The Last Man on Earth 2x18

The Last Man on Earth 2x18

Die zweite Staffel von The Last Man on Earth hat sich zum Glück von Phil als All-Time-Douchebag verabschiedet und sich stattdessen auf komödiantischer und dramatischer Ebene weiterentwickelt. Leider gerät dabei die eigentliche Prämisse noch weiter in den Hintergrund.

Will Forte unterhält als Phil Tandy Miller auf ganzer Linie. / (c) FOX
Will Forte unterhält als Phil Tandy Miller auf ganzer Linie. / (c) FOX

Durch immer wiederkehrende Pausen und unregelmäßige Ausstrahlungstermine haben sich die 18 Episoden der zweiten Staffel von The Last Man on Earth ziemlich in die Länge gezogen. Dennoch konnte diese vor allem durch die Abkehr von der bisherigen Charakterzeichnung Phils (Will Forte) als 24/7-Unsympath auftrumpfen und dabei sowohl auf humoristischer als auch auf dramatischer Ebene einen zackigen Zahn zulegen.

Bin da, wer noch?

Das begann bereits zu Beginn der Staffel, als sich die Isolation von Phil und Carol (Kristen Schaal) recht schnell auflöste, da sich Carol zu sehr nach ihren einstigen Freunden aus Tucson sehnte. Jedoch haben die sich mitlerweile ein schöneres Örtchen auserkoren und leben nun in Malibu. Besonders der kurzweilige Gastauftritt von Will Ferrell als Gails (Mary Steenburgen) neue und leider auch gleich alte Liebe schafft es dabei, die humoristische Messlatte hochzulegen. So wird Carol unfreiwillig durch ihre überraschende Rückkehr zur indirekten Mörderin und Gail fortan zur tragischen Witwe.

Immer wieder hieß es Abschied nehmen in der zweiten Staffel von %26bdquo;The Last Man on Earth%26ldquo;. © FOX
Immer wieder hieß es Abschied nehmen in der zweiten Staffel von %26bdquo;The Last Man on Earth%26ldquo;. © FOX

Doch, da die Gruppe alles andere als positiv auf die Rückkehr Phils reagiert, ist bei diesem eine komplette Kehrtwende gefragt. Aus Liebe zu Carol macht er sich zu einer der demütigsten Personen der gesamten Seriengeschichte, deren bisher nerviges Kalkül durch eine nicht minder nervige Nettigkeit geht, die nun im Kontrast zu der auch nicht unfehlbaren Restgruppe stehen. Das wird besonders im Zuge des „Bacon-gates“ deutlich, als Phil noch im allerletzten Moment versucht, Todd (Mel Rodriguez) komplett von seiner Schuld zu entlasten.

Der größte Widersacher Phils ist dabei natürlich immer noch sein Namensvetter (Boris Kodjoe), dessen heldenhaftes Antlitz durch die überraschende Schwangerschaft Ericas (Cleopatra Coleman) zu bröckeln beginnt. Phil entpuppt sich im Rahmen dieser neuen Umstände als ebenso egozentrisch und unverantwortlich, wie er es zuvor Phil vorgeworfen hat, wobei die Situation durch seine kontinuierliche Liebe zu Carol nicht gerade entlastet wird. Das Ganze mündet schließlich in der Episode Silent Night, in welcher sich Phil durch seine Blinddarmentzündung aus der Serie verabschiedet und die Comedy eine neue emotionale Qualität erreicht.

Ground control to Major Mike

Besonders durch Parallelmontage zwischen der Ankunft Mikes (Jason Sudeikis) auf der Erde und dem Abschied Phils von dieser, schafft es The Last Man on Earth tatsächlich, für einen Moment mehr als nur eine simple Comedyserie zu sein. Im Zuge der zweiten Staffelhälfte schafft es der Astronaut schließlich um ein paar Umwege in bester „Gravity“-Manier ebenfalls auf die Erde und schließlich nach Malibu, um sich endlich mit seinem Bruder wieder zu vereinen.

Phil (Will Forte) kann sich endlich mit seinem Bruder Mike (Jason Sudeikis) versöhnen. © FOX
Phil (Will Forte) kann sich endlich mit seinem Bruder Mike (Jason Sudeikis) versöhnen. © FOX

Jedoch sorgt das Aufeinandertreffen nicht nur für einen Haufen Streiche und urkomische Szenen wie etwa die in Endlosschleifen gesungene Ballade „Falling Slowly“. Am Ende der Staffel bekommt die Hassliebe der beiden durch die Infizierung Mikes zudem eine plötzliche Kehrtwende. Denn natürlich ist Mike im Gegensatz zu den anderen nicht auf der Erde, weil er immun gegen das Virus ist, sondern weil er einfach nicht auf der Erde war. Schade, dass sich Jason Sudeikis nach so kurzer Zeit wieder aus der Serie verabschieden muss, stellte sein Charakter doch eine wirkliche Bereicherung der Gruppe dar.

