Lisey's Story: Kritik zum Start der Stephen-King-Serie von Apple TV+

© ulianne Moore und Clive Owen in Lisey's Story (c) Apple TV+
Die achtteilige Miniserie Lisey's Story von Apple TV+, die am heutigen Freitag, den 4. Juni mit einer Doppelfolge an den Start geht, könnte auf dem Papier kaum besser aussehen. Es handelt sich um eine Adaption des gleichnamigen Horrorromans von Stephen King aus dem Jahr 2006. Und der Bestsellerautor nimmt sogar persönlich die Umsetzung in die Hand, was er nur selten tut. Sein Drehbuch wird verfilmt vom „Jackie“-Regisseur Pablo Larrain. Während J. J. Abrams mit seinem Bad-Robot-Banner als Produzent mithilft.
Auch der Cast kann sich wahrlich sehen lassen: Die Titelrolle ging an die Oscarpreisträgerin Julianne Moore („Still Alice“), während Clive Owen (The Knick) ihren Ehemann spielt. Das Duo trat einst auch gemeinsam im Film „Children of Men“ auf. Ebenfalls im Ensemble: Dane DeHaan (ZeroZeroZero), Jennifer Jason Leigh (Atypical), Joan Allen (The Killing), Sung Kang (Power) und Ron Cephas Jones (This Is Us).
Worum geht's?
Die Prämisse von Lisey's Story ist recht schnell zusammengefasst: Lisey Landon (Moore) ist die Witwe den berühmten Schriftsteller Scott Landon (Owen). Er wurde von einem Attentäter ermordet, als er gerade den ersten Spatenstich für eine neue Bibliothek zelebrierte. Lisey wird seit diesem tragischen Tag von üblen Albträumen geplagt. Außerdem muss sie sich um ihre psychisch gestörte Schwester Amanda (Allen) kümmern, wobei sie von ihrer anderen Schwester Darle (Leigh) unterstützt wird.
Hin und wieder lauert Lisey ein gewisser Professor Dashmiel (Jones) auf, der ihren Mann nicht leiden konnte. Er war es aber, der ihn zu besagter Feier damals einlud, als Scott angegriffen wurde. Doch es gibt noch einen weiteren Mann, der die ohnehin schon leidgeprüfte Lisey in die Bredouille bringt: Jim Dooley (DeHaan). Im Gegensatz zu Dashmiel gilt er als größter Fanatiker des toten Schriftstellers Scott Landon. Und als gefährlicher Stalker stellt er bald auch der hinterbliebenen Ehefrau seines verstorbenen Helden nach, Lisey.

Wie ist es?
Eins vorweg: Dass Julianne Moore eine großartige Darbietung ablegt, die an psychologischer Komplexität und dramatischer Wucht kaum zu überbieten sein dürfte, stand niemals zur Debatte. Sie ist eben eine der ganz Großen und mischt auch hier wieder perfekt ihre Melancholie mit Coolness. Und auch Clive Owen kann seinen typischen Clive-Owen-Charme versprühen. Alle anderen Darsteller spielen derweil genau so, wie man es sich bei einer Stephen-King-Serie vorstellt: kryptisch, creepy, starr.
Auch die Inszenierung erfüllt die Erwartungen: Wer Pablos Larrains fantastischen Biopic-Streifen „Jackie“ kennt, spürt sofort, dass er bei Lisey's Story seine Finger im Spiel hat. Für die vielen Traumsequenzen der knapp einstündigen Auftaktepisode - die laut Apple den Titel Blood Hunt trägt, obwohl gelegentlich auch von „Bool Hunt“ die Rede ist - hätte man keinen besseren Regisseur finden können. Mit dröhnender Streichmusik, übernatürlichen Farben und fesselnden Kameraeinstellungen sorgt er für Verwirrung und Faszination. Hier besteht natürlich die Gefahr, dass sich dieses starke Stilmittel bald abnutzt und irgendwann nur noch nervt.
Ironischerweise liegt das größte Problem von Lisey's Story ausgerechnet im besten Verkaufsargument der Serie: dem Skript von Stephen King. Die Tatsache, dass allein die erste Folge gleich zwei Hauptfiguren vorstellt, die als „gefährliche Verrückte“ porträtiert werden, ist ernüchternd. Zumindest, wenn man dachte, in einer Welt zu leben, in der solche Filmklischees spätestens in den 90ern stecken geblieben sind. Solche Charaktere gehören leider aber zum Markenkern von Stephen King (aka Stigma King), der mit seinen unzähligen Werken sehr viel Schaden verursacht hat, mit Blick auf die gesellschaftliche Wahrnehmung von Menschen mit psychischen Problemen.
Mit anderen Worten: Vor 20 oder 30 Jahren hätte eine Serie wie Lisey's Story wahrscheinlich breite Begeisterung verursacht und tolle Kritiken geerntet. Weil Apple TV+ sie aber leider erst jetzt gedreht hat und veröffentlicht, wirkt sie ziemlich aus der Zeit gefallen. Wie Joan Allen und Dane DeHaan ihr inneres Biest wecken, um die Rollen vermeintlich richtig auszufüllen, ist fast peinlich. Wer darüber hinwegsehen kann, wird sich vielleicht trotzdem von der Spannung mitreißen lassen. Außer natürlich, die Geschichte verliert sich in zu vielen Traumszenen.
Die ersten zwei Episoden von Lisey's Story stehen nun bei Apple TV+ zur Verfügung. Der Rest folgt im Wochentakt.
Hier abschließend der Trailer zur Apple-Serie Lisey's Story: