Klondike 1x03

Klondike 1x03

Mit dem letzten Teil der dreiteiligen Miniserie Klondike gelingt es den Machern, ihre Geschichte sinnvoll und konsequent zu einem Ende zu bringen. Überzeugende Schauspielleistungen sowie tolle Landschaftsaufnahmen helfen dabei, so dass der Abschied von der Serie sogar ein wenig Wehmut erzeugt.

Ein letztes Mal in seiner Rolle als Bill Haskell: Richard Madden in „Klondike“ / (c) Discovery Channel
Ein letztes Mal in seiner Rolle als Bill Haskell: Richard Madden in „Klondike“ / (c) Discovery Channel

Der Discovery Channel hatte sich angeschickt, mit der Miniserie Klondike ein facettenreiches und eindringliches TV-Drama abzuliefern. Nach der Sichtung der letzten 90-minütigen Episode bleibt einem nicht viel übrig als dem Sender zu gratulieren. Das erste „gescriptete“ Serienprojekt des Discovery Channels weiß zu überzeugen und den Zuschauer in die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts zu entführen. Damals brach der große „Klondike Gold Rush“ aus und abertausende Menschen suchten ihr Glück im gnadenlosen Yukon-Gebiet rund um Dawson City.

Im dritten Teil von Klondike spitzen sich viele der dramatischen Handlungsstränge zu und finden dann schließlich ein würdiges Ende. Dabei können die einzelnen Darsteller noch einmal punkten, vor allem Richard Madden (Game of Thrones), der sich im Laufe der dreiteiligen Miniserie als ausgezeichneter Hauptdarsteller präsentieren konnte.

Hinzu kommen abermals wunderschöne Bilder von der unbezwungenen Wildnis Nordamerikas, welche das Gesamtbild abrunden und ihren Teil dazu beitragen, dass Klondike nachhaltig im Gedächtnis des Zuschauers bleiben wird. Einzig einen Vorwurf muss sich die Miniserie am Ende gefallen lassen: Sie hätte wohl noch eine weitere Episode gebraucht, damit sich der dritte Teil nicht derart überladen angefühlt hätte. Dieser Kritikpunkt fällt wiederum glücklicherweise nicht allzu sehr ins Gewicht, was vor allem der gelungenen Inszenierung zu verdanken ist.

You'll kill another, you'll kill yourself

Nachdem in der letzten Episode viele Goldsucher Dawson City den Rücken zugekehrt hatten, ist nun endgültig Winter im Yukon-Gebiet und am Klondike River. Die Vorräte werden immer knapper, der Raubbau an der Natur hat zweifellos seine Spuren hinterlassen. Bill Haskell (Richard Madden) und sein sympathischer Partner Meeker (Tim Blake Nelson) haben endlich Gold gefunden, aber was hilft es ihnen, wenn es nichts gibt, wofür sie es ausgeben könnten?

Gleich zu Beginn der dritten Episode von Klondike begeben wir uns mit Haskell und Goldsucher Goodman (Greg Lawson) auf einen Jagdausflug. Wenn man schon keine Nahrungsmittel mehr kaufen kann, muss sich doch zumindest etwas Wild in den naheliegenden Wäldern finden lassen. Der Zuschauer weiß - im Gegensatz zu Haskell -, dass Goodman dessen Freund Byron (Augustus Prew) umgebracht hat. So entspinnt sich eine äußerst spannende Szene zwischen Haskell und Goodman, die den Zuschauer sofort fesseln und mitreißen kann.

Haskell ist sich danach sicher, dass es Goodman gewesen sein muss, der Epstein umgebracht hat und holt sich für diesen Verdacht die Bestätigung von Father Judge (Sam Shepard). Haskells neues Leben als Goldsucher, die menschlichen Abgründe, die er miterlebt hat beziehungsweise miterleben musste und vor allem seine Rachegedanken haben den jungen Mann stark verändert. Wo er noch vor nicht allzu langer Zeit den Glauben an das Gute im Menschen und an die Zivilisation hatte, hat er jetzt nur noch Gedanken für seine Rache an Goodman. Die von ihrer Typhuserkrankung wieder genesene Belinda (Abbie Cornish) hat dafür wenig Verständnis und erkennt Bill kaum wieder. Früher oder später wird er die Rechnung dafür bekommen, was so auch für viele weitere Charaktere in Klondike gilt.

