Klondike 1x02

Klondike 1x02

In der zweiten 90-minütigen Episode von Klondike tauchen wir noch tiefer in die ungemütliche Welt der verzweifelten Goldsucher und skrupellosen Geschäfstleute von Dawson City ein. Dabei kann die Miniserie gerade aus dramaturgischer Sicht noch einmal zulegen und macht so fast alles richtig.

Richard Madden und Abbie Cornish als Bill Haskell und Belinda Mulrooney im zweiten Teil der Miniserie „Klondike“ / (c) Discovery Channel
Richard Madden und Abbie Cornish als Bill Haskell und Belinda Mulrooney im zweiten Teil der Miniserie „Klondike“ / (c) Discovery Channel

Nach dem äußerst gelungenen Einstieg mit der ersten Episode schafft es der Discovery Channel, mit dem zweiten Teil der dreiteiligen Miniserie Klondike abermals zu überzeugen. Nicht nur, dass die Qaulität der einzelnen Sets und der Ausstattung weiterhin für eine starke Authentizität der Serie sorgen, auch hinsichtlich der Dialoge, welchen im ersten Teil der Miniserie noch ein wenig die Dramatik fehlte, macht „Klondike“ einen großen Schritt nach vorne.

So schafft man es, sich von seiner besten Seite zu präsentieren. Im zweiten Teil der Miniserie rücken die gewaltigen Landschaftsaufnahmen aus der ersten Episode erst einmal ein wenig in den Hintergrund, der Fokus liegt viel mehr auf den zwischenmenschlichen Dramen und Konflikten, von welchen es gleich eine ganze Menge gibt. Zwar mag die eine oder andere Passage nach wie vor ein wenig theatralisch und aufgesetzt wirken, doch der wohl erwünschte Effekt kann erreicht werden. So herrscht in der zweiten Episode von Klondike nicht nur eine hohe atmosphärische Dichte, sondern auch eine emotionale Tiefe vor, welche der Serie guttut und abermals verdeutlicht, wie ambitioniert und komplex das Serienprojekt des Discovery Channels wirklich ist.

Nervous fever

Zu Beginn der zweiten Episode von Klondike darf sich der Zuschauer abermals an einer beeindruckenden Landschaftsaufnahme ergötzen, während Bill Haskell (Richard Madden, Game of Thrones) in einem voice-over die derzeitige Situation rund um Dawson City darlegt. Der Wintereinbruch steht im Yukon-Gebiet bevor, viele Menschen haben, während sie ihrem Glück nachgejagt waren, ihr Leben verloren. Dafür gibt es mehrere Gründe - seien es die unbarmherzige Natur, wilde Tiere oder oft tödliche Krankheiten wie Typhus oder die Pocken, welche ihre Opfer nach sich ziehen.

Insbesondere die Krankheiten sorgen für viel Unruhe unter den Goldsuchern und Bewohnern von Dawson City. Das Wetter verschlechtert sich von Tag zu Tag, viele Menschen werden an die Grenze des Existenzminimums getrieben und versuchen um jeden Preis, ihr Leben zu bewahren. Dabei scheuen sie auch nicht vor rücksichtslosen Taten und Gewalt zurück, wie Haskell später noch am eigenen Leib erfahren muss. Doch es wird auch schnell deutlich, dass viele dieser verzweifelten Menschen eine Familie zu ernähren haben und so förmlich gezwungen sind, etwas gegen ihre Notsituation zu unternehmen, auch wenn dies bedeutet, bis zum Tod um ein Stück Feuerholz zu kämpfen.

