Katla Staffel 1
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Ich muss ehrlich sagen: Selten hat mich das Interesse an einer Serie (basierend auf unseren internen Abrufzahlen) derart überrascht wie Netflix' Katla, die erste isländische Eigenproduktion der VoD-Plattform. Die Kritik, die ich zum Start des düsteren Mystery-Dramas geschrieben habe, wurde beispielsweise häufiger geklickt als die zum französischen Krimi Lupin, der immerhin auch offiziell als dritterfolgreichstes Netflix Original weltweit gilt (nach Bridgerton und The Witcher).
Kleine Leseempfehlung: Katla: Unter dem Gletscher - Kritik zur isländischen Netflix-Serie
Seit der Veröffentlichung der achtteiligen Auftaktstaffel Mitte Juni stand Katla anscheinend durchgängig in den deutschen Netflix-Charts, also den Top 10 Serien und Filmen des Tages. Falls der Streaminganbieter bald konkrete Zuschauerzahlen nennt, dürften diese nicht allzu schlecht ausfallen. Wer hätte das gedacht, bei einem vermeintlichen Nischenformat aus einem Land, das nur so viele Einwohner hat wie Wuppertal?
Die Chancen für eine Fortsetzung sehen aktuell sehr rosig aus, falls der Serienschöpfer Baltasar Kormakur (Trapped) überhaupt weitermachen will. Sein Finale bietet jedenfalls viele Anknüpfungspunkte, obwohl man die Sache auch einfach so stehen lassen könnte. Denn fast alle Figuren haben ihren kleinen Charakterbogen abgeschlossen, auf mehr oder weniger befriedigende Art und Weise. Viele dürften sich vor allem fragen, wie die Mysterien am Ende erklärt werden?
Ich bin du
Zunächst noch mal zur Erinnerung: Die Netflix-Serie Katla setzt ein Jahr nach einem verheerenden Vulkanausbruch im Südwesten des eisigen Eilands südlich vom nördlichen Polarkreis ein. Zentraler Handlungsort ist das Dorf Vik, normalerweise nur wenige Autostunden von der Hauptstadt Reykjavik entfernt, doch seit der Naturkatastrophe völlig isoliert durch einen Fluss aus Ascheschlamm. Nur wenige Bewohner sind geblieben: der Polizist Gisli (Thorsteinn Bachmann), die Gastwirtin Bergrun (Gudrun Gisladottir), der Farmer Kjartan (Baltasar Breki Samper).
Letztgenannter ist der Lebenspartner der Protagonistin Grima (Gudrun Yr Eyfjörd), die beim Ausbruch ihre Schwester Asa (Iris Tanja Flygenring) verloren hat. Ihr Vater Thor (Ingvar Sigurdsson) will die Tragödie hinter sich lassen und hofft, dass sich seine letzte verbliebene Tochter professionelle Hilfe sucht. Das wünscht sich natürlich auch Kjartan, der das Ödland am liebsten ganz verlassen würde. Doch irgendwas hält Grima zurück - und bald schon sind sie und die anderen in Vik gar nicht mehr allein...

Eine Frau erhebt sich aus der Asche und gibt sich als Schwedin Gunhild (Aliette Opheim) aus. Das Problem: Die echte Gunhild, die vor vielen Jahren mal in Vik gelebt hatte, ist selbst in Schweden. Nun reist sie nach Island, um ihre Doppelgängerin zu treffen und alte Wunden wieder aufzureißen. Kurz darauf taucht plötzlich auch Asa wieder auf, ebenfalls überzogen von Vulkanasche. Grima und Thor wissen nicht, was los ist und spielen erst mal mit beziehungsweise freuen sich über das vermeintliche Wunder.
Mit der Zeit kommen immer mehr Menschen dazu - egal, ob als Doppelgänger wie im Fall von Gunhild oder als Wiederauferstandene wie bei Asa. Gisli wird so von seiner Frau Magnea (Solveig Arnarsdottir) überrascht, die eigentlich todkrank ist, aber eines Tages völlig gesund in doppelter Ausführung dasteht. Die Eltern Darri (Björn Thors) und Rakel (Birgitta Birgisdottir) bekommen ihren toten Sohn Mikael (Hlynur Hardarson) zurück. Und irgendwann gibt es sogar noch eine zweite Grima.
Warum passiert das alles?
Mit jedem Rückkehrer wird die Sache absurder. Einzig die spirituell veranlagte Bergrun scheint das alles zu verstehen: Ihrer Theorie nach schleicht sich das verborgene Volk der Elfen und sonstigen Fabelwesen, die es auf Island in Massen geben soll, unter die Menschen. Ihre Motive könnten dabei durchaus sinister sein. Der kleine Mikael soll laut angeblich ein sogenanntes Wechselbalg sein, das sich trauernden Muttern und Vätern an den Hals wirft, um von ihnen großgezogen zu werden und schließlich alle umbringt. Bösester Brutparasitismus, wie man ihn sonst nur aus dem Vogelreich kennt.
