Katla: Unter dem Gletscher - Kritik zur isländischen Netflix-Serie

© zenenfoto aus der Serie Katla: Unter dem Gletscher (c) Netflix/RVK Studios
Netflix kann ein weiteres Land von seiner bucket list streichen, denn mit Katla präsentiert der US-amerikanische Streaminganbieter nun seine erste isländische Eigenproduktion. Als Serienschöpfer gilt der Filmemacher Baltasar Kormakur, der mit „2 Guns“ und „Everest“ zuvor schon ein paar waschechte Hollywood-Streifen inszeniert hat. Mit seinen RVK Studios produziert er seit 2015 darüber hinaus den Krimi Trapped, der beim ZDF zu sehen ist.
Sein neues Projekt Katla wurde im Herbst 2019 bei Netflix durchgewunken (wir berichteten). Seit der Berlinale 2017 hatte Kormakur versucht, die Mystery-Serie rund um einen folgenschweren Vulkanausbruch unterzubringen. Den Auftakt zum Achtteiler macht nun die Episode Unter dem Gletscher. Die Hauptrollen spielen unter anderem Gudrun Yr Eyfjörd, Iris Tanja Flygenring, Ingvar Sigurdsson, Aliette Opheim, Thorsteinn Bachmann, Baltasar Breki Samper und Gudrun Gisladottir.
Wir bitten übrigens um Entschuldigung, dass wir die isländischen Namen eindeutschen müssen. Unser System verträgt dummerweise die vielen Sonderzeichen momentan nicht.
Worum geht's?
Zentraler Handlungsplatz ist das Dorf Vik im Süden von Island, zweieinhalb Autostunden entfernt von der Hauptstadt Reykjavik. Der Ort befindet sich in unmittelbarer Nähe zum titelgebenden Vulkan Katla, der zu den aktivsten Feuerbergen des gesamten Landes zählt. Der letzte große Ausbruch ist in der fiktiven Geschichte knapp ein Jahr her. Die Gegend gleicht noch immer einem Ödland und gilt somit als Sperrgebiet, doch im Leben der Menschen kehrt Normalität zurück. Zumindest bei den meisten...
Die Protagonistin Grima (Eyfjörd) trauert derweil noch immer ihrer Schwester Asa (Flygenring) nach, die an jenem Schicksalstag verschwunden und vermeintlich gestorben ist. Grimas Vater Thor (Sigurdsson) will, dass sie die Sache abschließt. Am besten wäre es, wenn sie ihn und Vik hinter sich ließe und mit ihrem Freund Kjartan (Samper) nach Reykjavik umziehen und ein neues Leben beginnen würde, denkt Thor. Kjartan hätte das auch gern so, doch Grima kann und will nicht loslassen.

Kleine Warnung: Ab hier beginnt nun der Spoiler-Teil dieser Besprechung. Springt ansonsten lieber direkt zur Bewertung weiter unten.
Und dann passiert es: Gerade, als die Aktivität von Katlan wieder zu steigen droht, spuckt der Vulkan plötzlich etwas anderes aus als glühend heiße Lava. Eine von Kopf bis Fuß mit schwerer Asche bedeckte Frau torkelt erschöpft nach Vik. Grima und ihr Kollege Gisli (Bachmann), der im Ort für Ordnung sorgt, identifizieren sie rasch als Schwedin Gunhild (Opheim). Als sie angibt, im Gasthaus zu arbeiten, bestätigt das die Wirtin Bergrun (Gisladottir). Mit einer Ergänzung: Gunhild war eigentlich vor 15 oder 20 Jahren bei ihr beschäftigt. Als sie schließlich in Schweden anrufen, meldet sich die „echte“ Gunhild auf der anderen Seite der Leitung. Natürlich traut sie ihren Ohren kaum, als sie plötzlich mit sich selbst spricht.
Doch es wird noch mysteriöser, denn die Frau aus dem Vulkan scheint sonst nur einen anderen Menschen in Vik zu kennen: Grimas Vater Thor. Sie fragt immer wieder nach ihm und als er sie dann besucht, macht er ein Gesicht, als hätte er einen Geist gesehen. Ist sie seine ehemalige Geliebte? Und was weiß er über ihr Verschwinden? Denn immerhin soll er es gewesen sein, der sie damals über den Vulkan geführt hat. Auch Grima will Antworten von ihm, aber dann bahnt sich schon der nächste Schock an: Asa ist zurück, auch sie hat sich wie der Phönix aus der Asche erhoben...
Wie ist es?
Katla bietet einen spannenden Start, der sofort Lust zum Weiterschauen macht. Zwar ist das Erzähltempo - eben typisch nordisch - sehr, sehr langsam und die Stimmung bedrückend düster. Doch wegen der kompakten Laufzeit von gerade einmal 40 Minuten kommt dennoch keine Langeweile auf. In ihren Bann ziehen will uns die Serie neben ihren gruseligen Rätseln auch mit purer Bildgewalt. So sieht man gleich in der allersten Einstellung spektakuläre Naturgewalten, die die einzigartige Magie Islands widerspiegeln.
Doch die einsame Insel aus Eis und Feier, südlich vom nördlichen Polarkreis, fasziniert nicht nur mit ihrer Natur, sondern auch mit ihrer Kultur. Isländische Folklore wird in Katla eine entscheidende Rolle spielen. Sind es die Geister und Gottheiten uralter Sagen, die für das Chaos sorgen? Die weiteren Folgen werden es zeigen. Ich würde mir fast wünschen, dass sich die Netflix-Serie in dieser Hinsicht möglichst weit aus dem Fenster lehnt, um sich auf diese Weise vom üblichen Nordic-Noir-Genre etwas abzuheben.
Der Katla-Schöpfer Baltasar Kormakur liefert genau das, was man von der ersten isländischen Netflix-Serie erwarten würde. Ein gelungener Auftakt, bleibt nur zu hoffen, dass es im künftigen Verlauf noch mehr Stärken deutlich werden. Interessante Charakterentwicklungen wären zum Beispiel wichtig - und natürlich eine befriedigende Auflösung! All das bleibt nun abzuwarten.
Hier abschließend noch der Trailer zur isländischen Serie Katla, die von nun an auf Netflix zu finden ist:
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