Letzte Spur Berlin 1x01

© er Cast von âDie letzte Spurâ / (c) ZDF / Silke Cronauer und Daniela Incoronato
Drehbuchautor Orkun Ertener ist seit dem Ende von KDD - Kriminaldauerdienst nicht untĂ€tig gewesen. Neben der neuen Krimiserie Die Chefin, die Ende Februar im ZDF Premiere gefeiert hat „37981“, hat er auch Die letzte Spur fĂŒr den Mainzer Sender konzipiert.
Die Chefin hatte anfangs fĂŒr einen Schock gesorgt, weil die Pilotfolge zunĂ€chst einmal den Eindruck machte, als wĂŒrde das ZDF damit wieder bei „Derrick“ anknĂŒpfen wollen. SpĂ€ter drehte die Serie - mit der vorzĂŒglichen Katharina Böhm in der Hauptrolle - jedoch tĂŒchtig auf und wurde zum Ende hin ein richtig spannender Thriller. Klar, dass sich das ZDF fĂŒr die geplante zweite Staffel ausgerechnet von diesem fortgesetzt erzĂ€hlten Element der Serie zu trennen gedenkt. Die Zuschauerzahlen von Die Chefin waren ja drauf und dran, das im deutschen Fernsehen mit groĂer Hingabe gepflegte Dogma, dass fortgesetzt erzĂ€hlte Serien beim Publikum nicht ankommen, zu widerlegen. Das ist natĂŒrlich unter allen UmstĂ€nden zu vermeiden!
Der „Derrick“-Schock bleibt bei Die letzte Spur aus. Die Serie ist von Beginn an so flott und modern erzĂ€hlt, dass gar kein Verdacht in diese Richtung aufkommt. DafĂŒr hĂ€lt sie jedoch fĂŒr den geneigten Serienjunkie eine Irritation ganz anderer Art bereit.
Die letzte Spur handelt nĂ€mlich von einem Team der Vermisstenstelle bei der Berliner Polizei. Kriminalhauptkommissar Oliver Radek (Hans-Werner Meyer, Die Cleveren) und seine Kollegen Mina Amiri (Jasmin Tabatabai), Sandra ReiĂ (Susanne Bormann) und Daniel Prinz (Florian Panzner) machen sich auf die Suche nach verschwundenen Personen und bemĂŒhen sich, deren Schicksal auf den Grund zu gehen, indem sie das Leben der Betreffenden erforschen. Wer waren ihre Freunde? Wer ihre Feinde? Welchen Grund könnten sie gehabt haben, sich aus dem Staub zu machen? Oder ist es nicht vielleicht doch jemand anders, der sie hat verschwinden lassen (durch Mord oder EntfĂŒhrung)?
Das ZDF bewirbt die Produktion als „erste deutsche Krimiserie ĂŒber Vermisstenschicksale“. Und verweist damit indirekt schon ein bisschen auf die Tatsache, dass es da ja vor ein paar Jahren eine nicht ganz unerfolgreiche US-Serie gab, die sich ausgiebig mit diesem Sujet befasst hat. Die letzte Spur ist vielleicht keine exakte Kopie von Without A Trace, aber doch von so groĂer Ăhnlichkeit, dass sich das ZDF lieber schon mal auf Post von Jerry Bruckheimers AnwĂ€lten einstellen sollte.
Aus der Tatsache, dass es schon einmal eine andere Serie zu einem bestimmten Thema gab, kann zwar nicht folgen, dass man nun zu diesem Thema keine eigene Serie drehen darf (ohne dass man der Kopie bezichtigt wird). Wenn ein Thema jedoch von einer anderen, erst kĂŒrzlich zu Ende gegangenen Serie aber schon so prominent besetzt worden ist, dann besteht die kreative Herausforderung gerade darin: Wie kann man diesen Stoff anders erzĂ€hlen? Wie kann man ihm einen neuen Spin geben? Und zumindest die ersten beiden Folgen von Die letzte Spur lassen in keiner Weise erkennen, dass die Macher auch nur den Versuch unternommen haben, sich dieser Herausforderung zu stellen.
Eines muss man Die letzte Spur dabei zu Gute halten: Es ist keine schlechte Kopie von Without A Trace. Die Plots der beiden Auftaktfolgen sind spannend und wendungsreich erzĂ€hlt, wobei die Autoren einige gerade in deutschen Serien beliebte Klischees erst anspielen, dann jedoch geschickt umgehen und zu einer ĂŒberraschenden Auflösung fĂŒhren. Im Grunde kann man so weit gehen zu behaupten: Diese DrehbĂŒcher hĂ€tten auch fĂŒr Without A Trace verfilmt werden können, ohne dass die Fans von WaT einen qualitativen Unterschied bemerkt hĂ€tten.
Der Rezensent hat dieses Experiment insofern vollzogen, als dass er sich unmittelbar im Anschluss an das Screening von Die letzte Spur noch eine Folge von Without A Trace angeschaut hat - und es ihm wie ein nahtloser Ăbergang vorkam.
Die Figuren hinterlassen bislang einen weder ĂŒbermĂ€Ăig guten noch schlechten Eindruck. Allenfalls die Figur von Jasmin Tabatabai sticht ein wenig heraus - dank ihrer (selbst-) ironischen Zunge und eines vergleichsweise originellen Familienhintergrunds (ihr Mann ist ein blinder Philosophieprofessor). Die Pilotfolge beginnt natĂŒrlich erst einmal damit, dass ein „Neuer“ ins Team dazukommt (Vielleicht sollten wir bei Serienjunkies.de mal einen Preis ausschreiben - fĂŒr die Krimiserie, der es gelingt, ohne dieses Plotmuster auszukommen).
Begleitend zur Ausstrahlung der Serie, immer freitags um 21.15 Uhr, bietet das ZDF unter www.dieletztespur.zdf.de im Internet (auch mobil fĂŒr Tablet und iPad nutzbar) einen so genannten Second Screen an, auf dem man mit anderen Zuschauern chatten, sich ĂŒber VerdĂ€chtige austauschen und einige etwas unsinnige Zuordnungsspielchen auf einem TĂ€ter-/Opfer-Diagramm vornehmen kann. Als Anreiz, die Episode live bei der Ausstrahlung zu sehen, mag das ja nicht schlecht gedacht sein. Letztlich kommt man aber kaum um den Verdacht herum, dass diese Internet-MĂ€tzchen vor allem dazu dienen, den inhaltlichen InnovationsrĂŒckstand zu ĂŒbertĂŒnchen. Netter Versuch, MainzelmĂ€nnchen, netter Versuch!
Fazit
Wer gerne eine achte Staffel von Without A Trace sehen möchte, ist bei Die letzte Spur bestens aufgehoben. Wenn man einmal von dem konzeptionellen Mangel an OriginalitÀt absieht, ist es eine richtig gut gemachte Krimiserie.
Ach, ZDF, da habt Ihr dieses Talent und diesen durchaus ansehnlichen production value an der Hand - und Euch fĂ€llt wirklich nichts anderes als Without A Trace auf Deutsch ein? (StoĂseufzer eines von der deutschen Serie mehr und mehr desillusionierten Serienjunkies)
Der Vorspann
Verfasser: Christian Junklewitz am Freitag, 20. April 2012(Letzte Spur Berlin 1x01)
Schauspieler in der Episode Letzte Spur Berlin 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?