Loki 1x02

© zenenfoto aus der Episode The Variant der Serie Loki (c) Disney+/Marvel Studios
Loki probiert sich in der zweiten Folge The Variante der Marvel-Serie von Disney+ als Zeitreise-Whodunnit mit einigen Procedural-Elementen. Nach dem Einstand konnte man so etwas erwarten. Dennoch wird weiterhin das große Rätsel rund um die Loki-Variante weitergesponnen, die bisher für die Time Variance Authority rund um Mobius M. Mobius (Owen Wilson) kaum zu fassen war und weiterhin mörderisch und entführerisch durch die Zeit reist.
Loki (Tom Hiddleston) macht einen Azubi-Schnellkurs und soll die unendlichen Akten studieren, die es zu den Varianten gibt. Ein Übungsfall verschlägt das Team in das Oshkosh, Wisconsin des Jahres 1985, in dem ein Mittelalterfest stattfindet. Zur Musik von Bonnie Tylers „Holding out for a Hero“, was zuletzt auch im Masters of the Universe: Revelation-Trailer eingesetzt wurde werden einige Minutemen vom magisch begabten Angreifer überlistet. Die typische grüne Energie gibt den Hinweis, dass man es wohl tatsächlich mit einem Loki zu tun hat, wobei es bis zum Ende der Folge dauert, bis eine Demaskierung erfolgt. Zunächst wird eine Agentin entführt, ihre Technologie gestohlen und der Rest der TVA ist mal wieder ratlos. Helfen kann nur Loki, wie es aussieht.
Ich will mich nicht zu lange daran aufhängen, aber gewisse Elemente, wie zum Beispiel die Fremdkontrolle der Körper, der vermeintliche Schurke im Zentrum und Teile des Scores erinnern mich an die FX-Mutantenserie Legion - die ich übrigens immer wieder empfehle, wenn ich kann, weil sie zu meinen liebsten Superhelden-Adaptionen im Serienbereich gehört. Bei Disney+ gibt es sie etwa zu sehen, wobei dort vereinzelte deutsche Synchronfolgen fehlen könnten.
Zeit-Bürokratie für Dummies

Loki muss immer wieder die Schulbank drücken, sich Regeln und Stoff der TVA reinpauken, damit er möglichst wenige Fehler begeht. Miss Minutes (Tara Strong) selbst hilft ihm dabei an einer Stelle weiter. Doch die geht ihm etwas auf die Nerven, so dass er sie piesackt. Mit dieser Erklärbärmethode sollen die Zuschauer wohl nebenbei über gewisse Zeitreiseregeln auf dem aktuellen Stand gehalten werden, wobei man sie vielleicht nicht gleich auf Anhieb versteht. Trotzdem werden sie gerne doppelt erklärt, was auch okay ist, weil vielleicht nicht jeder tief in der Materie ist.
Eine schicke, wenn auch verhöhnende Jacke gibt es für Azubi-Loki ebenfalls. Darauf steht unmissverständlich, dass er ebenfalls als Variante gilt. Davon gibt es pro Zeitstrahl einige, mit verschiedenen Gestalten und Kräften, weswegen Vorsicht gilt. Die meisten Lokis haben jedoch gestaltwandlerische Fähigkeiten und etwas Manipulatives an sich. Witzig ist auch das „Lokisplainen“ seiner Kräfte...
Hannibal Loki, Profiler of Time and Space?

