Land of Women: Review zur Pilotfolge der US-amerikanisch-spanischen Dramedy-Miniserie bei Apple TV+

Land of Women: Review zur Pilotfolge der US-amerikanisch-spanischen Dramedy-Miniserie bei Apple TV+

Mit „Kapitel eins“ der Miniserie „Land of Women“ präsentiert der Streamingdienst Apple TV+ eine starbesetzte, charmante Dramedy um drei Frauen, deren Leben sich unvorhergesehen drastisch ändert. Vor allem die lockerere Erzählweise und Eva Longoria sorgen dabei für Schauwerte, wie wir in unserer Kritik zur Pilotfolge feststellen.

Szenenfoto aus der Episode „Kapitel Eins“ der Serie „Land of Women“
Szenenfoto aus der Episode „Kapitel Eins“ der Serie „Land of Women“
© Apple TV+

Das passiert in der Pilotfolge der Serie „Land of Women“

Gala (Eva Longoria) führt mit ihrem Mann, Tochter Kate (Victoria Bazua) und Mutter Julia (Carmen Maura) ein privilegiertes Leben in der Bostoner High Society. Als eines Tages zwei zwielichtige Gestalten vor ihr stehen und 15 Millionen Dollar Schulden eintreiben wollen, wird ihr klar, dass ihr Gatte statt eines erfolgreichen Geschäftsmannes ein Totalversager ist.

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Schnell verkauft sie ihren Schmuck, greift sich ihre Familie und flieht mit ihr in Julias spanisches Heimatdorf. Doch dort enden die Probleme nicht. Denn Eva verursacht einen Unfall mit einem Traktor, der ausgerechnet dem alleinstehenden Weinbauern Amat gehört (Santiage Cabrera). Dieser hat vor Jahren Julias geerbtes Haus von ihrer Schwester Mariona (Gloria Muñoz) gekauft und denkt nun gar nicht daran, seinen Besitz wieder herzugeben. Doch Gala hat keine andere Wahl: Sie muss in dem Dörfchen irgendwie Fuß fassen, um sich und ihre Familie zu schützen...

Der Trailer zur Serie „Land of Women“:

Princess and Prince Charming

Eine Dramedy, die in einem scheinbar wilden Mix aus Deutsch und Spanisch (im Original Englisch) präsentiert wird: Kann das überhaupt funktionieren? Es kann, wie aktuell die Miniserie Land of Women beweist. Obwohl es bisweilen für das Publikum unbequem anmutet, den Untertiteln in den Dialogen zu folgen, macht die Entscheidung der Sprachmischung in diesem Fall nämlich absolut Sinn. Einige der feinsinnigen und wirklich lustigen Gags würden ansonsten nämlich nicht funktionieren, was durchaus schade und zudem der Atmosphäre abträglich wäre.

Vorbeugend schickt der Streamingdienst Apple TV+ denn auch einen entsprechenden Disclaimer voraus, der die Zuschauenden genau auf jenen Umstand aufmerksam macht. Das ist lobenswert und in der Streamingwelt leider nicht unbedingt üblich. Der oben angesprochene Dialogwitz bezieht sich übrigens vornehmlich auf die überaus temperamentvoll von Desperate Housewives-Star Eva Longoria gespielte Hauptfigur Gala. Die führte bislang das angenehme Leben einer reichen Geschäftsmanngattin, die mal eben so in der Nobelboutique drei Kleider kauft und eine luxuriös eingerichtete Weinhandlung eröffnet, weil ihr der Sinn danach steht.

Dumm nur, dass ihr Mann nicht der supererfolgreiche Businessman ist, für den sie ihn hält. Stattdessen hat er in den letzten Jahren das Familienvermögen durch Fehlinvestitionen verloren und steht zu allem Überfluss bei einem mächtigen Geldhai mit gleich 15 Millionen Dollar in der Kreide. Dass der ihm irgendwann zwei miese Schläger auf den Hals hetzt, versteht sich von selbst. In einer witzigen Szene lässt er alles stehen und liegen und verdrückt sich. Gala sieht sich mit einem Mal nicht nur den beiden Geldeintreibern gegenüber, sondern ist zudem pleite, eine mehr als unangenehme Situation.

Staraufgebot

Eva Longoria, Victoria Bazúa und Carmen Maura
Eva Longoria, Victoria Bazúa und Carmen Maura - © Apple TV+

In diesen ersten Minuten spielt Longoria ihre Schauspielerfahrung als verwöhnte Vorzeigefrau voll aus und bereitet damit den Boden für den bald darauf folgenden Kulturschock. In ihrer Verzweiflung hat Gala keine andere Wahl, als ihren Schmuck zu verpfänden und findet so nebenbei noch heraus, dass ihr Mann ihr falsche Klunker geschenkt hat, ihre Konten leerräumte und außerdem weder Pacht noch die Gebühren für Julias Altersheim oder Kates Highschool bezahlte.

