Little Voice 1x01

© ittle Voice (c) Apple TV+
Little Voice ist die jüngste Serienproduktion von Apple TV+, die eine bestimmte Zielgruppe anspricht, nämlich alle Liebhaber von New York, Musicals, Singer-Songwriter-Musik und charmanten Liebesbriefen an den Big Apple. Ich habe im Vorfeld die komplette Serie schauen können, bemühe mich hier aber so spoilerfrei wie möglich über das Konzept zu schreiben, aber doch irgendwie die ganze Staffel zu würdigen. Zudem konnte ich mit Machern und Beteiligten sprechen und besagte Interviews findet Ihr in diesen Tagen bei uns auf der Seite (eins ging bereits online, siehe hier).
Musik- und Musicalfans horchen womöglich schon beim Namen Sara Bareilles auf. Die Singer-Songwriterin steckt hinter Songs wie „Brave“, „Love Song“ oder „Gravity“ und ebenso hinter der Musik des charmanten Broadway-Stücks „Waitress“, das auf einem Film mit Keri Russell basiert und auch international, zum Beispiel in London oder bei Touren, aufgeführt wird. Zusammen mit der Filmemacherin Jessie Nelson („Corinna, Corinna“, „I Am Sam“) wird in der neuen Serie nun die Geschichte von Bess (Brittany O'Grady, Star) erzählt. „Little Voice“ heißen übrigens auch der Titelsong und das Debütalbum von Bareilles - wie es zum Titel der Serie kam, verriet sie uns im Interview. Zum Start der Produktion wurden bereits zwei Folgen veröffentlicht, der Rest soll im Wochentakt folgen.
Hier ein paar Ausschnitte:
It's just a little voice and if you're listenin'
Bess lebt in New York City und hat musikalische Träume und Ambitionen, sie ist ständig dabei, Ideen und Lyrics niederzukritzeln und wird von der lebendigen Stadt ständig inspiriert. Sie muss gleich mehrere Jobs jonglieren, um sich ihre teure Miete in der Stadt, die niemals schläft, leisten zu können und teilt sich dennoch eine Wohnung mit ihrer besten Freundin Prisha (Shalini Bathina), welche ebenfalls als Musikerin in einer Frauen-Mariachi-Band spielt. Bess ist Hundesitterin, Musiklehrerin, jobbt in einer Bar, hilft Senioren und macht wahrscheinlich noch mehr in ihrer Freizeit, als sie eigentlich tun müsste. Das Geld spart sie für ihren Traum, die eigene Musik aufnehmen zu können. In einer storage unit hat sie sich einen kleinen Übungsraum eingerichtet und lernt bald einen neuen Nachbarn namens Ethan (Sean Teale, The Gifted) kennen, der in seinem gemieteten Stauraum Filmemacher-Ambitionen verfolgt. Es sind also sehr viele Träumer in der Serie zu sehen. Dazu gehört zudem ihr Bruder Louie (Kevin Valdez), der in einem Betreuten-Wohnen-Projekt lebt, weil er offenbar auf dem autistischen Spektrum angesiedelt ist und so behutsam ins Berufsleben integriert werden soll. Doch seine sehr aufrichtige und direkte Art und Weise ohne soziale Filter kommt trotz einiger Toleranz nicht immer bei potentiellen Arbeitgebern an. Louie ist ein gewaltiger Musicalfanboy, hat sein Zimmer mit Postern dekoriert, kennt alle Darsteller und Macher und wünscht sich nichts sehnlicher, als beispielsweise am Broadway zu arbeiten und Stücke Live zu sehen.

Bess und Louie wurden von ihrer Mutter verlassen und ihr Vater, der ebenfalls Musiker ist, hatte sich um sie gekümmert. Er musiziert oft in der New Yorker Subway und unterstützt Bess finanziell, so gut es möglich ist. Bald lernt Bess außerdem noch den Straßenmusiker Samuel (Colton Ryan) kennen, der ihr gewisse Chancen eröffnet und sie ihrem Traum vom eigenen, professionell aufgenommen Song näherkommen lässt. Im Lauf der Handlung entspinnt sich ein Liebesdreieck zwischen Bess, Sam und Ethan, das jedoch natürlich einige Komplikationen mit sich bringt. Dazu gibt es Probleme rund um ihren Bruder, Geldprobleme trotz besagter multipler Jobs und erste zaghafte Versuche auf der Bühne, die aber aus verschiedenen Gründen nicht so richtig zünden und gelingen wollen. Bess bleibt aber stets dabei, ihren Traum zu verfolgen und will ihre Vision auch ungern kompromittieren.
Sometimes a little voice can say the biggest things
Die Serie wurde im Vorfeld als Liebesbrief an New York City beschrieben und genau diesen Ersteindruck erhält man in der Pilotfolge auch sehr ausgiebig. Überall sind Töne und Inspirationen zu finden, auch wenn es immer wieder Rückschläge für die Träumer zu verkraften gibt und die Stadt und ihre Hürden machen es auch nicht gerade einfach, die Vision im eigenen Kopf umzusetzen. Der Central Park wirkt lebendig, die weibliche Mariachi-Band ist beispielsweise eine tolle Idee, aber auch die Varianz in den musikalischen Zeitvertreiben wird passend eingefangen. Ob nun im Park, in der U-Bahn, der Kindergesang, Gesang in der Bar, in der Bess arbeitet, die Musical-Landschaft, die ja quasi direkt vor der Tür ist, oder aber in Form von Gesang und Tanz bei den Senioren - das alles zeigt, dass Musik so vielfältig sein kann und - manchmal sogar, ohne dass wir es auf Anhieb merken - um uns herum ist.
Jede Folge der Serie ist nach einem von Bess komponierten Song benannt und pro Episode hört und sieht man auch mehrere wunderbare Performances, ob nun im Studio, a capella im Freien oder im Duett oder im Chor von Straßenmusikern. Gerade diese rohen und handgemachten Versionen der Songs wissen dabei zu gefallen.