Erneut wird das Motiv der unbezwingbaren Naturgewalt aufgegriffen und erneut wird der Zuschauer in den Bann dieses anscheinend für den Menschen nicht zu gewinnenden Kampfes gezogen. Der Mensch selbst ist zu allem bereit, um sich und das Leben seiner Liebsten zu verteidigen und zu retten. Allein die Figur des Bill Haskells wirkt hier wie ein Anker für den Zuschauer, jemand, den dieser unerbittliche Lebenskampf noch nicht verdorben und korrumpiert hat. Dabei ist es wichtig, dass dem Zuschauer eine solche Figur und ein derartig charakterstarker Protagonist präsentiert wird, um selbst nicht den Glauben an das Gute im Menschen zu verlieren.

Civilization ain't gone up here

Haskell bleibt ein scheinbar unbelehrbarer Optimist und Idealist, daran kann auch die eher realistisch denkende Belinda (Abbie Cornish) erst einmal nicht viel ändern. Haskell glaubt, er könne mit seiner Einstellung etwas bewirken und die Zivilisation in der ungemütlichen Umgebung von Dawson City bewahren. Doch sein Glaube daran wird Stück für Stück gebrochen. Neid, Gier und Missgunst lenken die Menschen hier, jeder ist sich selbst am nächsten und am Ende der zweiten Episode wird auch Haskell dies endlich begriffen haben. Doch aufgeben kann er nicht, hat er doch ein konkretes Ziel vor Augen: den Mörder seines guten Freundes Byron Epstein zur Rechenschaft zu ziehen.

Aber nicht nur Bill Haskell macht eine entscheidende Entwicklung in der zweiten Episode von Klondike durch, auch viele andere Charaktere machen einen großen Schritt nach vorne und tragen dazu bei, dass die noch eher laschen Dialoge der ersten Episode vielen eindringlichen und packenden Dialogszenen weichen müssen. Insbesondere zwischen The Count (Tim Roth, Lie to Me) und Belinda kommt es zu einigen starken Momenten, in denen sowohl Roth als auch Cornish ihr schausspielerisches Talent darlegen können.

Tim Roth gefällt hier in seiner Rolle als skrupelloser Geschäftsmann am besten, seine antagonistische Figur passt ihm wie auf den Leib geschneidert. Er bringt die notwendige Bedrohlichkeit und Konsequenz mit, um den Zuschauer in diversen Szenen zu fesseln, vielleicht sogar zu schockieren. So reserviert sein Auftritt noch im ersten Teil von Klondike war, umso wirkungsvoller und einprägsam präsentiert er sich in der zweiten Episode. Auch Sam Shepard darf in seiner Rolle als Father Judge noch einmal auftrumpfen. Als eine Art moralischer Kompass führt er uns durch die Handlung, doch auch er stößt an seine Grenzen. Positiv hervorheben sollte man noch Conor Leslie (Revenge) in der Rolle der Prostituierten Sabine und den neuseeländischen Schauspieler Marton Csokas (Rogue) als Superintendent. Beide verkörpern zwei Figuren, die augenscheinlich eher einfacher gestrickt sind, doch hier langsam und vor allem überzeugend ihr Potential für ihre moralisch komplexen Charaktere entfalten.

Creatures of fortune and circumstance

Auch die generelle Handlung von Klondike weiß immer besser zu gefallen. So gibt es zwar unzählige Handlungsstränge, die mehr oder minder stark miteinander verknüpft sind, doch gerade die guten und gehaltvollen Dialoge helfen, dass dem Zuschauer nicht langweilig wird oder sie/er zu schnell die Übersicht verliert.

Die Serienmacher greifen darüber hinaus immer wieder Themen und Motive auf, welche bereits im ersten Teil von Klondike angedeutet und etabliert wurden und so der Serie die dramaturgische Tiefe geben, welche sie so sehenswert macht. Ob dies nun die einzelnen Charaktere und ihre gegensätzlichen Ansichten sind oder die Konflikte, die sich ergeben. Auch die Thematik bezüglich der Ureinwohner Amerikas und der Kehrseite des Manifest Destiny wird anhand der Figur des Superintendents aufgegriffen und erweitert nachhaltig den Themenkreis, mit welchem wir es in „Klondike“ zu tun bekommen.

