Lone Star 1x01

Ganz unbeeindruckt von den Quoten der Premiere und von der brodelnden Gerüchteküche in Hollywood wollen wir einen Blick darauf werfen, wie die Serie, um die FOX' Senderchef sich so sehr bemüht hat, aussieht.
Newcomer James Wolk hat eine schwere Aufgabe. Er ist nicht nur Hauptdarsteller in Lone Star, dessen Premiere diese Woche umgeben von Möchtegern-Networkhits schief lief, sondern er muss innerhalb seiner Rolle insgesamt drei Rollen spielen. Denn Bob (James Wolk) Allen führt ein Doppelleben.
Er ist ein schüchterner und charmanter junger Mann, der das Mädchen von nebenan (Eloise Mumford) in Midland liebt, und gleichzeitig ein Selfmade-Mann, verheiratet mit der Tochter (Adrianne Palicki aus Friday Night Lights) eines Ölmagnaten (Jon Voight) in Dallas. Hinter beidem steckt sein wahres Ich, nämlich Sohn eines zynischen Betrügers (David Keith), der dieses Doppelleben als Tarnung für geschickte Betrügereien angenommen hat.
Eine Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn, die aber nach hinten los zu gehen droht. Bobs Herz steht dem Verstand im Weg und zwingt ihn, darüber nachzudenken, das Betrügerleben auftzugeben. Aber nicht das Doppelleben, denn Bob liebt beide Frauen! Außerdem bietet ihm der Ölmagnat einen richtigen Job in seinem Unternehmen an. Durch die jahrelangen Betrügereien hat Bob genug über das Geschäftsleben gelernt, um selbst eines führen zu können.
Sein Vater erinnert ihn: „What have I taught you? You play any character you want, but you never play yourself.“ Bob ist gefangen zwischen einem Traum nach Stabilität und geregeltem (Doppel-)Leben, in dem er für jede der beiden Frauen seines Herzens er selbst sein kann, und der Liebe zu seinem Vater, dem Wunsch, ihn zufrieden zu stellen. Schon in der Pilotepisode versetzt man die Figur in einen Konflikt zwischen dem, was sie will und dem, was andere von ihr wollen.
Interessanterweise verzichtet die Serie darauf, über ein paar Episoden hinweg zuerst das Doppelleben und die daraus entstehenden Konflikte und Probleme zu zeigen. Man konzentriert sich vielmehr von Anfang an auf den Vater-Sohn-Konflikt: „I am the one who loves you for who you are.“ Und vielleicht kostete das Lone Star Zuschauer.
Vielleicht versucht der Pilot zu viel und zu plötzlich, anstatt sich Zeit zu lassen und uns die Zeit zu geben, in Bobs Doppelleben einzutauchen, so dass wir dann seinen Konflikt und seine plötzliche Wandlung besser nachvollziehen können. Dasselbe Gefühl hat man beim Zuschauen der Pilotfolge von Outlaw, wo die Hauptfigur auch ihr Leben komplett verändert. Ich gebe zu, ich hätte gern zwei Folgen genossen, in welchen Bob und sein Vater ihre Masche durchziehen. Nichtsdestotrotz hat Lone Star keinesfalls die vernichtenden Quoten der Premiere verdient.
Geschaffen von Kyle Killen, Chris Keyser und Amy Lippman hat Lone Star etwas des „Up in the Air“-Feelings und James Wolk erinnert ein wenig an George Clooney. Vor allem das Lächeln, in das die Kamera verliebt zu sein scheint. Wir haben auch Sequenzen, die uns Bob beim Kofferpacken, Einchecken und Fliegen zeigen, ähnlich wie in Clooneys Film. Aber die Ölfelder von Dallas sind der Raum, wo man die Konflikte des jungen Mannes auszuhandeln gedenkt. Am Ende entschließt sich Bob, das Mädchen von nebenan zu heiraten, aber auch die Betrügerei aufzugeben. Ob ihm das gelingt?
Das Erfrischende an Lone Star ist, dass die Serie nicht in einem weiteren Krankenhaus, einem Büro oder auf dem Polizeipräsidium stattfindet. Trotz der teilweise etwas soapigen Ausführung ist die Doppelleben-Prämisse eine sehr interessante, eine die Potenzial hat und in jede Richtung führen könnte. Abgesehen natürlich von ihrer Plausibilität, denn die Zuschauer, die es genau nehmen und sich nicht auf die nostalgische Con-Romanze-Schiene einlassen, werden sich fragen, wie in heutiger Zeit, wo man alles googeln kann, so etwas möglich ist?
Schlechte Quoten hin oder her, Lone Star ist gut gemachtes Drama und sollte sich nicht nach nur einer Folge in Luft auflösen.
Verfasser: Vladislav Tinchev am Mittwoch, 22. September 2010Lone Star 1x01 Trailer
(Lone Star 1x01)
Schauspieler in der Episode Lone Star 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?