Night Sky 1x01

Night Sky 1x01

Die Pilotfolge der US-amerikanischen Science-Fiction-Dramaserie Night Sky auf Amazon Prime Video punktet mit einem Hauch Sense of Wonder, einer tollen Figurenzeichnung und einer spannenden Prämisse, die es im Verlauf der Season zu ergründen gilt. Hier unser Ersteindruck.

Szenenfoto aus der Serie Night Sky (c) Prime Video
Szenenfoto aus der Serie Night Sky (c) Prime Video
© zenenfoto aus der Serie Night Sky (c) Prime Video

Das passiert

Franklin (J. K. Simmons) und Irene (Sissi Spacek) kennen und lieben sich bereits seit dem Vietnam-Krieg. Nun sind sie alt und in Pension und steuern auf die letzten Jahre ihres glücklichen, gemeinsamen Lebens zu. Nach außen wirken sie wie ein ganz normales Rentner-Ehepaar, doch sie hüten ein unglaubliches Geheimnis. In ihrem Schuppen im Garten führt eine Falltür durch einen Tunnel zu einer mysteriösen Tür, die jeden, der es betritt, zu einem Raum auf einem anderen Planeten beamt.

Irene ist besessen davon, das Rätsel um die einsame Welt mitten unter den Sternen zu lösen. Eine weitere Tür, die auf die Planetenoberfläche führt, reizt sie so sehr, dass sie sich eines Nachts aus dem Haus schleicht, um sie zu öffnen - wohl wissend, dass sie höchstwahrscheinlich bei dem Versuch stirbt. Doch es kommt anders, denn bevor sie den fremdartigen Mechanismus betätigen kann, entdeckt sie einen halb bewusstlosen Mann hinter einem Sessel, der nur von draußen hereingekommen sein kann. Wer ist der Fremde? Wie kam er auf die seltsame Welt und warum taucht er ausgerechnet jetzt auf?

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Mal was anderes

Die Pilotfolge von Night Sky präsentiert sich über weite Strecken anders, als man es vielleicht von einer Serie mit so einer Prämisse erwarten würde. Das Mysterium in Form eines merkwürdigen Tors, das die Protagonisten auf eine andere Welt führt, wird schon recht früh etabliert und versprüht einen wundervollen Sense of Wonder, der vielen anderen Serien heute fehlt. Doch obwohl die Frage, woher es kommt und welche weiteren Geheimnisse es zu lösen gilt, stets im Raum schwebt, befassen sich Autor und Creator Holden Miller und Regisseur Juan Jose Campanella (Law & Order: Special Victims Unit) zunächst ausführlich mit den beiden Hauptfiguren.

Die Folge beginnt in den 60er-Jahren und gewährt uns einen Blick darauf, wie sich Irene und Franklin kennen- und lieben lernten. 50 Jahre später sind sie immer noch ein inniges Paar, doch ihr Leben nähert sich allmählich dem Ende und vor allem Irene möchte ihrem Dasein noch eine Bedeutung verleihen, indem sie das Rätsel um das Portal zu den Sternen löst.

Sozialkritik

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Interessant ist in der Inszenierung, dass die Kamera einen recht ungeschönten Blick darauf wirft, wie unsere moderne Gesellschaft mit alten Menschen umgeht. Kaum jemand scheint die beiden, die einst in gutdotierten Berufen arbeiteten und gebildet und intelligent sind, noch ernst zu nehmen. Franklin wird an der Kasse eines Supermarktes von der Kassiererin genervt angefaucht, weil er seine Rabattmarke sucht und ein eiliger junger Kunde nennt ihn frech „Paps“ und treibt ihn zur Eile an. Irene hat bei ihrer Ärztin Erlebnisse der „besonderen“ Art, wenn sie versucht, mit der Sekretärin zu sprechen, die indes lieber ihr Smartphone malträtiert.

Als sie ihre an Demenz erkrankte Freundin im Altersheim besucht, maunzt sie eine Pflegerin an, und versucht, sie in ihrem Rollstuhl im wahrsten Sinne des Wortes auf ihr vermeintliches Zimmer „abzuschieben“. Ihre ehemalige Schülerin, die das Haus leitet, beklagt sich wiederum darüber, wie frustrierend die Arbeit mit ihren Bewohnern ist, weil viele unter Demenz litten und daher weder wüssten, was sie brauchen, noch dafür dankbar wären, was man ihnen gibt. Und selbst Enkeltochter Denise, die ihre Großeltern liebt, würde am liebsten über ihren Kopf hinweg entscheiden und dafür sorgen, dass sie aus ihrem Haus ausziehen und sich in Pflege begeben. Das ist durchaus erschütternd und zeichnet leider ein allzu realistisches Bild von unserem ungeduldigen westlichen Sozialgefüge im Umgang mit alten Menschen.