Zum Glück ist Darri zufällig Geologe und kann das Phänomen daher auch wissenschaftlich untersuchen. Er spürt sofort, dass sein lebender toter Sohn etwas mit dem Ausbruch der Katla zu tun haben muss. Er macht sich daher auf, Gesteinsproben zu sammeln und entdeckt dabei, dass viele Brocken nicht von dieser Welt stammen. Außerirdische Substanzen könnten seiner Ansicht nach also der Grund für alles sein. Ein ziemlich cleverer Ansatz der Serienmacher, zwei Alternativerklärungen zu liefern, eine für Fans von Wissenschaft und eine für Mystiker. Bestätigt wird am Ende weder das eine noch das andere, man kann es sich also aussuchen.
Viel wichtiger als das Warum wird bei Katla sowieso das Was. Es geht um die Frage, welche psychologischen Folgen die Doppelgänger und Wiederauferstandenen für die normalen Menschen haben. Das Ganze erinnert sehr an die französische Serie Les Revenants, einzig mit dem Unterschied, dass dort die Figuren vielseitiger ausgestaltet waren. Und damit sind wir schon beim größten Kritikpunkt angekommen, nämlich, dass die Geschichte vorrangig von ihren Charakteren getragen werden soll, diese aber nie durch echte Charakterarbeit gestärkt wurden.

Meiner Empfindung nach handelt es sich bei fast allen Rollen und Dynamiken in Katla um Klischees. Mit anderen Worten: Alle verhalten sich genau, wie man es erwarten würde. Angefangen bei Gisli, der sich verlocken lässt, seine kranke Frau zu vergessen und sich der gesunden Kopie an den Hals zu werfen. Über Asa, die nach ihrer Wiedergeburt ein besseres Leben führen will. Bis hin zu Rakel, deren Muttergefühle einfach zu stark sind, sodass sie die Warnungen ihres nüchternen Mannes einfach ignoriert.
Besonders abgedroschen ist allerdings das altbekannte Wer-ist-hier-der-Klon-Spielchen zwischen der alten Grima und der neuen Grima, das unglaubwürdig überzogen mit einer Runde russisches Roulette entschieden wird. Wie es aussieht hat das Original den Kürzeren gezogen, falls das einen Unterschied macht. Immerhin einen Hauch von Frische hatte das Liebesdreieck zwischen Thor, Gunhild und der jüngeren Gunhild zu bieten, das zudem noch durch ihren Sohn Björn (Valter Skarsgard) verkompliziert wurde.
Paradoxerweise würde ich den Figuren nicht nur vorwerfen, immer so zu handeln, wie man es erwartet, sondern auch nie so zu handeln, wie sie sollten. Was nur daran liegen kann, dass sie perfekt in eine Serie passen, die nicht besonders gut geschrieben ist. Es ist schon ziemlich komisch, dass die wenigen Menschen in Vik über die unglaublichen Vorkommnisse so wenig in Austausch stehen. Zumal eine gemeinsame Bewältigungsstrategie vielleicht noch interessanter geworden wäre als ihre einzelnen, sehr ähnlichen und somit redundanten Irrfahrten. Liegt es an der isländischen Abschottung oder daran, dass der Chefproduzent Baltasar Kormakur einfach auf Geschichten steht, in denen Menschen isoliert werden?
Fazit
Es bleibt festzuhalten: Katla bietet inhaltlich nichts Neues, was man zum Beispiel in der französischen Serie Les Revenants nicht sogar besser kriegen konnte. Die Charaktere sind eindimensional und dünn, was fatal ist, da die Serie am Ende doch nicht von ihren durchaus interessanten Mysterien getragen werden sollte. Statt Geheimnisse zu lüften, wie es sich die meisten sicher wünschen würden, werden nur ein paar Häppchen hingeworfen. Man kann sich dann noch die Antworten suchen, die man mag (was irgendwie dann doch recht clever ist). Zumal die letzte Einstellung einen ziemlich effektiven Cliffhanger bietet, der Lust auf Staffel zwei schüren dürfte.
Möglicherweise steht Katla sowieso weder auf dem Standbein Handlung noch auf dem Standbein Charaktere, sondern setzt voll und ganz auf die düstere und ruhige Inszenierung und daraus folgende Stimmung. Das einzigartige Setting Island macht tatsächlich einiges her und könnte so eben der Hauptgrund sein, die Serie zu schauen. Ob das aber ausreicht, um wirklich dabei zu bleiben, ist fraglich. Wie hat es Euch denn gefallen? Zufrieden mit dem Ausgang der einzelnen Erzählstränge? Fasziniert von den Figuren? Oder einfach nur verzaubert von der Schönheit dieser kargen Landschaften?
Und wie immer sorry für das Eindeutschen der isländischen Schreibweisen. Das hat zurzeit technische Gründe.
Hier abschließend noch der Trailer zur isländischen Netflix-Serie Katla:
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«Katla» Trailer
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