Kevin from Work ist eine Comedyserie von ABC über einen Arbeitnehmer, der durch unglückliche Umstände dazu gezwungen ist, mit der Liebe seines Lebens zusammenzuarbeiten. Um es noch heikler zu machen: Sie weiß davon. Die Pilotepisode kann leider nicht überzeugen.

Cast von „Kevin from Work“ / (c) ABC
Cast von „Kevin from Work“ / (c) ABC

Was passiert in „Kevin from Work“?

Wir lernen Kevin (Noah Reid) kennen, einen jungen Mann in der potentiellen Blütezeit seines Lebens, der gerade erfahren hat, dass er einen neuen Job in Italien hat und seine verhasste Arbeitsnische in den Staaten endlich hinter sich lassen kann. Was er ebenfalls hinter sich lassen kann oder muss - das ist Auslegungssache -, ist seine Kollegin Audrey (Paige Spara). Audrey, langzeitige Nachbarin am Arbeitsplatz, ist seine heimliche Liebe. Tragisch nur, dass sie das nicht weiß und ein muskelbepacktes Wesen, das einen IQ von unter dem Gefrierpunkt zu haben scheint, ihren Freund nennt. Der Herr mit dem bezeichnenden Namen „Brock“ wird von Matthew Florida gespielt.

Mit dem neuen Jobangebot in Italien eröffnen sich Kevin und seinem verkorksten Privatleben nun ganz neue Möglichkeiten. Nachdem er am Abend seiner Abschlussfeier wohl der alten Matrosenweisheit „lieber Rum trinken als rumsitzen“ nach allen Regeln der Kunst gefolgt ist und demnach blau wie das Meer in sein trostloses Apartment zurückgestolpert ist, fasst er einen Beschluss: Die Liebe zu Audrey muss in Form eines Briefes gestanden werden.

Wie so häufig ist man am Morgen danach klüger, so auch Kevin. Nicht so häufig hat man am nächsten Tag auch seinen Job verloren, so aber Kevin. Der neue Job in Italien wurde ihm abgesagt und Kevin muss sich darum kümmern, seinen alten Job sowie den Brief von Audrey wiederzubekommen, bevor sie ihn liest. Das mit dem Job klappt dank der Anstrenungen seiner sexuell sehr frustriert erscheinenden Chefin Julia (Amy Sedaris), das mit dem Brief nicht. Die Weichen für ein sehr unangenehmes Arbeitsumfeld sind gestellt.

Da hilft es auch nicht, dass er seinen besten Freund Brian (Matt Murray) doch nicht verlassen muss. Und die Tatsache, dass Kevin auf der Briefmission mit Audreys Mitbewohnerin Patti (Punam Patel) angebandelt hat, macht es wohl eher schlimmer. Außerdem wird noch Kevins Schwester Roxie (Jordan Hinson) eingeführt. Sie ist auf dem Weg zu Kevins Wohnung, die er ihr eigentlich überlassen sollte - nun sind die beiden unfreiwillige Mitbewohner.

Wie finden wir „Kevin from Work“?

Kevin From Work stammt von Barbie Adler, Produzentin und Autorin, die unter anderem auch für How I Met Your Mother, Arrested Development und My Name is Earl produziert und geschrieben hat. Entsprechend groß sind die Fußstapfen, in die sie ein geneigter Serienjunkie treten sehen möchte. Leider werden diese Erwartungen nicht erfüllt.

Eines der beiden größten Probleme der Serie ist das Konzept, auf dem die gesamte Geschichte aufbauen soll. Frustrierter Arbeiter bekommt einen neuen Job, gesteht seiner Kollegin seine Liebe in dem Gedanken, sie nie wieder zu sehen, kriegt den Job doch nicht und muss nun mit ihr Tisch an Tisch arbeiten. Die Idee, die an und für sich keine schlechte ist, klingt leider so, als hätte Adler ein altes Drehbuch für eine nicht angenommene Episode „How I Met Your Mother“ verarbeitet. Der Stoff reicht für einen Bogen von vielleicht drei Episoden - wie darauf eine gesamte Serie mit potentiell mehr als einer Staffel ihr Fundament bauen soll, bleibt leider ein Rätsel.

Szenenbild aus %26bdquo;Kevin from Work%26ldquo; © ABC
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Das zweite Problem ist, wie so häufig, in den Charakteren zu finden. Vor allem die weiblichen Figuren scheinen einzig und allein nach einem lustgetriebenen Paradigma zu funktionieren. Angefangen bei der sexuell frustrierten Chefin, die bei jeder Gelegenheit ihre Beine und manchmal auch mehr blitzen lassen möchte. Die erste Szene, in der die Schwester von Kevin vorgestellt wird, besteht daraus, dass sie einem Mann in dem Auto neben ihr zuruft, er solle doch bitte den Kindern die Augen zuhalten, damit sie ihm ihre Brüste zeigen kann.

Die Mitbewohnerin von Audrey hat es sich offensichtlich zur Aufgabe gemacht, jedes männliche Geschöpf, das seinen Weg in ihre Gefilde verliert, schnellstmöglich zu besteigen. Und zu guter Letzt, Audrey höchstpersönlich - immerhin zugegebenermaßen die „normalste“ der Bande. Aber bei ihr muss man sich fragen, wie ein Mensch mit ihrem augenscheinlichen Geschmack, Intellekt und emotionaler Reife auf einen testosterongetriebenen Menschenaffen wie Brock abfahren kann.

Natürlich sind auch die männlichen Charaktere kaum gut konzipiert - bei ihnen ist aber keine merkbare Leitvorstellung der männlichen Lebensweise festzustellen, die auf niedrigstem Niveau durch den Kakao gezogen wird.

Jetzt ist aber auch nicht alles schlecht an Kevin From Work. Trotz der Eindimensionalität der Charaktere kann man sich mit Kevin und Audrey durchaus anfreunden. Und auch der plumpe Arbeitskollege von Kevin, Ricky (Jason Rogel), strahlt Sympathie aus. Der Stil der Serie, von den Kameraeinstellungen bis hin zur Schnitttechnik und der Beleuchtung, ist sehr angenehm mit anzuschauen. Zwar wird durch mangelndes schauspielerisches Talent und fehlende charakterliche Tiefe kein Sog entwickelt, in dem man beim Gucken hineingezogen wird, quälen muss man sich dank der sauberen und stringenten Machart aber auch nicht.

Fazit

Was sagen wir also zu Kevin From Work ? Ein Empfehlungsschreiben wird eindeutig nicht ausgestellt. Dazu sind die Charaktere zu flach, die Dialoge zu seicht und die Witze zu einfach. Der porträtierte Frauentyp heimst ebenfalls keine Pluspunkte ein und das zu schwache Konzept wird der Comedyserie auf kurz oder lang ein Bein brechen, wenn da keine grundlegenden Überarbeitungen zustandekommen. Was positiv angemerkt werden muss, ist der ordentliche und gut bekömmliche Stil, der einen die Serie angenehm anschauen lässt, ohne unsägliche Langeweile hervorzurufen. Kevin From Work ist wie das kleine Handyspiel, das einem eigentlich keinen Spaß macht, die Fahrt mit der U-Bahn aber trotzem ein wenig kürzer erscheinen lässt.

Trailer zu „Kevin from Work“:

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