
Nach Arrow und The Flash folgt mit Legends of Tomorrow nun die dritte Serie aus dem beim US-Sender The CW beheimateten „Arrow“-Verse, die mit der Episode Pilot Part 1 beginnt. Im Vorfeld wurde das Konzept reichlich plakativ mit den Worten „Doctor Who trifft auf „Guardians of the Galaxy““ umschrieben, doch: Passt das?
Worum geht es in „Legends of Tomorrow“
Rip Hunter (Arthur Darvill) ist ein Mitglied der Time Masters und möchte etwas gegen Vandal Savages (Casper Crump) Schreckensherrschaft unternehmen, denn in der Zukunft ist es dem unsterblichen Zeitreisenden tatsächlich gelungen, die Welt zu unterjochen. Dabei schreckt er natürlich nicht vor kaltblütigem Mord zurück - auch nicht vor Frauen oder Kleinkindern, wie uns die ersten paar Minuten, die in einem dystopischen Szenario spielen, eindringlich beweisen.
Da das Time Masters Council aber nicht auf Hunter hört, reist er ohne ihre Erlaubnis zurück in die Vergangenheit (150 Jahre, um genau zu sein), um ein achtköpfiges Team zu versammeln. Das soll nun möglichst viele Informationen zu Savage sammeln und ihm so den Garaus machen. Unterstützt wird er dabei vom Bordcomputer Gideon, den die Zuschauer schon aus der Serie The Flash als AI von Harrison Wells kennen.
Hunter schaut deswegen bei Atom (Brandon Routh) vorbei, der gerade für Green Arrow (Stephen Amell) einen Auftrag gegen H.I.V.E. ausführt. Ebenso bei Sara Lance (Caity Lotz), die es nach Tibet verschlagen hat und dort in einen bar fight (nicht der einzige der Episode) verwickelt wird, in Pittsburgh bei Firestorm, der momentan aus der Kombination Jefferson und Dr. Stein besteht (Franz Drameh und Victor Garber), in St. Roch, wohin es die Falkenhelden Kendra Saunders aka Hawkgirl (Ciara Renee) und Carter Hall (Falk Hentschel) aka Hawkman verschlagen hat, sowie in Central City vorbei, wo die beiden Rogues Captain Cold aka Leonard Snart und Heat Wave (Dominic Purcell) gerade ein krummes Ding am Laufen haben. Diese krude Mischung aus Helden, Schurken, Wiedergeborenen, Unentschlossenen und Träumern will Hunter also durch die Zeit schicken.
Dabei sind vor allem Jefferson und Kendra unentschlossen und brauchen noch etwas Nachhilfe. Bei Firestorm passiert das mithilfe Betäubungsmitteln und bei Kendra durch einen verlorenen Zweikampf mit ihrem Seelenverwandten Hawkman. Ray vertraut sich derweil noch Oliver Queen an, damit jemand weiß, dass er auf eine Mission aufgebrochen ist und bespricht mit ihm, dass eine Weltrettungsmission genau das ist, was er braucht, damit er ein Vermächtnis hinterlässt. Anders als bei seinem ersten „Tod“ (siehe das Ende von Arrow-Staffel 3). Sara wird durch ihre Schwester Laurel (Katie Cassidy) überzeugt, die per Cisco sogar ein neues White-Canary-Outfit parat hat. Zufälle gibt's...
Das Team ist also von der Idee überzeugt, auch wenn Heat Wave und Captain Cold eher weniger Interesse am Heldending haben, sondern eine Chance wittern, historische Raumzüge (im wahrsten Sinne des Wortes) zu veranstalten.
