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© zenenfoto aus der Loki-Episode For All Time. Always. (c) Disney+/Marvel Studios
For All Time. Always. so heißt das erste Staffelfinale der Serie Loki, das, wie inzwischen schon bekannt ist, nicht das letzte Staffelfinale bleiben wird. Denn die Marvel-Serie wird für eine zweite Staffel zurückkehren. Diese Episode erklärt auch sehr deutlich, warum das der Fall ist.
Die Zitadelle am Ende der Zeit
Loki (Tom Hiddleston) und Sylvie (Sophia Di Martino) stehen vor ihrem Ziel, dem Schloss desjenigen, der wohl die Fäden in der Hand hält. Vorher hören wir noch einige berühmte Sätze aus dem bisherigen Marvel Cinematic Universe gemischt mit historischen Figuren wie Neil Armstrong und auch Greta Thunberg, aber ebenso Sätze aus den Disney+-Serien, wie Visions Zitat aus WandaVision („But what is grief, if not love persevering?“).
Weiterhin möchte Sylvie impulsiv sein und ihre lebenslang aufgestaute Rache endlich nehmen, weswegen sie am liebsten die Tür eintreten möchte. Doch Loki meint, dass das keinen Unterschied machen würde und mahnt schon hier zur Vorsicht und zum Nachdenken. Dann geht die Tür jedoch von selbst auf und Miss Minutes (Tara Stong) empfängt die Varianten in der Zitadelle am Ende der Zeit. Sie ist befugt, ihnen alles anzubieten, was sie möchten. Bei Loki meint sie, dass das ein Sieg über die Avengers in New York sein könnte, das Töten von Thanos, der Infinity Gauntlet oder der Thron von Asgard. Aber womöglich hat dieser Loki an all dem schon längst kein Interesse mehr. Vielmehr scheint es, als habe er durch Sylvie endlich eine Bezugsperson gefunden, die für ihn wichtiger als Macht ist. Sylvie wird ein Leben voller schöner Erinnerungen angeboten, doch beide wissen, dass all die Versprechen womöglich nur leere Worte sind oder aber irgendwo ein Haken lauert. Stattdessen möchten sie ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen. Doch können sie das wirklich oder sind sie erneut nur Spielbälle von größeren Mächten? Gibt es den freien Willen oder hat nur derjenige, der über die Zeit selbst wacht, dazu die Befugnis?
Also wagen sich die beiden Lokis weiter vor und was sie dort sehen, ist überaus spannend für Phase vier des Marvel Cinematic Universe und darüber hinaus. Bevor ich zu tief eintauche, möchte ich eine Sonder-Spoiler-Warnung aussprechen und wechsle zudem gleich kurz die Schauplätze. Schaut also wirklich erst die Folge, bevor Ihr weiterlest, denn das hier scheint plötzlich ziemlich wichtig für das MCU zu werden...
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Meanwhile at the Time Variance Authority

Ravonna Renslayer (Gugu Mbatha-Raw) erhält einen Besuch vom Rückkehrer Mobius M. Mobius (Owen Wilson), der dem Void entkommen konnte. Zuvor sehen wir, wie Judge Ravonna Infos von Miss Minutes von einem gewissen „ihm“ erhält. Sie hat also offenbar tatsächlich keine Ahnung, wer hinter allem steckt, ist der Person aber dennoch loyal gegenüber. Miss Minutes hat es derweil faustdick hinter den Ohren oder ist einfach ein Avatar von besagter Person, der genau das macht, was er will. MMM probiert RR aufzuhalten, doch sie kann ihn recht fix umhauen, den Prune-Stick ausschalten und die Flucht ergreifen, um nach der Möglichkeit des freien Willens zu suchen. An anderer Stelle sehen wir, dass Ravonna offenbar tatsächlich selbst nur eine Variante ist, denn Hunter B-15 (Wunmi Mosaku) sucht im Auftrag von Mobius eine Version von ihr auf, die im Jahr 2018 nur eine unschuldige Lehrerin zu sein scheint. Seinen Jet-Ski hat Moebius allerdings nicht erhalten... Aber vielleicht in Season zwei dann...
