L.A.'s Finest: Review der Pilotepisode

© essica Alba und Gabrielle Union in „L.A.'s Finest“ (c) Spectrum
Die Cops Nancy McKenna (Jessica Alba) und Sydney Burnett (Gabrielle Union) stürzen sich im Auftakt von L.A.'s Finest in einen bleihaltigen Fall, in dem ein kleiner Junge ins Visier eines Drogenkartells geraten ist. Doch ihrer Mission, den Jungen zu beschützen, gerät etwas Persönliches in den Weg, was Syds Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.
Bad Girls
Eine tote Babysitterin und ein erschütterter Junge rufen das Duo McKenna und Burnett auf den Plan, die mit dem Schutz des Überlebenden beauftragt werden. Doch statt diesen in einem Safehouse vor Schaden zu bewahren, bricht Syd auf, um eine alte Rechnung zu begleichen, nachdem sie einem Hinweis nachgeht, auf den sie gewartet hatte. In einem Club droht die Situation jedoch schnell aus dem Ruder zu laufen und Syd kann sich glücklich schätzen, dass McKenna zur Stelle ist, um ihre Partnerin vor einer schier ausweglosen Situation zu bewahren.
Diese Chance nutzt jedoch wiederum das Kartell, dessen Konto von der Mutter des kleinen Jungen eingefroren wurde, um diesen brachial aus den Händen der Polizei zu entreißen, indem sie die vermeintlich sichere Unterkunft mit Waffengewalt zerlegen und ihr Ziel entführen. Ihre einzige Chance, ihn unbeschadet zurückzubekommen, sehen die Cops darin, McKenna als dessen Mutter getarnt in die Verhandlungen mit dem Anführer der Gangstertruppe zu schicken.
Nach einem Schusswechsel und einer waghalsigen Rettungsaktion während der Geiselnahme schaffen es die beiden Frauen schließlich, den Knirps unbeschadet aus den Fängen des Verbrechers zu befreien, der als endgültigen Denkzettel, sich nicht mit dem LAPD anzulegen, eine Kugel in den Kopf bekommt.
Whatcha gonna do when they come for you?
Als Akquisition des Spectrum Network, bei dem, wie relativ schnell auffällt, auch geflucht werden darf, macht L.A.'s Finest keinen Hehl daraus, wo seine Wurzeln liegen. Als Spin-off der „Bad Boys“-Filme mit Will Smith und Martin Lawrence versucht man etwas krampfhaft, die Dynamik der beiden Charaktere auch bei den beiden Leading-Ladys Jessica Alba und Gabrielle Union zu rekreieren. Allerdings ist Nancys Charakter als Familienmensch im Gegenteil zum Charakter von Marcus freiwillig und ohne zu zögern mitten im Geschehen. An Charisma mangelt es Alba und der magisch jung gebliebenen Union sicherlich nicht, wobei letztere die Rolle der Sydney Burnett aus den Filmen wieder annimmt. Allerdings sind die beiden Hauptcharaktere und ihre Dialoge etwas anstrengend aufdringlich auf cool getrimmt, was an einigen Stellen dementsprechend zu aufgesetzt wirkt.
Aber auf die Bremse zu treten ist sowieso nicht der Stil des Franchise und dem Großteil der Produktionen von Jerry Bruckheimer. Dementsprechend sollte man sich klar sein, was man geliefert bekommt: flotte Dialoge und Sprüche, schnelle Schnitte sowie jede Menge Action, die allerdings dem chaotischen Hochglanz der Filme mit einem Serienbudget nur schwer gerecht werden kann. Dennoch versucht man die optischen Trendmarken mit niedrigen Helikopterflügen und Ballhausfahrten (die Kamera dreht sich im Kreis um die eigene Achse) auch hier mit einfließen zu lassen, um den Szenen Stil und Gravitas zu verleihen, was wiederum (zu) sehr gewollt wirkt. Einen billigen Eindruck macht das Gesamtbild jedoch keineswegs.

Sh*t got real
Die Logik fängt sich im Kugelhagel schon früh eine fatale Wunde ein, so gibt es einige Szenen, die einen ziemlich mit den Augen rollen lassen können: Die Gangster wollen beispielsweise den Jungen gefangen nehmen, böllern aber völlig schmerzfrei erst einmal mit einem Raketenwerfer auf das Haus, in dem er sich befindet. Soll sich der Bengel eben ein wenig ducken, was soll dabei schon groß passieren?
Hauptsache, es kracht ordentlich. Dem Jungen bei der Geiselnahme ein Manöver, um sich selbst zu befreien, zuzutrauen, während der Schurke eine Granate mit gezogenem Pin in der Hand hält, ist auch schon starker Tobak, genauso wie solche Details wie die übertrieben schicke Wohnung, die sich Syd offensichtlich von einem Polizistengehalt leisten kann. Bei ihrem absurden Alltag könnte es ja vielleicht an der Gefahrenzulage liegen. Und woher wussten die Schergen des Kartells überhaupt, wo sich der Junge befindet?
Ein wenig suspension of disbelief - also, kurzum in puncto Realismus ein wenig die Augen zuzudrücken - gehört natürlich zum Universum von „Bad Boys“ und ist Voraussetzung, die Action genießen zu können. Doch es wirkt auch wie ein Relikt aus vergangener Zeit, so dass man das Gefühl nicht loswird, dass die Serie, die 13 Jahre nach den Filmen spielt, im Jahr 2004 besser aufgehoben wäre. Dennoch lässt sich sicher nicht behaupten, dass einem schnell langweilig wird, denn ein kurzweiliges Gefühl stellt sich aufgrund der temporeichen Inszenierung mit wenigen Atempausen durchaus ein.
An den Charakteren und der Rahmenhandlung sollte aber noch gefeilt werden, denn der Nachteil an einer Actionserie gegenüber Filmen in diesem Sinne ist, dass man früher oder später sich doch mit seinen Figuren auf zufriedenstellende Art beschäftigen muss, ehe der explosionsfreudige Rest zum Blendwerk verkommt.
Fazit
Fans der „Bad Boys“-Filme haben die besten Chancen, sich trotz diverser Defizite bei L.A.'s Finest wohlzufühlen. Ob Jessica Alba und Gabrielle Union es schaffen, das gelungene Niveau der besonderen Beziehungsdynamik ihrer Vorbilder zu erreichen, muss man definitiv noch abwarten. Wem es nichts ausmacht, was die Logik anbetrifft, ab und zu beide Augen zuzudrücken und sich von der schnell gestrickten Action treiben lässt, der findet kurzweilige Unterhaltung im Stile der Filme kurz nach der Jahrtausendwende. Dieses angestaubte Konzept, die absurden Szenarien und die erzwungene Coolness, gepaart mit dazu einhergehenden überspitzten Darbietungen der Darstellerinnen und Darsteller dürfte jedoch gewiss nicht jedermanns Sache sein.
Hier abschließend der Trailer zum Piloten der US-Serie „L.A.'s Finest":