Fortune's a bitch

Da wäre zum Beispiel der schmierige Geschäftsmann Soapy Smith (Ian Hart), welcher rund um Dawson City immer mehr Land erwirbt. Jedoch wird er vom gerechten Superintendenten (Marton Csokas) des Betrugs überführt, wobei letzterer das Gesetz nun endgültig in seine Hand nimmt. Aber auch er stößt an die Grenzen seiner Macht, so dass Soapy Smith schnell wieder auf freiem Fuß ist. Insbesondere in diesem Handlungsstrang werden einige interessante Aspekte aufgegriffen, welche Klondike um ein Vielfaches bereichern.

Da wäre der Charakter des Soapy Smiths selbst, ein reueloser Opportunist, ganz ähnlich dem Count (Tim Roth, Lie to Me). Ausbeuten oder ausgebeutet werden lautet hier die Devise. Soapy Smith hat nur Augen für sich und seinen Profit, das Leid anderer Menschen kümmert ihn nicht. So verwundert es auch nicht, dass er für diese Einstellung schlussendlich auch die Quittung bekommt, als er während eines Indianerangriffs auf Dawson City brutal niedergestochen wird und dabei ums Leben kommt. Die Ureinwohner Nordamerikas treten hier erneut in ihrer Rolle der Vertreter der Natur und Wildnis ein. Ihre Präsenz wirkt wie ein Damoklesschwert, welches seit Anfang an über den Köpfen der von Gier besessenen Menschen Dawson Citys hing und jetzt auf sie hinuntersaust.

Auch der Count muss schließlich erfahren, dass seine Gräueltaten Konsequenzen nach sich ziehen. Immer wieder verspottete er Father Judge ob seines lächerlichen Glaubens an eine höhere Macht, welche schlussendlich einen jeden Menschen richten wird - ob nun gut oder böse. Letztendlich widerfährt dem Count seine gerechte Strafe und wer könnte ihn besser zur Rechenschaft ziehen als die unbarmherzige Natur, welche er mit Geld zu bezwingen versuchte?

Good Men

Wenn etwas besonders auffällig in der letzten Episode von Klondike ist, dann sind es die verschiedenen Charaktere, ihre Unterschiede zueinander und wie wir sie in der dem Menschen gegenüber feindseligen Umgebung des Klondike Rivers einordnen können. Haskell begibt sich, nachdem Goodman die Flucht ergriffen hat, auf die Jagd nach ihm. Hier bekommen wir erneut einige großartige Aufnahmen von majestätischen Bergketten und eisigen Tälern zu sehen.

Symptomatisch erscheint dann die Szene, als Haskell in einer kargen Eislandschaft lauthals Goodman auffordert, hervorzutreten und sich ihm zu stellen. Die Metapher ist eindeutig, Haskells Charakter beschwört förmlich das Gute im Menschen dazu, endlich wieder in Erscheinung zu treten. Wo ist nur der gute Mensch (good man) abgeblieben? Selbst ihn hat das erbarmungslose Leben in Dawson City verdorben, sogar so weit, dass er für seinen schrecklichen Wandel zu einem von Rachegedanken erfüllten Menschen beinahe mit seinem Leben bezahlen muss. Richard Madden kann hier voll und ganz überzeugen - insbesondere im Angesicht des unmittelbaren Todes liefert er eine eindrucksvolle schauspielerische Leistung ab.

Belinda kann es derweil kaum ertragen, den einst so idealistischen Bill Haskell derartig selbstzerstörerisch zu sehen. Sie hat längst erkannt, dass sie Bill helfen muss, damit dieser nicht vollends seinen so guten Charakter aufs Spiel setzt. So erschießt sie auch Goodman, wissend, dass sie Haskell diese Last nicht überlassen kann. Bill ist einfach zu gut für Klondike, deswegen drängt sie ihn, diesen Ort so schnell wie möglich zu verlassen. Sie selbst kann ihn nicht begleiten, sie gehört einfach an diesen unbarmherzigen Ort. Ihre finanziellen Verpflichtungen wirken hierbei nur wie ein Vorwand, damit sie Bill nicht begleiten muss. Man bekommt fast den Eindruck, dass sie sich nicht als würdig genug dafür sieht, Bill zu folgen.

Auch der ortsansässige Superintendent muss sich die Frage stellen, was mit dem Guten im Menschen passiert ist. Dabei gelingt es den Machern sehr gut, den inneren Kampf des Superintendents nach außen zu tragen, welcher selbst zwischen seiner Pflicht als Gesetzeshüter und seiner moralischen Integrität hin- und hergerissen ist. Über seinen Charakter bekommen wir Einblick in die Problematik der scheinbar unaufhaltsamen Expansion in die Wildnis, wodurch nicht nur die Natur, sondern auch die amerikanischen Ureinwohner immer mehr verdrängt werden. Dies geschieht eher subtil und macht zweifellos einen weiteren sehr interessanten Aspekt von Klondike aus.