He Who Remains
Okay. Kommen wir also zum Main Event. Es ist ein komisches Gefühl, wenn Spekulationen dann doch einmal wahr werden. Anders als bei WandaVision, wo sie sich diese merkwürdige Mephisto-Dynamik entwickelt und Mysterien über Mysterien eine Rolle spielten (Agnes, Quicksilver, der Bekannte von Monica Rambeau), die dann irgendwie spannend waren, aber teils doch verpufft sind. Denn tatsächlich erscheint Jonathan Mayors nicht erst in „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“, wie zuvor verkündet, sondern schon hier. Der Name Kang fällt zwar nicht explizit, an einer Stelle aber das conquerer als der er bekannt ist. Das Besondere an Kang, was diese Version ebenfalls anschneidet, die hier als „He Who Remains“ bezeichnet wird: Im Laufe der Zeit ist dieser Zeitreisende unter vielen Namen bekannt: Kang, Immortus, Rama-Tut und noch ein paar weitere, die wir noch gar nicht unbedingt verraten müssen. Seitdem Phase vier bekannt ist und Zeitreisen in „Avengers: Endgame“ und „Ant-Man and The Wasp“ als Möglichkeit eingeführt wurden, denkt man als Comickenner unweigerlich an Kang als „Big Bad“. Nun scheint sich das zu bewahrheiten.
Doch zurück zur Folge selbst. He Who Remains wird uns in typischer Marvel-Manier vielleicht ein wenig zu sehr als Jokester präsentiert, der alles ins Lächerliche zieht. Aber, weil es so viele Varianten gibt und dieser nicht der Eroberer zu sein scheint, kann man das wohl akzeptieren. Ich bin großer Fan von Mayors seit Lovecraft Country und freue mich auf ihn in der Rolle. Es dürfte eine Freude für ihn sein, viele verschiedene Varianten zu spielen und es deutet sich ganz stark ein neuer Multiversal War an. Dazu kann man sich, wenn man es sehr nerdy haben möchte, mal „Avengers Forever“ heranziehen. Mehr zu dieser Story habe ich mal hier angedeutet.
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Sylvie versucht jedenfalls immer wieder, ihn zu beseitigen, doch er weiß, was geschehen wird und kann entsprechende Vorkehrungen treffen, die stark nach Teleportation oder Hologramm aussehen. Stattdessen will er ihnen aber sein Vorhaben erklären und lädt sie zur Teestunde ein. Was folgt, sind eigentlich nur drei Schurken, die zusammensitzen und über das Schicksal der Welt reden, aber ist für mich dennoch wahnsinnig spannend. Casual Fans erhalten zwar die Informationen, die sie brauchen, ich würde aber auch vollkommen verstehen, wenn man das Ganze etwas langweilig findet oder zu abgedreht. Aber fassen wir mal zusammen:
Laut He Who Remains hat er den Weg der beiden genau so geplant, wie es geschehen ist, von ihrem Kennenlernen über die gemeinsame Zeit, bis hin zum Aufenthalt im Void und zum Kampf gegen Alioth, dessen Macht er sich zu eigen gemacht hat. Sylvie ist die ganze Zeit skeptisch und vermutet weitere Lügen und Manipulation, womit sie sicherlich nicht Unrecht hat. Denn eigentlich sind sie doch wieder ein Spielball. Wie Loki einst im Auftrag von Thanos. Doch es geht diesmal offenbar um noch mehr. Die Optionen: Man kann ihn ausschalten und riskieren, dass eine ganze Reihe von Kangs auftaucht und ein Multiversal War entsteht. Oder: Die beiden übernehmen die TVA und führen die Aufgabe als Wächter des Zeitstroms fort. Er selbst erklärt eine Version von Kangs Herkunftsgeschichte mit einem kleinen beweglichen Avatar, die eigentlich der Comicversion sehr nahe kommt. Anfangs gab es im 31. Jahrhundert einen regen Austausch der verschiedenen Varianten, bis irgendwann diejenigen auftauchten, die nur Macht und Eroberung im Kopf hatten. Also gründete er die TVA und gewisse uns gezeigte Mechanismen, um die Ordnung zu wahren. Allerdings macht er das nun schon so lange, hat so viel gesehen, dass er müde ist und eine Nachfolge organisieren möchte. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt kann er voraussehen, was passiert, dann jedoch nicht mehr, was er durchaus spannend findet. Ein Konzept, was so auch in Damon Lindelofs Watchmen-Serie mit Dr. Manhattan zum Einsatz kam.