Spätestens jetzt wird klar, dass „Land of Women“ auf Extremsituationen, gepaart mit Witz, Charme und (wahrscheinlich) einen guten Schuss Romantik abzielt. In der Pilotfolge funktioniert das Konglomerat entsprechend gut und sorgt für flott und ansprechend erzählte Unterhaltung. Wenn Eva ihre Tochter verzweifelt, aber dreist anlügt, um sie zur Flucht nach Spanien zu überreden, oder kurz vor Julias Heimatdorf energiegeladen auf Star Trek: Picard-Star Santiago Cabrera als Weinbauer Amat trifft, laden die jeweiligen Szenen zum Schmunzeln ein.

Doch auch die Ankunft im Dorf, Julias sich langsam verschlechternde Demenz oder Kates anfängliche Nörgeleien wissen zu gefallen. So spürt man über die ersten rund 44 Minuten stets die Verzweiflung Galas, hat aber nie das Gefühl, dass die Folge zu ernst oder gar richtig dramatisch wird. Vielmehr bleibt die Tonalität beschwingt locker.

Das wird, wie oben angedeutet, gerade auch durch den Sprachmix transportiert, weil die Serienerfinder Ramón Campos, Paula Fernández, Teresa Fernández-Valdés sowie Gema R. Neira Wert auf eine gewisse Authentizität legen, die durch den starken spanischen Swing noch mehr betont wird. So spricht Gala ihre Muttersprache zwar gut, aber eben nicht perfekt, weshalb es immer wieder zu dem einen oder anderen sprachlichen Fauxpas kommt, der sich nur in originaler Mundart mit Untertiteln erschließt. Einmal versagen ihre grammatischen Kenntnisse, ein anderes Mal wählt sie ein unglückliches Wort oder hat den richtigen Ausdruck erst gar nicht parat. Daraus ergeben sich einige witzige und sehenswerte Situationen.

Gute Chemie

Victoria Bazúa und Layna Sheppard in „Land of Women“
Victoria Bazúa und Layna Sheppard in „Land of Women“ - © Apple TV+

Darüber hinaus stimmt die Chemie der Darstellenden, die samt und sonders in ihren Rollen aufgehen und damit für ein echtes Sehvergnügen sorgen. Santiago Cabrera in seiner Landesprache mit Gala diskutieren zu hören, macht großen Spaß, zumal der Mime seinem südamerikanischen Temperament freien Lauf lässt. Dennoch steht ihm die Gutherzigkeit geradezu ins Gesicht geschrieben, weshalb man schon in der ersten Folge das Gefühl hat, dass sich über kurz oder lang etwas zwischen ihm und ihr anbahnt. Eine große Überraschung ist außerdem Jungtalent Victoria Bazua, die Tochter Kate mit einer gewissen jugendlichen Arroganz und Kaltschnäuzigkeit spielt. Da fallen im Streit schon einmal ein Satz wie „Mein Smartphone ist mein Leben“, der sich als netter Seitenhieb auf die allgegenwärtige Handysucht lesen lässt.

Dennoch ist sie mehr als ein verwöhntes, arrogantes Gör. Sie versteht, in welchem Schlamassel die Familie steckt und passt sich der Situation an, während Oma Julia immer mehr die Realität entgleitet. Inszeniert ist das alles in schmucken und stilistisch leicht gehaltenen Bildern, die beinahe den Esprit einer Urlaubsromanze versprühen könnten, wenn da nicht die beiden Gangster wären, die den Ladys auf den Fersen sind. Von dieser Situation ausgehend scheint es evident, dass sich bei aller Leichtigkeit auch ein Schuss Drama in die Geschichte einschleicht, doch das bleibt letztlich abzuwarten.

Fazit

Land of Women“ hält in seiner ersten Folge, was versprochen wurde. Eine locker und geistreich erzählte Dramedy-Geschichte mit Staraufgebot, die klug inszeniert ist und von der ersten bis zur letzten Minute Spaß macht. Schön ist, dass sich die Serie trotz des dramatischen Backgrounds nicht zu ernst nimmt und sowohl komödiantische als auch romantische Elemente in den Plot einfließen lässt. Wenn es so weitergeht, ist gute Unterhaltung garantiert, nicht nur für Fans für Eva Longoria.

Viereinhalb von fünf Sternen.

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