Wer vielleicht selbst Eltern im hohen Alter hat, kann das ein oder andere dieser Erlebnisse sicherlich nachvollziehen und wird entsprechend emotional anders getriggert als jüngere Menschen, die sich mit der Thematik weniger auseinandersetzen müssen. Insofern besteht durchaus die Möglichkeit, dass manchem jüngeren Zuschauer ohne Bezug zur Thematik der Zugang zur Serie erschwert wird. Doch der Mut, solche Themen in einem Science-Fiction-Setting anzusprechen, ist mehr als nur lobenswert. Zudem winkt zum Ende der Folge die große Belohnung in Form eines spannenden Cliffhangers, der die Geschichte erst richtig in Fahrt bringt und einen ebenso interessanten wie spannenden Plot inklusive Twist verspricht.

Schön anzusehen

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Positiv ist weiter zu vermerken, dass Juan Jose Campanella einen tollen Stil vorlegt und die Pilotfolge in teils wunderschönen Bildern mit fantastischen Lichteinstellungen präsentiert. Wenn sich die beiden Geheimnisträger nachts durch den Garten zum Schuppen begeben und durch die Baumwipfel ein fast mystisches Licht seine Strahlen wirft, ist das einfach nur stimmungsvoll und schön anzusehen. Der Score von Danny Bensi (Fear the Walking Dead) und Saunder Jurriaans (Outer Range) ist überwiegend eher ruhig und still angelegt, aber immer der Situation angemessen. Der Cliffhanger am Ende ist zum Beispiel mit fast mythisch daherkommenden Cello-Klängen untermalt, was das gerade eingeführte Mysterium hervorragend unterstreicht.

Schauspielerisch sind J. K. Simmons (The Stand) und Sissy Spacek (Homecoming) die unumstrittenen Stars der Show. Doch auch Adam Bartley (Longmire), der den neugierigen Nachbarn Byron mimt, der nichts auf die Reihe bekommt und aus Langeweile den beiden Hauptfiguren nachspioniert, macht seine Sache sehr gut. Bartley geht seine Rolle so an, dass man von seiner aufdringlichen und manchmal sogar schleimigen Art von der ersten Minute seines Auftretens an genervt ist - ein Zeichen dafür, dass der Schauspieler seine Figur richtig verstanden hat. Irene versucht höflich zu sein, doch Franklin kann seine Abneigung gegenüber diesem merkwürdigen Typen nicht verbergen und macht auch ihm direkt gegenüber keinen Hehl aus seiner Abneigung. Das wirkt glaubwürdig und ehrlich und fügt sich daher hervorragend in die Charakterzeichnung beider Figuren ein.

Fazit

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To the Stars hinterlässt als Pilotfolge einen sehr guten Eindruck. Das Erzähltempo ist ruhig, das Mysterium wird früh etabliert, aber nicht ausgeschlachtet und das Publikum hat Zeit, die Hauptfiguren und ihre Motivation kennenzulernen, ohne sich gehetzt zu fühlen. Der Sense of Wonder ist ebenfalls durchaus gegeben und der Cliffhanger am Ende lädt zum Dranbleiben ein. Zudem traut sich Serienerfinder Holden Miller, eine große Portion Sozialkritik einzubauen, die die berechtigte Frage nach unserem Umgang mit dem Thema Alter aufwirft. Dass auch Night Sky, ähnlich wie schon das hervorragende Outer Range, ein Original ist und (nach Wissen des Rezensenten) auf keinerlei filmische oder literarische Vorlage zurückgreift, setzt dem Ganzen noch ein Extrakrönchen auf.

Hier noch der Trailer zur Serie „Night Sky“, die heute beim Streamingdienst Amazon Prime Video gestartet ist:

Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 20. Mai 2022

Night Sky 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Night Sky 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Zu den Sternen
Titel der Episode im Original
To the Stars
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 20. Mai 2022 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 20. Mai 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 20. Mai 2022
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 20. Mai 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 20. Mai 2022
Autor
Holden Miller
Regisseur
Juan José Campanella

Schauspieler in der Episode Night Sky 1x01

Darsteller
Rolle
Sissy Spacek
Chai Romruen
Kiah McKirnan
Adam Bartley
Cass Bugge
Beth Lacke

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