Killing Eve 2x08

© odie Comer und Sandra Oh in „Killing Eve“ (c) BBC America
Emerald Fennell (Call the Midwife) hätte sich sicherlich leichtere Aufgaben aussuchen können, als den Showrunner-Posten beim Spionagethriller Killing Eve nach der grandiosen Auftaktstaffel von Phoebe Waller-Bridge (Fleabag) zu übernehmen. Für viele war die Serie, die gern als „Katz-und-Katz-Spiel“ zwischen Sandra Oh und Jodie Comer beschrieben wird, der beste Neustart des Vorjahres. Sprich: Die Erwartungen an die diesjährige Fortsetzung waren hoch, verdammt hoch sogar.
Kein Wunder also, dass am Ende der zweiten Staffel unter neuer Führung ein Hauch von Enttäuschung in der Luft schwebt, wobei die Serie auch in schlechteren Zeiten noch immer auf einem deutlich höheren Niveau operiert als das Gros der Konkurrenz. Repetivität war für Fennell wohl ein bewusst gewähltes Stilmittel, welches die Verzwicktheit der Beziehung von Eve (Oh) und Villanelle (Comer) zum Ausdruck bringen soll, doch sorgt dies im Umkehrschluss auch schnell für Frustration. Besonders der Cliffhanger in der Finalfolge You're Mine (2x08) fühlt sich etwas uninspiriert an...
Römische Revanche
„In dieser Welt gibt es nur zwei Tragödien. Die eine ist, nicht zu bekommen, was man möchte, und die andere ist, es zu bekommen.“ Auch mehr als hundert Jahre nach dem Tod von Oscar Wilde gilt diese Weisheit noch immer. Und was hätten sich Fans von Killing Eve nach dem phänomenalen Finale in Staffel eins, das die erste intime Zusammenkunft von Eve und Villanelle in Paris bot, mehr gewünscht, als möglichst viele weitere Begegnungen der beiden Hauptfiguren? Sind sie im selben Raum, brennt sprichwörtlich die Luft vor lauter Spannung. Doch Spannung verlangt eine gewisse Distanz. Und Distanz benötigt Disziplin, die Fennell im Laufe der neuen Season schlichtweg flöten gegangen ist.
Statt uns weiter auf die Folter zu spannen, gibt uns die Serienmacherin gemeinsame Szenen von Eve und Villanelle en masse. Rasch verlieren ebendiese Szenen jedwede Besonderheit, womit die Serie - die vielleicht ohnehin keine Fortsetzung gebraucht hätte - leichtfertig ihren größten Trumpf ausspielt. Unglaubwürdig ist vor allem, dass Eve und Villanelle plötzlich sogar zu Kolleginnen in der Verbrechensbekämpfung werden. In der zweiten Hälfte der neuen Staffel jagen sie zusammen den Frauenmörder Aaron Peel (Henry Lloyd-Hughes), nachdem es in der ersten Hälfte zu kleinen Eifersüchteleien gekommen war, da mit „The Ghost“ (Jung Sun den Hollander) plötzlich noch eine zweite Elitekillerin das Parkett betreten hatte.

Domestizieren lässt sich Villanelle aber natürlich nicht. Eher im Gegenteil: Sie wirkt unkontrollierbarer denn je, so unkontrollierbar sogar, dass ihre Taten fast ins Willkürliche umschwenken. Erzwungene Überraschungen als Selbstzweck können beim Zuschauen mitunter genauso nervig sein wie eine vorhersehbare Handlung. Und irgendwie gelingt Fennell tatsächlich das undenkbare Kunststück, in der allerletzten Szene des Staffelfinales diese beiden Problematiken miteinander zu vermischen.
Zunächst aber noch ein Wort zu Niko (Owen McDonnell), Eves Ehemann, dem dieses Jahr die tragikomischsten Momenten zuteil werden. Spätestens jetzt erkennt er, was wirklich in seiner Frau vorgeht. Dass sie sich ausgerechnet in eine internationale Auftragskillerin verliebt hat, ist in seinen Augen natürlich suboptimal. Und, als diese dann auch noch Einschüchterungsversuche bei ihm vornimmt, zieht er endgültig die Notbremse. Eve nimmt die Trennung eher trotzig als traurig hin. Die vielleicht lustigste Dialogzeile dieser Staffel richtet sie an Nikos neue Freundin: „Ich hoffe, dir gefällt die Missionarsstellung.“ Denn mehr könne sie von einem Langweiler wie ihm nicht erwarten...
Klar: Niko ist das exakte Gegenteil von Villanelle, die in Eve regelmäßig das gesamte Gefühlsspektrum aktiviert. Im Finale gelingt es der cleveren Killerin sogar, ihr neues Schoßhündchen zu einem blutrünstigen Kampfhund abzurichten. Mit einer Axt bringt sie Raymond (Adrian Scarborough), Villanelles neuem Vorgesetzten von „The Twelve“, um. Als Eve schließlich vor den Trümmern ihres einst so beschaulichen Lebens steht (und vor den Trümmern des alten Rom), kommt es zu ihrer längst überfälligen Kurzschlussreaktion. Sie rechnet mit Villanelle ab. Und, um den Schlusspunkt der ersten Staffel zu spiegeln, ist es diesmal Villanelle, die Eve töten will. Wir hören einen Schuss und sehen, wie Eve reglos am Boden liegt. Trotzdem glaubt wohl niemand ernsthaft, dass die Hauptfigur tatsächlich tot ist. Warum also so ein billiger Cliffhanger?
Fazit
Eine erfrischende Serie, wie es Killing Eve im vergangenen Jahr war, kann per Definition nicht langfristig von ihrer Frische zehren. Zwar hatte auch die zweite Staffel unter der neuen Chefin Emerald Fennell, die das Ruder von Phoebe Waller-Bridge übernahm und es bald an Suzanne Heathcote (Fear the Walking Dead) weitergibt, wieder einiges zu bieten, besonders in Sachen Humor und Spannung. Doch es zeigten sich auch schon die ersten Ermüdungserscheinungen: Durch die vielen gemeinsamen Szenen von Sandra Oh und Jodie Comer kam es zu einer regelrechten Entladung, wodurch die Serie langfristig an Attraktivität einbüßen könnte. Auch der überflüssige Cliffhanger im Staffelfinale dürfte insgesamt mehr Schaden als Vorfreude verursachen. Und trotzdem reden wir noch immer von einer der sehenswertesten Serien, die derzeit zu finden sind.
Hier abschließend der Trailer zur 2. Staffel der Serie Killing Eve:
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Verfasser: Bjarne Bock am Donnerstag, 30. Mai 2019Killing Eve 2x08 Trailer
(Killing Eve 2x08)
Schauspieler in der Episode Killing Eve 2x08
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