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Eroberer oder Hüter?

Ich persönlich finde den Dreiergipfel sehr spannend. Denn man weiß tatsächlich nie so recht, wessen Worte man trauen kann. Die Macher haben sich natürlich bemüht, Loki auf dieser Reise in eine Heldenrichtung zu entwickeln, für den Sylvie eben mehr zählt als seine alten Ziele. Doch tatsächlich gibt es immer wieder kleine Anzeichen für einen Rückfall.
Der beste Satz, nachdem sie sich also das Angebot von He Who Remains anhören, ist die Zusammenfassung, dass man Loki nicht trauen kann, Sylvie aber niemandem vertraut. Weswegen es folgerichtig zu einem Kampf kommt. Denn Loki will nachdenken und die Kosequenzen ergründen, während Sylvie ihre Revanche im Kopf hat und bereit ist, das Monster namens TVA zu stürzen, auch wenn das bedeutet, dass damit der heilige Zeitstrahl gekappt wird oder das Multiversum ins Chaos stürzt.
Richtig ist auch, dass alle drei als Schurken gelten und vor Mord nicht zurückschrecken. Wobei bei Sylvie eine Theorie im Netz herumgeisterte, die sie als gute Loki sah. Denn zum Zeitpunkt ihres Flashbacks wirkte sie sehr unschuldig. Die Serie hat aber etabliert, dass sie mordet, wobei man erst später erfahren hat, dass manches eben nicht so war, wie zunächst gedacht. Die Berührung mit dem Prune-Stick ist beispielsweise nicht automatisch tödlich. Allerdings dürften dennoch viele Exilanten dann durch Alioth ihr finales Schicksal ereilt haben. Unschuldig ist also anders. Ähnliches gilt für Loki, der als Gott des Schabernacks und als Helfer von Thanos ebenfalls viele Sünden begangen hat.
Mit dem Alter kommt womöglich die Weisheit, wie man bei Loki sieht, und was auch He Who Remains probiert. Denkt man länger drüber nach, dann kann man sich eigentlich nicht richtig vorstellen, wie es wäre, Millionen von Jahren zu leben. Was das mit dem Geist anstellen kann, ist eigentlich unvorstellbar, aber eines dieser Comickonzepte, was gerne genutzt wird. Faszinierend, was jemand mit solchem Wissen, aber anderer Motivation anstellen kann. Man kann wahrlich also gespannt sein, wenn Kang auftaucht. Ob He Who Remains tatsächlich wiedergeboren wird, ist nicht ganz eindeutig. Vielleicht ist es nur ein Indiz für sein hohes Alter, dass er tatsächlich glaubt, unsterblich zu sein. Vielleicht gibt es Mechanismen, die andere Versionen davor warnen zurückzureisen. Denn er verfügt über eine ganz eigene Version des TemPad, mit der er wohl beliebig Reisen kann...
One True Pairing?

Sylvie und Loki reagieren also anders als gedacht oder vielleicht doch genau wie gedacht auf die Informationen. Es sieht kurz so aus, als könne Loki Sylvie zur Vernunft bringen, so dass beide eventuell als neue Kontrollinstanzen der TVA fungieren. Und es gibt für alle Shipper (mich einbegriffen) endlich den Kuss zwischen den beiden, der immer wieder hinausgezögert wurde. Doch im Endeffekt ist Sylvie diejenige, die den größten Trickser austrickst und ihn per TemPad zur TVA zurückschickt.
