Lilyhammer 2x01

Der Winter beginnt, und es gibt wohl kaum einen passenderen Zeitpunkt, um in die skurrile Welt der norwegischen Produktion Lilyhammer einzutauchen. Es ist eine verschneite Welt, in der man seinen Nächsten liebt, die andere Wange anbietet - oder sich an Frank Tagliano (Steven Van Zandt) aka Giovanni Henriksen aka Johnny wendet, der in der kleinen norwegischen Gemeinde jedes Problem lösen kann.
Der ehemalige New Yorker Gangster, der sich ins Zeugenschutzprogramm begab, hat es sich mittlerweile in Norwegen gemütlich gemacht. Er hat eine Frau, Sigrid (Marian Saastad Ottesen), zwei Kinder mit ihr und eine Menge Freunde und „Mitarbeiter“, etwa Torgeir (Trond Fausa Aurvaag) und den ehemaligen Sozialarbeiter Jan (Fridtjov Saheim).
Wie wir ganz am Anfang der neuen Staffel sehen, gehen die Einheimischen mittlerweile mit ihren Problemen direkt zu Johnny, denn die lokale Polizei kann meistens wenig helfen. Zum Beispiel wenn es sich um afrikanische Einwanderer handelt, die durchgehend laute Musik hören. Johnny hat die Lösung: subtile Drohung und anschließende Gewaltanwendung.
Lilyhammer übertritt hin und wieder die Grenzen politischer Korrektheit, wenn es darum geht, den Frieden in Lillehammer zu bewahren - und das auf humorvoll-übertriebene Art. Auch Johnnys Gegner, seine ehemaligen Mafiosi-Kollegen, waren so „over the top“, so dass die Gewalt nie wirklich ernst wirkte.
Aber in dieser zweiten Staffel brauen sich dunkle Wolken der unangenehmen Art über Johnnys Kopf zusammen. Damit ist nicht das kleine Problemchen der Episode mit der Taufe seiner und Sigrids Kinder gemeint. Dieses löst Johnny locker, auch wenn er versehentlich den skateboardfahrenden Hip-Hop-Priester für einen Penner hält und aus der Kirche wirft. Lilyhammer setzte auch in der ersten Staffel auf solche „kulturellen“ Differenzen - die offene, ultra-liberale norwegische Gesellschaft und die Auge-um-Auge-Taktik „zurückgebliebener“ US-Amerikaner.
Diese Missverständnisse und Seitenhiebe sollte man definitiv nicht ernst nehmen, sondern die gelungenen Humoreinlagen einfach genießen. Was einen wundert - und damit kommen wir zum Bösewicht der zweiten Staffel - ist die Entscheidung der Autoren bei der Wahl der neuen Gegner von Johnny & Co. Wir sehen einen gelben Ferrari in Lillehammer eintreffen. Und der Fahrer sieht nicht annähernd so nett aus wie das Auto.
Er erweist sich als ein Millwall-Fan, der seinen Lebensunterhalt mit Gangstertätigkeiten verdient. Er will den Ferrari verkaufen, aber bei der Probefahrt schaffen es Torgeir & Co., das Auto in einen riesigen Elch zu rammen. Damit verursachen sie ein Riesenproblem mit dem englischen Gentleman, der Gewalt ganz und gar nicht abgeneigt ist. Er erläutert sogar, wie man aus einer Tageszeitung, ein paar Münzen und dem eigenen Urin eine brutale Waffe basteln kann.

Da wir über kulturelle Differenzen gesprochen haben: Die Wahl des Gegners überrascht hier, denn Millwall-Fußball-Fans sind für Europäer vielleicht ein Begriff, aber doch nicht für den US-Zuschauer, den Netflix vor den Bildschirm mit Lilyhammer locken will. Diese können gar nicht verstehen, welche Gefahr wirklich von den englischen Fans ausgeht. Man sieht es dann aber in einer der letzten Szenen dieser ersten Episode.
Als der Engländer am Ende Johnnys Bar in Schutt und Asche zu legen und dem Besitzer eine Kugel zu verpassen droht, schreitet Torgeir zur Tat und rettet Johnny das Leben. Er bringt den Engländer auf sehr „kreative“ Art und Weise um. Das Problem scheint erst einmal gelöst. Aber wir sehen und hören, dass die „Freunde“ des Toten der norwegischen Stadt einen Besuch abstatten wollen. Also müssen sich Johnny & Co. warm anziehen - in jeder Hinsicht.
Verfasser: Mariano Glas am Sonntag, 15. Dezember 2013(Lilyhammer 2x01)
Schauspieler in der Episode Lilyhammer 2x01
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