Waverider
Mit dem Waverider (Comicanspielung!), der über eine fortschrittliche Tarnfunktion verfügt, macht sich das Team also zur ersten Reise in die Vergangenheit auf: ins Jahr 1975 nach St. Roch. Dort wird der Experte Dr. Aldus Boardman (Peter Francis James) konsultiert, ein wahrer Fachmann für die Geschichte des Konflikts zwischen Hawks und Savage und, wie sich auch recht fix herausstellt, das Kind einer früheren Inkarnation von Carter und Kendra. Dabei wird noch einmal die Hawk-Geschichte abgehandelt, die man verpasst haben könnte, wenn man das „Flarrow“-Crossover nicht gesehen hat (was bei der deutschen TV-Ausstrahlung wegen der verschiedenen Senderfamilien von „Flash“ und „Arrow“ durchaus zum Problem werden kann) und damit trotz der wiederholten Exposition verständlich ist.
Exposition ist bei diesem Serienauftakt sowieso ein gutes Stichwort. Denn er hat die schwierige Aufgabe, zehn Hauptfiguren sowohl für Kenner als auch Neulinge einzuführen, weswegen die Hälfte der Episode durch viele erklärende Dialoge und Halbsätze durchzogen ist. Mich persönlich stört das nicht, weil man das von einer Pilotepisode eigentlich erwarten sollte, zumal man ja möglichst viele Zuschauer ansprechen will - aber es fällt definitiv auf.

Natürlich verläuft so eine Zeitreise nicht ohne Komplikationen (auch für die Reisenden, die temporär erblinden können, erbrechen oder die Orientierung verlieren) und so taucht bald Chronos auf der Bildfläche auf, der das Schiff, in dem nur noch Jefferson hinterblieben ist, weil Heat Wave, Cold und Canary auf ein Bier ausgegangen sind, heftig attackiert. Also muss der Rest der Crew inklusive Professor zurückkehren, obwohl Hunter weiß, dass das Leben des Hawk-Sprösslings in großer Gefahr schwebt.
Wie ist die erste Folge von „Legends of Tomorrow“ gelungen?

Abgesehen von der notwendigen Exposition, die sich auch auf die Zeitreiseregeln überträgt, passt die Mischung der Figuren erfreulich gut. Die Dummheit, die Heat Wave etwa mit seinen Sprüchen an den Tag legt, ist fabelhaft. Gefühlt hat er auch das pathosgeladene overacting aus den Anfangstagen von The Flash heruntergeschraubt. Jede Figur erhält in der Kürze der Zeit eine mehr oder weniger befriedigende Begründung, um mit auf dieses Abenteuer zu gehen, wobei Ray Palmer vielleicht bisher am überzeugendsten ist.
Natürlich darf auch ein großer Twist nicht fehlen (Achtung, Spoiler!): Statt Legends sind die Auserwählten diejenigen, die in 100 Jahren keinen allzu großen Einfluss auf das Raum-Zeit-Kontinuum nehmen. Sorgt das im ersten Moment für Ernüchterung und Niedergeschlagenheit unter den Protagonisten, ist es im Endeffekt doch das, was sie noch viel eher dazu anregt, Savage den Kampf anzusagen.
Die Charakterisierung als Mischung aus Doctor Who und „Guardians of the Galaxy“ stellt sich in meinen Augen als durchaus treffend heraus, wenn man mal außerirdische Wesen ausklammert, die (noch) nicht vorkommen. Denn dadurch, dass es teilweise wirklich Randfiguren und Außenseiter sind, dürften die Autoren mehr Narrenfreiheit für Experimente bekommen. Auch vom Ton hat man sich für eine interessante Mischung irgendwo zwischen düster-ernstem Arrow und eher leichtfüßigem The Flash entschieden, bei dem man in einem Moment in einer Dystopie sein kann und im nächsten einem lockeren bar fight in den 70ern beiwohnt oder vor lauter „Pew Pew Pew“ der verschiedenen Strahler und Waffen den Eindruck hat, als wäre man direkt in ein Comic gefallen.
Wie einsteigerfreundlich ist „Legends of Tomorrow“?