Wir gedenken noch einmal der besonderen Bruderschaft zwischen Mike und Phil mit diesem Lied:

Let's talk about love, baby!

Dafür dreht sich durch die Schwangerschaften von Carol und Erica nun langsam alles um das Thema Arterhaltung. Wir könnten also bereits in der kommenden dritten Staffel die „first babies on earth“ zu Gesicht bekommen. Damit wird jedoch auch gleichzeitig weiterhin klar, dass sich The Last Man on Earth zu einem sehr großen Teil durch RomCom-Elemente aufbaut und für meinen Geschmack ein bisschen zu selten das eigentliche Thema der postapokalyptischen Überlebensstrategien anspricht.

Andererseits fällt dabei besonders der Abbau von gängigen Ästhetikklischees positiv auf, wenngleich dieser vor allem bei den Männern aufzuzeigen ist. Indem sich nämlich der „hunk“ Phil durch sein egoistisches Verhalten aus der Gruppe distanziert und stattdessen der übergewichtige Todd die erste Dreiecksbeziehung mit Melissa (January Jones) und Gail (Mary Steenburgen) eingeht, schafft es die Comedy weiterhin, die in der ersten Staffel vor allem durch Phil vertretene Bestätigung von sexistischen Klischees abzubauen.

Stattdessen betont The Last Man on Earth immer wieder Liebesgeschichten, die sich vor allem um charakterlichere Stärken drehen und kommt daher wesentlich fortschrittlicher und konsequenter als der Großteil der restlichen Comedywelt daher. Natürlich besteht der Großteil der Frauen immer noch aus „babes“, jedoch stellt vor allem die Trennung Todds von Melissa zur Schau, dass unsere modernen ästhetischen Maßstäbe trendbedingt sind und es in einer pragmatischen Welt wie der der Postapokalypse nicht reicht, sich alleine auf das Aussehen zu konzentrieren.

Gail (Mary Steenburgen); Todd (Mel Rodriguez) und Melissa (January Jones) leben ihre Dreiecksbeziehung. © FOX
Gail (Mary Steenburgen); Todd (Mel Rodriguez) und Melissa (January Jones) leben ihre Dreiecksbeziehung. © FOX

Fazit

Insgesamt scheint vor allem die neue Auslegung von Phil der Serie wesentlich besser zu stehen - zuvor war er noch der sich ewig im Kreis drehende Dauernerver. Stattdessen stößt sich dieser zu Beginn der zweiten Staffel dermaßen die Hörner ab, dass er vom nettesten Menschen auf Erden wieder zu einem angesehenen Mitglied der Menschheit wird, ohne dabei seine komischen Eigenheiten abzulegen („The heat is off!“).

Doch auch dramatische Elemente vermag diese Neuausrichtung mit Bravour zu meistern. Dabei erzeugt sie eine Tragikomik, die kaum mit einer anderen Serie zu vergleichen wäre, wenn beispielsweise die Trennung von Mike und Phil mit Furzwitzen aufgelockert wird und dennoch nicht an Haltung verliert.

Mögen sich diese Elemente auch alle in eine gute Richtung entwickelt haben, so muss sich die Serie früher oder später dennoch der Frage widmen, wie sie mit der eigentlichen Prämisse der Serie umgehen möchte. Denn leider droht diese ab und an zu einer Art fiktivem „Big Brother“ zu verkommen, bei dem man sich daran ergötzt, dass eine Gruppe von Leuten nichts anderes zu tun hat, als den ganzen Tag die Zeit rumzukriegen und der Frage nachzugehen, wer als Nächstes mit wem etwas anfangen könnte. Damit meine ich jedoch nicht, dass unbedingt eine detaillierte Erklärung des eigentlichen Virus benötigt wird, vielmehr wäre eventuell ein roter Handlungsfaden dazu in der Lage, etwas mehr Dynamik in den einzelnen Erzählsträngen zu erzeugen.

Verfasser: Henning Harder am Samstag, 21. Mai 2016

The Last Man on Earth 2x18 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 18
(The Last Man on Earth 2x18)
Deutscher Titel der Episode
Bruderfurz
Titel der Episode im Original
30 Years of Science Down the Tubes
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 15. Mai 2016 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 26. Juli 2017
Autoren
Edward Voccola, Maxwell Kessler
Regisseur
John Solomon

Schauspieler in der Episode The Last Man on Earth 2x18

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