Natürlich diskutiert die Serie in ihrem Verlauf aber auch die Schattenseiten der Ambitionen. Wenn man etwa bei Plattenfirmen vorstellig wird und die eigene Vision über den Haufen werfen muss, weil sie nicht in vorgefertigte Muster passt... Doch die Serienmacher finden stets die Balance, so dass man nach einem Rückschlag eben nicht sofort aufgibt und doch noch an seinen Träumen festhalten kann, auch wenn der Weg manchmal eben nicht gerade, sondern überaus kurvig ist... Die musikalischen Aspekte der Serie erinnern mich auf positive Art und Weise an das Werk von Filmemacher John Carney („Once“, Can a Song Save Your Life, „Sing Street“, Modern Love) und mir sind die Charaktere schnell ans Herz gewachsen, wobei ich auch auf die Art und Weise, wie das Liebesdreieck eingebaut ist, hätte verzichten können...
It's just my little voice I've been missing

Dazu kommen im Verlauf der Debütstaffel auch Probleme wie Alkoholismus und der Umgang mit Verantwortung gegenüber Familienmitgliedern, die einen brauchen, man selbst aber gerne auf eigenen Beinen stehen möchte und nicht immer da sein kann, wenn diese nach einem verlangen - wie bei ihrem Bruder Louie, der sicherlich auch manche Zuschauer etwas anstrengen könnte, aber die Familie kann man sich eben selten aussuchen... Außerdem wird auch die Schere zwischen Arm und Reich, die in New York sicherlich stellenweise sehr weit auseinanderliegt, bisweilen ebenfalls in die Handlung verwoben. Nicht nur durch Bess' multiple berufliche Verpflichtungen, sondern auch wegen mancher Arbeitgeber und der Sturheit der Charaktere.

Die ist nettes Beiwerk, aber insgesamt blüht die Serie doch immer dann am meisten auf, wenn es um den Kern des Ganzen geht: die Musik. Und die ist dank Sara Bareilles fantastisch. Unbedingt möchte ich dem Soundtrack-Album lauschen, sofern das Woche für Woche möglich ist, und ich habe schon einige Lieblingstracks beim ersten Anschauen heraushören können. Mit einer angenehmen Lauflänge von einer halben Stunde kann man seinem Alltag mit „Little Voice“ etwas entfliehen und ich hoffe doch, dass es nach den neun Folgen noch weitergehen wird. Nach Central Park also der nächste Volltreffer auf musikalischer Ebene der Erfinder von iTunes und des iPods.
Fazit
Little Voice ist eine weitere Apple TV+-Serie nach meinem Geschmack. Die Musik ist zauberhaft, das Ensemble größtenteils sympathisch und Hauptdarstellerin O'Grady eine fantastische Wahl für die Protagonistin Bess. Dazu kommt, dass die Themen und die Art und Weise, wie der Big Apple gezeichnet wird, zwar stellenweise romantisiert und durch eine rosarote Brille eingefärbt wirken, aber gleichzeitig auch durchaus glaubhaft, weil die gesetzten Ziele eben nun mal anstrengend und hürdenreich sind und nicht immer alles wie am Schnürchen läuft... Zudem ist der Hundequotient in der Serie überdurchschnittlich hoch, was für diesen Hundefreund ein gewaltiges Plus darstellt. Der Pilot verdient sich daher vier Sterne und die gesamte Serie solide dreieinhalb bis vier Notenschlüssel.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Apple-TV-+-Serie „Little Voice“:
Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 10. Juli 2020Little Voice 1x01 Trailer
(Little Voice 1x01)
Schauspieler in der Episode Little Voice 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?