Law & Order: True Crime 1x01

Law & Order: True Crime 1x01

Mit der Geschichte der Menendez-Brüder steigt Law & Order ins True-Crime-Miniserienbusiness ein, das ohnehin gerade boomt. Dabei haben sie sich bei großen Vorbildern gute Seiten abgeschaut, aber auch ihr Stammpublikum nicht vergessen.

Edie Falco in der Serie „Law & Order: True Crime“ / (c) NBC
Edie Falco in der Serie „Law & Order: True Crime“ / (c) NBC
© die Falco in der Serie „Law & Order: True Crime“ / (c) NBC

Miniserien über wahre Verbrechen, die sich nicht selten als Anthologieserien entpuppen, haben gerade einen echten Boom und davon will nun auch Dick Wolf mit seinem Crime-Franchise profitieren und bringt daher Law & Order: True Crime auf die Mattscheibe. Das, was später als erste Staffel bekannt werden könnte, trägt den Zusatztitel „The Menendez Murders“. Wir bewegen uns also in einem Fall, der die US-Öffentlichkeit lange beschäftigt hat.

Wovon handelt die Serie?

Statt des berühmten „Dun Dun“ oder „Doink Doink“, das für gewöhnlich jede Law & Order-Serie einläutet, starten wir in die neue Miniserie mit einer stillen und dramatischen Sequenz, in der wir ohne Töne den Mord an den beiden Opfern erleben. Dabei achten die Serienmacher darauf, dass es grausam, aber nicht übertrieben detailliert wirkt. Das große Drama bringt dann der berühmte Anruf der Bruder in der Notrufzentrale, die über die Anfahrt des Detectives an den Tatort geschnitten wird.

An der Seite von Detective Les Zoeller (Sam Jaeger, Parenthood) erkunden wir den Tatort ein zweites Mal. Es ist ein gut gesichertes Luxusanwesen, auf dem riesigen Fernseher im Wohnzimmer läuft eine Bibelgeschichte, auf den weißen Sofas liegen die beiden Toten, Jose Menendez ( Carlos Gomez) und seine Frau Kitty (Lolita Davidovich).

Wir leiden uns mit ihren Söhnen durch deren Befragungen und wissen ja doch bereits, dass genau sie die Urheber des Unglücks sind, die Mörder. Der ältere, Lyle (Miles Gaston Villanueva), behält die Kontrolle und erzählt die Geschichte seines im Filmproduktionsbusiness äußerst erfolgreichen Vaters und seiner depressiven Mutter. Der jüngere, Eric (Gus Halper), flüchtet sich vom ersten Moment an in verzweifeltes Weinen und Stammeln.

Von den Verhören springt die Serie vor zu dem wahren Star der Stunde, Anwältin Leslie Abramson (Edie Falco; The Sopranos, Nurse Jackie). Sie spricht von einem gewalttätigen Vater und bringt damit die Jury ins Grübeln, doch als Zuschauer muss man sich erst einmal darauf konzentrieren, wie wunderbar diese Darstellerin ist und wie sie mit Leichtigkeit die Qualität der Serie nach sieben Minuten enorm anhebt.

Doch dann springen wir zurück, zu der Zeit nach dem Mord, in der die Brüder sich mit ihren Verwandten treffen und die trauernden Kinder geben, ohne dabei zu übertreiben. Ohne es groß geheim zu halten, gehen sie sich nämlich auch teure Uhren kaufen und wollen ins Haus der Eltern vor allem, weil Erik seinen Tennisschläger braucht. Sie wirken unnahbar, wenn es um andere geht, seltsam unberührt von den Ereignissen, bis es um sie selbst geht.

Und dann mittendrin, man hat schon fast vergessen, dass man hier Law & Order schaut, ist es plötzlich da, das altbekannte „Dun-Dun“, das uns darauf hinweist, dass hier Schlimmes vor sich geht, aber gute Menschen da sind, die ermitteln, und es am Ende zwar brutal, aber selten grausam wird. Lyle scheint erst die Ankunft seiner Liebe Jamie ( Bailey Noble) nahe zu gehen.

In passend eingeschobenen und gut portionierten Rückblicken erfahren wir, dass der Vater versucht hat, seinem Sohn die Verlobte auszureden und sich mit Geldentzug deutlich gegen die Beziehung stellte. Der Uhrenkauf, den Lyle offenbar sehr genießt, scheint Erik peinlich zu sein, vermutlich ist ihm auch bewusst, wie die Aktion wirkt.

Wie kommt es rüber?

Wie bei True-Crime-Verfilmungen immer starten wir in die Story mit einer großen Menge an Vorwissen. Wir kennen die Mörder, den Ausgang des Prozesses, das weitere Schicksal der Beteiligten. So auch bei Law & Order: True Crime. Wir wissen, dass die Brüder es getan haben, schnell kann man kaum die Augen davor verschließen, dass sie es zu großen Teilen aus Geldgier und Unzufriedenheit gemacht haben. Dass sie es getan haben, weil sie sich ihr Leben nicht ohne das Erbe vorstellen konnten und sie dabei waren, enterbt zu werden.

Doch das gibt den Autoren auch die Möglichkeit, sich auf die Charakterzeichnung zu konzentrieren, was sie in der Pilotepisode für Law & Order-Verhältnisse erstaunlich gut machen. Dabei geht es weniger um die beiden gefühlskalt scheinenden Täter, deren Motive nicht so subtil sind, sondern darum, wie die Menschen um sie herum mit dieser Tat umgehen, die die Öffentlichkeit schockiert. Von der Anwältin über die Ermittler bis hin zum Therapeuten des Bruders, der eine Affäre hat, erfahren wir viel von den Figuren und es dürfte wohl noch so einiges folgen.

Fazit

Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Law & Order-Franchise dem Fall der Menendez-Familie annimmt. Schon in der ersten Staffel der Ursprungsserie, in The Serpent's Tooth, haben die Serienmacher um Dick Wolf das Thema aufgegriffen. Doch das „True Crime“-Spin-off ist die Gelegenheit, sich von den leicht veränderten Namen und Sachverhalten zu verabschieden und offen einen Fall aus der Realität durchzuspielen.

Trailer zu „Law & Order: True Crime“:

Verfasser: am Mittwoch, 27. September 2017

Law & Order: True Crime 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Law & Order: True Crime 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Folge 1
Titel der Episode im Original
The Menendez Murders: Episode 1
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 26. September 2017 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 19. April 2018
Autor
Rene Balcer
Regisseur
Lesli Linka Glatter

Schauspieler in der Episode Law & Order: True Crime 1x01

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