Leverage 4x01

In vielerlei Hinsicht ähnelt Leverage einem Procedural, in dem die Geschichten immer nach einem ähnlichen Muster ablaufen: Ein Opfer skrupelloser Machenschaften wendet sich an Nate (Timothy Hutton). Er und sein Team versuchen, den Missetäter aufs Kreuz zu legen, wobei der ursprüngliche Plan meist an irgendeinem Punkt scheitert. Schließlich gelingt es ihnen aber doch, der Gerechtigkeit genüge zu tun.
Das ist gar nicht als Kritik gemeint, schließlich ist es genau diese Gleichförmigkeit, die ein Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit schafft. Damit dieses angenehme Empfinden jedoch nicht in Langeweile umschlägt, ist es wichtig, innerhalb des Schemas für ausreichend Variation zu sorgen. Genau dafür könnte The Long Way Down Job als ein Musterbeispiel dienen. Im Grunde läuft die Auftaktfolge der vierten Staffel genau so ab, wie man es von Leverage kennt. Trotzdem kommt sie einem zu keinem Zeitpunkt fad vor. Ganz im Gegenteil.
Dass dies auf so vorzügliche Weise gelingt, liegt natürlich zum einen am Wechsel des Handlungsortes: Für den Staffelauftakt hat der US-Sender TNT einmal richtig tief ins Portemonnaie gegriffen - und der Serie einen Ausflug in tief verschneites Bergland gegönnt, was der Folge (nicht zuletzt auch dank der Regie von „Independence Day“-Produzent Dean Devlin) einen epischen Anstrich gibt. Eliot (Christian Kane) und Parker (Beth Riesgraf) stapfen ersichtlich nicht nur durch den üblichen Hollywood-Kunstschnee, was der Episode automatisch ein Gefühl von Größe und (authentischer) Gefahr verleiht.
Zum anderen gelingen den Machern aber auch auf der Ebene der Folgenstruktur kleine, aber doch wichtige Variationen: So beginnt die Folge gleich am Berg - und schiebt die Verpflichtung des Leverage-Teams nur als kurze Rückblende später hinterher. Auch andere typische Merkmale der Serie werden geschickt variiert: Als Nate seinen zum Markenzeichen gewordenen Spruch „Let's steal a...“ anbringt, muss er sich anhören, dass er die Version mit „Let's steal a mountain“ schon einmal verwendet hat - woran er sich aber wahrscheinlich nicht mehr erinnere, weil er damals zu betrunken gewesen sei.
Überhaupt glänzt Leverage wieder durch spritzige Dialoge, welche das komödiantische Talent der Darsteller voll zur Geltung bringen. Daneben kommt allerdings auch die Beschäftigung mit den Charakteren nicht zu kurz: So haben Eliot und Parker, als sie versuchen, sich aus der Höhle zu befreien, eine sehr bewegende Szene miteinander, welche beide Figuren an Tiefe gewinnen lässt.
Parker kann den Gedanken nicht ertragen, die Leiche des Opfers allein in der Höhle zurückzulassen. So sehr sie auch die geborene Einzelgängerin ist und vor all zu großer Nähe - beispielsweise gegenüber Hardison (Aldis Hodge) - instinktiv zurückschreckt, so tief ist in ihr der Wunsch nach Zusammengehörigkeit und Verbundenheit ausgeprägt. Dass es ihr am Ende gelingt, ihre Auftraggeberin mit ihrem toten Gatten - vermittels einer Videobotschaft - wiederzuvereinen, geht nicht nur den Zuschauern, sondern sogar ihr selbst so sehr zu Herzen, dass sie nunmehr in der Lage ist, Hardisons Gefühle mit der Geste einer Umarmung zu erwidern. Ohhh...
Eliot wiederum offenbart, dass in ihm mehr steckt als nur der grummelige Schläger, als der er so gerne posiert. Im Gespräch mit Parker beweist er ein gehöriges Maß an Selbstreflektion, was das Team und ihrer beider Rolle darin angeht.
Die Figuren und ihre Beziehung zueinander (oder die Leugnung derselben, siehe Nate und Sophie), spielt in der Serie eine immer größere Rolle, was ebenfalls ein gewichtiger Faktor ist, der Leverage über das einfache Procedural heraushebt.
Hinzu kommt natürlich insbesondere seit der dritten Staffel der jeweils staffelübergreifende Handlungsbogen, welcher in The Long Way Down Job zunächst nur dezent angedeutet wird: Irgendjemand spioniert dem Leverage-Team nach - und das Team hat keine Ahnung, wer das sein könnte. Kein gigantischer Cliffhanger; der wäre allerdings auch nach einer alleinstehenden Folge, die für sich selbst genommen schon großartig war, aber auch irgendwie deplatziert und übertrieben gewesen. Stattdessen verabschiedet uns die Folge mit einem kleinen Haken, der uns auf das Kommende neugierig macht.
Fazit
Ein fieser Finanzhai als Gegenspieler, das wunderbare Zusammenspiel des Teams und eine beeindruckende Kulisse - Leverage ist und bleibt einer der besten, weil unterhaltsamsten Gründe, im Sommer Fernsehen zu schauen.
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 27. Juni 2011(Leverage 4x01)
Schauspieler in der Episode Leverage 4x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?