What good comes from such pain?

In den letzten zwanzig Minuten dieser Episode wird dann noch einmal gehörig aufgetischt. An dieser Stelle kommt auch der einzige richtige Kritikpunkt zu tragen, dass sich die letzte Episode von Klondike dramatisch ein wenig überladen anfühlt. Letztendlich wird der Effekt nicht verfehlt, doch so gibt es auch gleich mehrere Momente, in denen man einen eindrucksvollen Schlussstrich hätte ziehen können. Zu viele Vorwürfe möchte man den Machern jedoch nicht machen, sitzt doch eigentlich jede Szene in eben besagten zwanzig Minuten.

Da wäre der Moment, in dem die Leiche des Counts auftaucht, welcher bitterlich in der eisigen Kälte Kanadas seinen Tod fand. Viele haben vielleicht mit einem dramatischen Auftritt des Counts am Ende der Episode gerechnet, doch diese Variante gestaltet sich als weitaus konsequenter und vielsagender. Das Leben in Dawson City geht weiter, der Frühling bricht an, doch die Goldsucher bleiben aus. Das Gebiet rund um Dawson City ist abgegrast, der Mensch zieht weiter, um woanders sein Glück zu finden und an anderer Stelle den immer währenden Kampf mit der Natur aufzunehmen.

Bill hat sich derweil mit seinem Partner Meeker schon lange von Dawson City abgewandt. Mit den Taschen voll Gold möchte er nun in seine Heimat zurückkehren und dieses strapaziöse Abenteuer endgültig hinter sich lassen. Doch die Natur fordert einen letzten Tribut und hinterlässt Bill allein und gebrochen. Dabei schmerzt ihn der Verlust von Meeker wohl weit mehr als all das Gold, was er nahe des Klondike Rivers ausgegraben hat. In einer fantastischen letzten Szene sehen wir den heruntergekommenen Bill Haskell einem Trupp von enthusiastischen Goldsuchern entgegenkommen. Im ersten Teil warnte ihn und seinen Freund Byron an fast exakt der gleichen Stelle eine ähnlich zerzauste Gestalt, was Bill erwarten würde. Gerade mal ein gutes halbes Jahr hat es gebraucht, um Bill zu brechen. Und so stapft er durch den Schnee, um so schnell wie möglich dieses Abenteuer hinter sich zu lassen. Am Ende hat es ihn weit mehr gekostet, als er je dafür hätte verdienen können.

Fazit

Dem aufmerksamen Leser ist es sicherlich aufgefallen: Die letzte Episode der Miniserie Klondike hat unzählige Facetten zu bieten, die man ausführlicher analysieren und besprechen könnte. Ein Indiz dafür, dass „Klondike“ ein äußerst komplexes Seriendrama ist, was unzählige verschiedene Themen anspricht und den Zuschauer dadurch indirekt dazu auffordert, sich mit diesen auseinanderzusetzen.

Dabei kann man eigentlich nur bemängeln, dass die finalen 90 Minuten von Klondike vielleicht zu sehr vollgepackt waren. So fand zum Beispiel die eher groteske, aber sehr symbolträchtige Beerdigung von Father Judge keine nähere Beleuchtung in dieser Rezension, obwohl auch diese einen tiefen Einblick in die thematische Vielfalt von „Klondike“ gibt. Wie bereits erwähnt, hätte eine weitere Episode der Serie vielleicht ganz gutgetan, um so einige Handlungsstränge auslagern zu können. Doch dies ist eher das persönliche Empfinden des Kritikers.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die dreiteilige Miniserie Klondike als durchaus sehenswert und packend angesehen werden kann. Wie die einzelnen Charaktere begibt sich der Zuschauer auf ein spannendes Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Die einzelnen Aufnahmen wissen immer wieder zu gefallen und mitzureißen, die Dramatik mag sich vielleicht gerade im letzten Teil etwas über­bor­dend gestalten, doch sie kann einen dennoch sehr gut abholen und in den Bann der Miniserie ziehen. „Klondike“ kann so als ein äußerst gelungenes erstes fiktionales Serienprojekt des Discovery Channels bezeichnet werden, welches zweifelsohne mehr als nur einen flüchtigen Blick wert ist.

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 24. Januar 2014
Episode
Staffel 1, Episode 3
(Klondike 1x03)
Deutscher Titel der Episode
Episode 3
Titel der Episode im Original
Part Three
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 22. Januar 2014 (Discovery Channel)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 26. November 2014
Regisseur
Simon Cellan Jones

Schauspieler in der Episode Klondike 1x03

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