Gerne möchte ich auch die Frage klären, ob man als Nichtkenner von Arrow und The Flash in Legends of Tomorrow reinschauen kann. Das würde ich mit einem „Ja, aber...“ beantworten. Durch die Vorgeschichte in zwei Serien ist es sehr gut möglich, dass man als neuer Zuschauer den Eindruck erhält, dass man etwas verpasst hat. Doch die Macher vermitteln genug Informationen über die Exposition, damit man das Wesentliche begreift. Im Zweifel holt man also das Crossover nach und dürfte damit gut informiert sein. Komplett mus man die anderen Serien nicht gesehen haben, um seine Freude mit „Legends of Tomorrow“ zu haben.
Hat man das zweiteilige Crossover zwischen „Arrow“ und „Flash“ nicht geschaut, dann hat man allerdings eine weniger gute Vorstellung, was für ein Typ Vandal Savage eigentlich ist, da er von allen Figuren am blassesten bleibt. Zudem sind uns die Macher auch noch die Erklärung schuldig, wie genau er sich von seiner empfindlichen Niederlage erholten konnte. Der Teaser rund um die Raketen, die er sich aus Norwegen holt, erzeugt bei mir jedenfalls keine Begeistungsstürme, da es sich aber um einen Zweiteiler zum Auftakt handelt, warte ich hier mit dem Urteil noch etwas.

Rip Hunter feiert in der Pilotfolge von Legends of Tomorrow sein Debüt und gibt den Spielführer, der Regeln erklärt und natürlich auch persönlich von Savages Wirken betroffen ist. Darvill macht einen sympathischen, aber auch einen leicht zwielichtigen Eindruck, könnte für den einen oder anderen durch sein Vorwissen allerdings auch etwas zu overpowered wirken. Da müssen die Autoren aufpassen. Aus großem Wissen über die Zukunft folgt große Verantwortung für das Raum-Zeit-Kontinuum.
Außerdem spielen moralische Grautöne eine wichtige Rolle, denn bis auf Ray haben wir es hier nicht mit klassischen Gutmenschen zu tun, sondern mit teils skrupellosen, teils gänzlich unerfahrenen und teils unmoralischen Individuen zu tun, die allerdings alle gemeinsames Interesse daran haben, die Welt vor der Unterjochung zu bewahren - auch wenn es nur bedeutet, die eigene Haut zu retten. Das ist etwas anderes als der pure Held, den es bei The Flash zu sehen gibt und der Vigilantenerzählung, die Arrow anfangs bestimmt hat.
Fazit

Mir hat der Einstieg in die Welt von Legends of Tomorrow ähnlich viel Spaß bereitet wie etwa Supergirl oder The Flash und ich habe nun Lust auf wöchentliche Superheldenzeitreisen. Das ganz große Wow ist aber noch ausgeblieben, darum hat der Auftakt die vier Sterne haarscharf verfehlt.
An gewissen Ecken und Enden kann ansonsten sicherlich noch geschraubt werden (weniger Exposition und mumbo jumbo), aber erst, wenn auch alle Zuschauer ungefähr den gleichen Kenntnisstand zur Mission haben.
Es dürfte im weiteren Serienverlauf eine Herausforderung sein, acht bis zehn Figuren die richtige Menge an Screentime zuzuschustern und dabei niemanden zu übergehen oder zu sehr in den Fokus zu rücken. Es ist zudem immer schwierig, einen Gehirnknoten oder Widersprüche bei Zeitreisen zu vermeiden, deswegen erwarte ich klar definierte Regeln. Allerdings freue ich mich auf die Möglichkeiten, die Vergangenheit zu besuchen und dort Unfug zu treiben.
Auf Schurkenseite muss zudem mehr aufgefahren werden als nur Vandal Savage und Boba-Fett-Klone und Fußsoldaten, sonst kann es auch dort schnell langweilig werden.
Trailer zur Episode Pilot Part 2 der US-Serie Legends of Tomorrow (1x02):