stammen, darf auch maximal angesichts der dünnen Besiedlung Absaroka Countys als stichhaltiger Hinweis gelten.

Das Team hat sich eingefunden

Der Alleingang des Sheriffs stört in dieser Episode gleich viel weniger, weil die anderen Figuren auch endlich Gelegenheit bekommen, sich zu präsentieren. Vic (Katee Sackhoff) entwickelt sich langsam aber sicher zu einem eigenen Charakter, der dem Sheriff auch mal ernst zu nehmende Paroli bieten kann.

Und Branch (Bailey Chase) darf endlich Anteil an den Ermittlungen nehmen. In der Art, wie er die Jugendlichen befragt, erinnert er ganz stark an jemanden. Belehrend, aber nicht arrogant. Erst ein bisschen Angst einjagen, dann aber doch laufen lassen. Er ist eine jüngere Version Longmires. Ein junger Walt, noch ein bisschen grün hinter den Ohren, der sich erst noch beweisen muss sich, aber das Herz am richtigen Fleck hat und mit dem eigenen Wertesystem im Reinen ist ohne sich vom Gesetz dazwischenreden zu lassen.

Auch sein Freund Henry (Lou Diamond Phillips) hat glücklicherweise wieder einmal etwas mehr zu sagen und zeigen. Hoffentlich bleibt das so und ist nicht nur an die Reservat-Handlung gekoppelt.

Der Held zeigt Innenleben

Der Mann, der lange kein Privatleben zu haben schien, lässt den Zuschauer in dieser Episode gleich doppelt an sich ran. Einmal öffnet er sein Herz selbst, gibt Henry gegenüber Einblick in die Krebs-Tragödie um seine verstorbene Frau. Das andere Mal öffnet sein Gesicht den Blick zu seinen Gefühlen. Denn das Lächeln, als Lizzie (Katherine LaNasa) ihm ein Abendessen vorschlägt, ist eine hervorragende Mischung aus bescheidener Unsicherheit und vorsichtiger Freude.

Aber auch insgesamt wird die Figur Longmire mittlerweile immer vielschichtiger. Der allwissende Held zeigt Tiefe. Er geht nicht hin und haut auf den Tisch als Reservats-Officer Mathais (Zahn McClarnon) sich von einer beleidigten Seite zeigt und damit die Ermittlungen behindert. Er lässt seinen Freund das Machtwort sprechen und fragt selbst einfach weiter.

Er entschuldigt sich bei Vic für eine falsche Verdächtigung und scheitert ohne ein Zeichen des Missmuts an der Türöffnung, die sie dann auf rabiatere Weise vornimmt.

Später geht er gar auf den Ratschlag dessen ein, den er gerade festgenommen hat und drückt dabei seine Hoffnung aus, es nicht bereuen zu müssen.

Walt Longmire ist immer noch der Held, der schützend seine Hand über Absaroka County hält. Aber er ist es auf eine menschliche, gebrochene Art. Dass das gelingt, liegt nicht zuletzt an den Schauspielkünsten von Robert Taylor, der in dieser Episode einmal mehr zeigt, dass er alleine das Einschalten schon wert ist.

Das Böse kommt von Außen

Die Auflösung des Falles zeigt vor allem eins: Das Böse ist in Absaroka County noch nicht zu Hause. Das erste Opfer ist der hiesige Teenager Freddy. Sein Mörder ist das zweite Opfer. Die Kugel kam aus seiner Waffe, aber kann Eli (Diego Klattenhoff, Homeland) wirklich Mörder genannt werden? Denn er hat ja auf den geschossen, der gerade zuvor seinen Freund getötet hat? Reflexartig schießt der ehemalige Soldat auf den Mörder und liefert damit keine gute Grundlage für eine moralische Verwerflichkeit seiner Tat.

Das wirklich Böse in der Episode The Cancer sind die Drogenkartelle, in der letzten Episode war es der Abgesandte einer mafiosen Vereinigung. Dass sich bisher kein Einheimischer als wahnsinniger Täter entpuppt hat, macht die Serie Longmire glaubwürdig, aber dass die Bösen fast immer von außerhalb kommen, lässt die Fälle auch schnell etwas oberflächlich erscheinen.

Fazit

Die Episode fühlt sich an wie ein Durchbruch. Zu dem Innenleben des Sheriffs, zu den weiteren Figuren und auch zu der Landschaft. Als Kriminalserie ist es ein Procedual und das mag viele abschrecken. Aber um die Fälle herum hat die Serie „Longmire“ mittlerweile deutlich mehr zu bieten als viele einschlägige Ermittler-löst-Fall-Serien.

Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 28. Juni 2012
Episode
Staffel 1, Episode 4
(Longmire 1x04)
Deutscher Titel der Episode
Jeder will sein Stück vom Kuchen
Titel der Episode im Original
The Cancer
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 24. Juni 2012 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 17. Januar 2014
Autor
Daniel C. Connolly
Regisseur
Gwyneth Horder-Payton

Schauspieler in der Episode Longmire 1x04

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