La Revolution: Review der Pilotepisode

La Revolution: Review der Pilotepisode

Netflix revolutioniert die Französische Revolution und wir rezensieren das Resultat. Zumindest die erste von insgesamt acht Episoden La Revolution, die heute allesamt beim Streamingdienst online gegangen sind.

Poster zur Netflix-Serie La Revolution (c) Netflix
Poster zur Netflix-Serie La Revolution (c) Netflix
© oster zur Netflix-Serie La Revolution (c) Netflix

Hattet Ihr nach der Ankündigung und dem ersten Trailer zu La Revolution auch das Gefühl, dass die Netflix-Serie mindestens fünf Jahre zu spät auf den „XY, aber mit Zombies“-Zug aufspringt? Versprochen wurde eine abenteuerliche Mysteryserie über die Französische Revolution, die den gewaltsamen Aufstand der Bürger gegen die ausbeuterische Aristokratie in einen alternativ-historischen Genrefilmkontext setzt. Als wäre die wahre Geschichte über soziale Ungerechtigkeit und die Guillotinen, die aus der Unmut heraus von der Bevölkerung errichtet wurden, nicht schon spannend genug.

Der spätere Erfinder der mechanischen Enthauptungsmaschine, Joseph Guillotin (Amir El Kacem), zählt zu den Hauptcharakteren der französischen Eigenproduktion des Streamingdienstes. Er macht bei der Untersuchung des Gefangenen Oka (Doudou Masta) die Feststellung, dass es sich bei ihm nicht um den gesuchten Kannibalen handeln kann, der die 16-jährige Rebecca umgebracht haben soll. Eine Tat, für die ihm längst der Strick versprochen wurde. An der Fahndung nach dem wahren Täter haben Josephs Vorgesetzte kaum Interesse, denn natürlich steckt der Adel hinter dem Spuk und geht aus Motiven, die erst später klar werden, über Bauernleichen.

Oka war mit Josephs Bruder Albert (Lionel Erdogan) bekannt, der vom Vater seiner Geliebten Comtesse Elise de Montargis (Marilou Aussilloux) ermordet wurde, nachdem das unerhörte Verhältnis jenseits seines Standes aufgeflogen war. In Abwesenheit ihrer männlichen Verwandten wird sie von den Geistlichen einberufen, um eine Entscheidung im Fall des ermordeten und angeknabberten Mädchens, dessen Tätowierung sie als Mitglied der aufständischen Bruderschaft entlarvt, zu fällen. Elise soll entscheiden, ob sie ein anständiges Begräbnis erhält, was das Volk besänftigen könnte, oder ob sie verbrannt wird, was nur Öl ins revolutionäre Feuer kippen würde.

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Netflix - © Netflix

Beim jungen Arzt kommt Elise auf keinen grünen Zweig, da Joseph ihr den Tod seines Bruders vorhält. Aber auch sie hat Kummer wegen eins Geschwisterteils. Ihre jüngere Schwester Madeleine (Amelia Lacquemant) ist gehörlos, leidet unter Anfällen und soll auf Anraten der Hofärzte hin in eine Anstalt eingewiesen werden, wogegen sie Einspruch erhebt. Mit dem Mädchen hat die Geschichte offenbar noch eine Menge vor, denn sie ist es, die wir in der Einstiegsszene zu sehen bekommen, wie sie auf einem blutverschmierten Gaul durch die verwüstete Stadt reitet und einen niedergestreckten Landsmann enthauptet. Auch ist sie diejenige, die die Stimme aus dem Off beisteuert und lauter coole Trailer-Sprüche zum Besten gibt. Muss in der Familie liegen, denn auch Elise bekommt eine Szene voller Disney-Pseudofeminismus, der damit anfängt und aufhört, dass sie eine männlich konnotierte Kompetenz zur Schau stellt - sie schießt eine Tontaube ab, die ihre gepuderten Gesprächspartner nicht treffen konnten.

Wer es nicht bis zum Ende der Episode schafft, ist der fälschlich inhaftierte Oka, denn obwohl seine Exekution kurz bevorsteht, wird er in seiner Zelle von einem Auftragskiller um die Ecke gebracht, der ihm dabei Schurkenschnurrbart-schwirbelnd seine gesamte Hintergrundgeschichte offenbart. Offenbar soll er zum Schweigen gebracht werden, weil er um die wahren, hochwohlgeborenen Täter weiß, die Rebecca an jemanden oder etwas verfüttert haben. Dass die Geschwätzigkeit seinen Killer am Ende in den derriere beißen könnte, wird spätestens klar, wenn die Erzähler die mysteriöse Seuche aus dem Story-Schränkchen kramen, durch die Tote augenscheinlich als Untote zurückkehren können. So auch Albert, den wir als Erstes in seiner Zombieform sehen. A suivre...

Fazit


Die erste Episode von La Revolution sieht in Ordnung aus und wurde zum Teil an ein paar interessanten Schauplätzen aufgenommen. Dennoch kann einen das Gefühl beschleichen, dass die Reduktion der Französischen Revolution auf eine Verschwörung bezüglich einer übernatürlichen Seuche ein wenig läppisch ist. Doch selbst, wenn man vom x-ten Setting, das auf Teufel komm raus auch noch Zombies benötigte, noch nicht die Nase voll hat, kommt das alles im holprigen Auftakt kaum in die Galoschen, was an ungelenken Erzählentscheidungen und miesem pacing liegt. Beispielsweise bekommen wir den Mord an Albert aufgrund seiner Liebschaft zur Comtesse in einer eigenen Szene vorgesetzt, direkt nachdem uns unmittelbar davor von ebendiesem Vorfall erzählt wurde. Man muss kein dogmatischer Anhänger der überstrapazierten Binsenweisheit „show, don't tell“ sein, aber man sollte sich wahrscheinlich für eine Variante entscheiden. Spannung wird so jedenfalls kaum erzeugt und ein neues Serienzeitalter schon gar nicht eingeläutet.

Neben der französischen Originalversion mit zahlreichen Untertiteloptionen liegt übrigens auch eine deutsche Synchronfassung von „La Revolution“ bei Netflix vor und bevor Ihr unnötig Schreibfeder und Digitaltinte zückt: Uns ist klar, dass lauter Accents im Text fehlen - nicht alle Sonderzeichen sind derzeit möglich bei uns. Wir arbeiten dran.

Hier abschließend noch der „La Revolution“-Serientrailer:

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