Rein objektiv aus der Warte der Autoren betrachtet, ist es die poetischste Entscheidung, Loki den Betrogenen sein zu lassen, da er sonst eben immer derjenige war, der andere aufs Kreuz gelegt hat. Diesmal dachte er, vielleicht so aufrichtig wie nie zuvor, dass er und Sylvie eine Zukunft zusammen haben. Stattdessen bleibt sie zurück und ersticht He Who Remains und löst somit eine Kettenreaktion aus, die entweder schon in der zweiten Season oder vielleicht doch in „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“, der am 25. März 2022 in die Kinos kommen soll, für Ärger sorgen wird. Ist dieser Mord der Nexus Event von Sylvie? Der Zeitstrahl bricht jedenfalls in so viele Abzweigungen wie offenbar schon lange nicht mehr.
Ich bin der Meinung, dass man innerhalb der „Loki“-Serie immer wieder sehr gute Performances sieht, die manch einer vielleicht gar nicht richtig wertschätzt. Doch Hiddleston und Di Martino sind echt gut in ihren Rollen und den Machern ist es sehr schnell gelungen, die Produktion als vollwertige Ergänzung für das MCU zu präsentieren. Über die Wertigkeit der Ausstattung habe ich schon an anderen Stellen geschrieben, so dass ich das nicht wiederholen muss. Ich war stets sehr gut unterhalten und mochte die Serie vielleicht sogar insgesamt mehr als die beiden anderen Serien von Disney+.
Loki - Agent of the TVA?
Was passiert nun also bei der TVA? Mobius und B-15 sehen die Konsequenzen von Sylvies Handeln. Lokis Herz scheint gebrochen, aber nach kurzer Zeit will er handeln und sieht ein, dass Sylvie die Bücher von Kangdora (Sorry!) geöffnet haben könnte. Es scheint so, als habe Loki gelernt und als ob er nicht erneut für eine Thanos-Situation verantwortlich sein will, sondern er warnt MMM und die Agentin vor der drohenden Gefahr. Nur leider erkennen sie ihn nicht mehr. Sie halten ihn für einen Analysten. Womöglich gab es einen Zeit-Reboot im großen Stil, denn auch die Statuen sehen - wie bei diversen Enden von „Planet der Affen“-Affen - plötzlich anders aus, denn nun schmückt das Antlitz von Kang sie, woran Loki erkennt, dass etwas nicht stimmen kann. Ist das unser erster Hinweis, dass Sylvie in größerer Gefahr schwebt, als sie dachte? Mehr Antworten gibt es also bei „Doctor Strange 2“ - oder in der nächsten Season.
Fazit
Das erste Staffelfinale der Serie Loki hat doch viel mehr relevante Entwicklungen für das MCU reingesteckt, als ich mir zu träumen gewagt hatte. Allein die drohende Ankunft von Kang dürfte das MCU nachhaltig verändern. Was als eine Serie anfing, deren Ausgang man nicht abschätzen konnte, hat sich so spätestens im ersten Staffelfinale als eine essentielle Station in Phase vier herausgestellt. Ich mag Majors in der Rolle und freue mich, ihn auch in einem badass-Modus zu sehen, wenn ein Kang auftaucht, der ernst macht. So wie Thanos (Josh Brolin) - nur eben mit Zeitreisen und zahlreichen alternativen Persönlichkeiten. Wer die Comics kennt, der weiß, dass hier eine Menge Potential schlummert. Wie können die Marvel-Helden jemanden aufhalten, der den Lauf der Geschichte kennt und zur Not einfach einen neuen Ansatz wagt? Wie kann Loki seine Liebe Sylvie retten? Was erwartet uns in der letztlich im Abspann angekündigten Staffel zwei? Wie hängt das alles mit „Doctor Strange 2“ zusammen? Alles spannende Fragen, auf die ich zu gerne die Antworten hätte...
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Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 14. Juli 2021(Loki 1x06)
Schauspieler in der Episode Loki 1x06
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