Als Experte für sich selbst soll Loki also das sehen, was MMM und seine Kollegen nicht erhaschen. Zudem fungiert er als frisches Augenpaar, das auch mal naive Fragen stellen kann. Wie etwa: Warum man nicht zum Zeitpunkt vor der Attacke reist, um sie zu verhindern. Doch da gibt es irgendwelche Probleme mit Energien und Nexus-Ereignissen. Der Ausflug ins Jahr 1985 ist ein Test, um zu sehen, was Loki im Schilde führt. Natürlich ist sein erster Impuls - als Gott des Schabernacks - zu flunkern, aber etwas anderes hatte sicherlich auch kaum jemand erwartet. Mobius ist ein alter Hase und kann seine Absichten durchschauen, zumal es keine üblichen Energieausschläge sind, die Lokis Fallentheorie beweisen würden. Dennoch schaut man sich den durchschaubaren Versuch des Frostgiganten gerne an. Loki macht keinen Hehl daraus, dass er sich für seine Hilfe Gegenleistungen erwartet. Sehr gerne würde er mal eine Audienz bei den Time-Keepers haben, doch die Agenten lehnen ein solches Treffen strikt ab. Allerdings muss Loki darauf achten, die Geduld von Mobius und Ravonna Renslayer (Gugu Mbatha-Raw) nicht herauszufordern, denn während Mobius immer wieder seine Hand für ihn ins Feuer legt, will die Richterin Ergebnisse sehen und räumt widerwillig eine letzte Chance ein. Gleichzeitig scheint Loki sie etwas an Mobius zu erinnern, wobei der TVA-Offizielle offenbar eine Schwäche für gebrochene Existenzen hat. Mal sehen, ob man zu der „Origin“ von Mobius im Verlauf der Staffel noch mehr erfährt. Beim Gespräch zwischen Ravonna und MMM treten außerdem leichte Zweifel von Mobius zutage. Weil er die Time-Keepers noch nie gesehen hat, könnte es sein, dass er nicht so ganz glauben will, dass es sie wirklich (noch) gibt. Die Marvel-Serien lieben ihre kleinen Brotkrumen-Hinweise in die Richtung, dass etwas nicht so sein könnte, wie es scheint. Das Internet rätselt natürlich schon längst, ob der wahre Schurke (Kang?!?) vielleicht schon seine Finger im Spiel hatte oder Ravonna wirklich getraut werden kann. Bei letzterem Fall gibt es Präzedenzfälle im Comic. So war das auch schon bei einer gewisse Agatha (Kathryn Hahn)...
Loki scheint jedenfalls deutlich motivierter als noch in der ersten Folge zu sein, der TVA zu helfen. Dennoch glaubt er natürlich als Gott des Schabernacks allen zehn Schritte voraus zu sein. Doch wer glaubt den Lügen eines historischen Lügners? Mobius weiß, dass man ihm eigentlich nur so weit trauen kann, wie man ihn im Blick hat. Er soll weiter Akten lesen und Indizien finden, denen man nachgehen kann. Natürlich verläuft seine Recherche nicht ganz harmonisch und ohne Hürden. Denn die Akten zur TVA selbst, sind genauso vertraulich wie die über den Anfang oder das Ende der Zeit. Einzig über sich darf er etwas nachlesen und erfährt so mehr über das Ragnarök, was er selbst (noch) nicht miterleben konnte. Dabei wurden Asgard und seine 9.719 Bewohner ausgelöscht (in „Thor: Tag der Entscheidung“), was die nordischen Götter zwar irgendwo gewohnt sind, was Loki aber nicht ganz spurlos aufnimmt.
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Versteckspiel in Weltuntergangsszenarien
Loki fällt tatsächlich ein Detail auf, das Mobius übersehen hat. Allerdings versalzt seine Erklärung dem Agenten wortwörtlich den Salat. Denn Lokis These lautet, dass sich die Variante in Weltuntergangsszenarien versteckt, weil es keine Rolle spielt, was kurz vor solchen Katastrophen passiert, wenn es keine Zeugen gibt.
Anhand einer Exkursion nach Pompeji soll das geprüft werden. Kurz vor dem historischen Vulkanausbruch misst Mobius also den Energieausschlag und muss feststellen, dass Loki Recht haben könnte. Dort können neue Zeitlinien entstehen, ohne dass die TVA es mitbekommt. Trotz allem traut man dem notorischen Verräter und backstabber Loki natürlich nur bedingt über den Weg. Wenn er jedoch eines noch mehr liebt, als Menschen in den Rücken zu fallen, dann ist das Recht zu haben.

Eine durchaus spannende Diskussion haben Loki und Mobius noch über das Thema freier Wille und Vorbestimmung. Denn Paragraphenreiter Mobius ist zwar fasziniert von Jet-Skis, ist aber selbst noch nie mit einem Gefahren. Dennoch träumt er mit seinen Magazinen im Büro immer wieder davon, wie das wohl wäre. Zudem glaubt MMM, dass nach dem Prozess des Entknotens des Chaos eine gewisse Ordnung herrscht. Loki als Agent des Chaos will nicht wahrhaben, dass alles vorbestimmt und harmonisch geregelt ist. Seine These ist, dass kein böses Wesen nur böse ist und kein Held immer nur gut. Genau das bringt Mobius auf einen weiteren Hinweis, nämlich der Süßigkeit, die der Täter in Frankreich hinterlassen hat.