The die has been cast

Doch neben der mächtigen Präsenz der Natur und dem, zu was sie im Stande ist, fällt in Klondike insbesondere ein Thema immer wieder auf: der Mensch und die moralischen Abgründe, an denen sich dieser entlang bewegt. Das Leben in Dawson City verändert den Menschen und lässt ihn immer wieder daran zweifeln, ob die Natur wirklich der größte Feind des Menschen in dieser gnadenlosen Umgebung ist. Am Ende der zweiten Episode von „Klondike“ sieht man, wie viele Menschen das Weite suchen und kurz vor dem Wintereinbruch mithilfe von Booten Dawson City und dem Klondike River den Rücken kehren. Die Vorräte werden knapp und viele haben ihr Leben bereits aufgrund verschiedener Krankheiten verloren.

Natürlich treiben einen diese Umstände von diesem Ort, doch es ist vielleicht auch gerade das nervous fever, was so viele die Flucht ergreifen lässt. Nicht nur Typhus, Pocken, unaufhörliche Regenfälle und eisige Schneestürme stellen eine Gefahr dar. Wenn erst einmal der unerbittliche Winter gekommen ist und die Menschen in und um Dawson City von der Kälte eingeschlossen sind, wird sich das wahre Gesicht vieler zeigen. Dann werden Mord und Totschlag an der Tagesordnung stehen, so sehr es Father Judge und der eiserne Superintendent auch zu verhindern versuchen.

Haskell selbst sieht sich für diese Aufgabe gewappnet, gerade jetzt, wo er doch noch Gold in dem schlammigen Boden, welchen er sein Land nennt, gefunden hat. Doch nicht nur das beflügelt ihn, auch die Suche nach Byrons Mörder treibt ihn an. Auch dieser Handlungsbogen wird konsequent weitererzählt und lässt den Zuschauer aufgrund einer überraschenden Enthüllung zum Ende mit Spannung auf die letzten 90 Minuten von Klondike blicken.

Fazit

Zur Freude des Kritikers hat Klondike wie erhofft den Sprung auf ein höheres dramatisches Niveau gemeistert und lässt so in seiner zweiten Episode nicht viel zu wünschen übrig. Nach wie vor begibt man sich trotz der ungemütlichen Szenerie gerne in das dreckige Dawson City, wo die zahlreichen Charaktere immer mehr aufblühen und jetzt sogar mit starken Dialogen und Interaktionen untereinander begeistern können. So greift ein Rädchen ins andere, was „Klondike“ bis hierhin zu einer sehr guten Dramaserie mit originellem Setting und thematischer Komplexität macht.

Leider kommt jetzt schon ein wenig Wehmut auf, dass mit der dritten Episode die Miniserie auch schon wieder ein Ende finden wird, gab beziehungsweise gibt es doch genügend Potential, die Serie in der Länge einer gängigen Dramaserie von zwölf Episoden zu gestalten. Manch einer wird die vielleicht etwas zu aufgesetzte Theatralik einiger Szenen bemängeln, doch die überzeugenden Darbietungen der Schauspieler und die vielfältigen Charaktere machen diesen Kritikpunkt schnell vergessen. Für den letzten Teil der dreiteiligen Miniserie hat man die Spannung noch einmal hochgehalten, so dass dem Finale von Klondike in bester Manier der Weg geebnet wurde. Der Zuschauer wartet so gespannt darauf, zu erfahren, wie die Geschichte rund um Bill Haskell ihr jähes Ende finden wird.

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 22. Januar 2014
Episode
Staffel 1, Episode 2
(Klondike 1x02)
Deutscher Titel der Episode
Episode 2
Titel der Episode im Original
Part Two
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 21. Januar 2014 (Discovery Channel)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 19. November 2014
Regisseur
Simon Cellan Jones

Schauspieler in der Episode Klondike 1x02

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