Mobius überredet seine Vorgesetzte, den Spuren nachgehen zu können. Das Ziel: Alabama 2050. Dort sollte sich die entführte Agentin aufhalten. Man kann sich zwar denken, dass es eine Falle ist, will es aber dennoch wagen. Bei Versagen könne sie jedoch für nichts mehr garantieren...
Im Jahr 2050 hat die häufig in Marvel-Inhalten eingesetzte fiktive Firma Roxxon einen großen Einzelhandel namens Roxxcart, in dem sich die Variante während eines Sturmes versteckt. Genauso wie einige Zivilisten, die hier Schutz suchen. Hunter B-15 (Wunmi Mosaku) und Mobius haben eine kleine Meinungsverschiedenheit, wer Loki beim Einsatz im Auge behält. Im Endeffekt kann sich Hunter durchsetzen, was sich aber rächen soll. Denn die Loki-Variante kann sie mit einem Zauber übernehmen und liefert sich dann einen Kampf mit Loki. Wir sehen zudem, wie sie eine Bombe mit 20-minütigem Timer stellt. Ihre Taktik: Zeit schinden. Mehrfach wechselt die Zielperson den Körper und Loki selbst scheint zwar fasziniert zu sein, fühlt sich aber dennoch überlegen. Zwischenzeitlich bietet er eine Allianz an, um die TVA zu übernehmen, und der Variante eine Stellvertreterposition. Doch daran hat sein Gegenüber kein Interesse. Immer wieder muss man als Zuschauer hinterfragen, ob Loki das ernst meint oder nur tricksen will. Es ist wohl nie eindeutig. Die Neugierde scheint doch zu überwiegen, denn der Kampf ist ernst und körperlich.
Wie sich im Endeffekt herausstellt, ist der Plan, die TVA zu bombardieren. Deswegen wurden die Resetter gestohlen. Die entführte Agentin hat ausgeplaudert, wie man dahin findet und nun hat die Behörde den Salat. Die Loki-Variante stellt sich als weibliche Version, gespielt von Sophia Di Martino, heraus und Hiddleston-Loki scheint davon fasziniert zu sein, so dass er ihr durch das Fluchtportal folgt, obwohl Mobius ihn bittet, es nicht zu tun.
Wer ein bisschen mehr zu Lady Loki lesen möchte, sollte sich den „Thor“-Run von J. Michael Straczynski (Babylon 5, Sense8) und Olivier Coipel einmal genauer ansehen (über Kindle ist der erste Band gerade kostenlos verfügbar): Allerdings dürfte schon die nächste Folge mehr zu ihr verraten...
Thor by J. Michael Straczynski Vol. 1 (Thor (2007-2011, Kindle-Edition)
Fazit
„True Detective - Season 4?“ Mit einer Mischung aus Erklärbär, Krimiaufbau und Behördenalltag sowie einer kräftigen Portion Zeitreise geht es bei Loki weiter. Das ist weiterhin manchmal etwas zu Dialog- und Talking-Heads-lastig, aber macht dennoch meistens Spaß. Lady Loki als Antagonistin ist eine Idee aus den Comics, die nun auch im MCU zum Einsatz kommt. Weiterhin bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt, denn prinzipiell sind nun zwei Agenten des Chaos auf freiem Fuß und könnten machen, was sie wollten. Ich bin mir fast sicher, dass es noch weitere Lokis zu sehen geben wird.
Ist Hiddleston-Loki also wirklich geläutert oder verfolgt er seine eigenen Ziele? Vielleicht gibt die nächste Folge mehr Hinweise dazu. Wenn man eines vom Gott des Schabernacks weiß, dann, dass er sich selbst für den Größten hält, eine Allianz wäre also sicherlich nur auf Zeit, oder? Zudem würden die Time-Keepers sicherlich nicht so oft erwähnt, wenn sie nicht irgendwann noch auftauchen würden... Noch knapp vier Sterne von mir für diese Folge. Die nächste Episode muss aber wieder etwas mehr knistern.
Loki: Teaser Trailer - Chaos
Hier abschließend noch der Trailer zur aktuellen Folge der Serie „Loki“:
Den Auftakt haben wir übrigens auch im Podcast besprochen. Habt Ihr schon reingehört?
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 16. Juni 2021(Loki 1x02)
Schauspieler in der Episode Loki 1x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?