Justified 5x05

Die Erzählgeschwindigkeit der neuen Justified-Episode ist beinahe atemlos, die Todesliste lang und die überraschenden Wendungen zahlreich. Trotzdem hinterlassen manche Handlungsstränge einen komischen Beigeschmack. Mehrere Morde scheinen nur in die Geschichte eingebaut worden zu sein, um sich diverser Charaktere zu entledigen, die für den Fortlauf der Erzählung keine nennenswerten Funktionen erfüllen.
The world is full of empty promises
Zu Beginn setzt Boyd Crowder (Walton Goggins) den Plan gegen seinen Widersacher Lee Paxton (Sam Anderson) um, der wenig elegant und ausgeklügelt konstruiert ist. Er sieht einfach nur vor, Paxton zu erschießen und seinen Tod wie Selbstmord aussehen zu lassen. Später in der Episode lässt Boyd denn auch Mitwisser Mooney (William Gregory Lee) erschießen, vor den Augen von Paxtons Ehefrau Mara (Karolina Wydra). Die Bluttat soll die Nachricht aussenden, dass Mara von Boyd nichts zu erwarten habe und er jederzeit zu tödlicher Gewalt greifen könne, sollte sie in irgendeiner Weise versuchen, ihm in die Quere zu kommen.
Um Mooney nicht eigenhändig ermorden zu müssen, sichert sich Boyd die Dienste eines alten Fahrensmanns aus Minenarbeiterzeiten, Hayes Workman. Der lässt sich für diesen Deal einspannen, weil er nur noch wenige Monate zu leben hat und seiner jungen Familie ein ordentliches Erbe hinterlassen will - das ursprünglich für Mara vorgesehene Geld verwendet Boyd nun für den Auftragsmörder. Hayes ist an der typischsten aller Minenarbeiterkrankheiten erkrankt, der sogenannten Staublunge.
Ich liebe diese kleinen Momente, in denen Justified es schafft, ein stimmiges Bild der gesellschaftlichen Realität im Handlungsort zu zeichnen. Die Serie hat es sich zu eigen gemacht, immer wieder diversen Charakteren kurze Gastauftritte zuzugestehen. In einer anderen Szene schafft es die Serie ebenso, scheinbar im Vorbeigehen die Charakterisierung einer Figur zu vertiefen. Darin sitzt Chefmarshal Art Mullen (Nick Searcy) in seinem Wagen und observiert mehrere Verdächtige. Im Radio ist leise die Stimme von Rush Limbaugh zu hören - er ist einer der bekanntesten, scharf konservativen amerikanischen Radiomoderatoren. Es passt einfach perfekt zum Charakter von Art Mullen, dass er sich eine solche Sendung im Radio anhört.

Boyd hat indes an mehreren Fronten zu kämpfen. Hat er in einer Schlacht den Sieg errungen (dank der Morde an Paxton und Mooney wird die Anklage gegen seine Verlobte Ava (Joelle Carter) fallengelassen), eröffnet sich gleich die nächste Kampflinie. Dieses Mal bekommt er Besuch von Daryl Crowe (Michael Rapaport) und dessen Schergen Jean Baptiste (Edi Gathegi). Die beiden gehen sofort auf Konfrontationskurs und verlangen, dass Boyd sie für den schlechten Deal, den er mit Dewey Crowe (Damon Herriman) abgeschlossen hat, entschädigt.
A small town never forgets
Boyd lässt sich so viel Chuzpe nicht lange bieten und fordert seine Besucher unter Waffengewalt zum Gehen auf. Natürlich wird dies nicht die letzte Konfrontation zwischen den beiden Gangstern gewesen sein, momentan offenbart der Handlungsstrang um die Kriminellenfamilie Crowe jedoch einige Schwächen. In Shot All to Hell wird ersichtlich, dass Daryl Crowe wohl als großer Staffelbösewicht installiert werden soll. Seine bisherigen Handlungen und vor allem die fehlende Kontrolle, die er über seine Familienmitglieder ausübt, lassen dabei jedoch nichts Verheißungsvolles erwarten.
Die Autoren von Justified offenbaren momentan eine gewisse Ratlosigkeit hinsichtlich der Crowes. Warum musste Jean Baptiste so früh sterben? Außer einem überraschenden Schockmoment hatte die Szene keinen dramaturgischen Nutzen. Warum hat Daryl den unberechenbaren und kaltblütigen Mörder Danny (A. J. Buckley) mit nach Kentucky gebracht? Schließlich muss er gewusst haben, wie gefährlich sein Bruder sein kann. In der Auftaktepisode hatte er einen anderen unliebsamen Bruder noch umgebracht. Die ganze Operation der Crowes strotzt nicht gerade vor Kompetenz, der einzige fähige Charakter schien der ermordete Baptiste gewesen zu sein.
Ob die Crowes sich im Laufe der Staffel noch mit Johnny Crowder (David Meunier) zusammenschließen? Der hat in der neuen Episode sein eigenes Verhandlungsgeschick unter Beweis gestellt und die Handlanger von „Hot Rod“ Dunham (Mickey Jones) gegen ihren eigenen Chef ausgespielt. Hier zeichnet sich ein interessanter Konflikt ab, der für Boyd zur großen Gefahr werden könnte. Eine weitere Gefahr (zumindest für Boyds emotionales Wohlbefinden) entwickelt sich im Gefängnis, als der renitente Wärter gemeinsam mit Avas Zellengenossin einen Plan ausheckt, um Ava weiter unter Verschluss halten zu können.

Dieser Erzählstrang fühlt sich ähnlich konstruiert an wie der um die Crowe'schen Machenschaften und Boyds Blutspur durch Harlan County. Er dient nur dem einen Zweck, Ava noch weiter im Gefängnis zu halten. Weder der Gefängniswärter noch die Zellengenossin hatten bisher ausreichende Charakterisierung erfahren, um diese Aktion zu rechtfertigen. Während der Handlungsbogen rund um Boyd Crowder also einige Schwächen offenbart, glänzt der Raylan- und Mullen-Strang umso heller - mit einer Ausnahme.
Hello, Theo
Warum erzählt Raylan seinem Vorgesetzten am Ende der Episode nur, dass Picker (John Kapelos) eine Falschaussage getätigt hat? Der hatte zuvor behauptet, dass der Bundesbeamte, der beim Mord an Nicky Augustine anwesend war, FBI-Agent Jerry Barkley (Stephen Tobolowsky) gewesen wäre. Der war von Augustine in der vorherigen Staffel erschossen worden, die Leiche wurde jedoch nie gefunden. Picker liefert Raylan also das perfekte Alibi, um Mullens Nachforschungen zu unterbinden. Die folgenden Episoden werden dafür hoffentlich eine zufriedenstellende Erklärung parat haben.
Ansonsten waren die Szenen mit Raylan und Mullen von allererster Justified-Qualität. Gemeinsam suchen sie den Gefolgsmann Theo Tonins auf, der von Detroit nach Harlan geschickt wurde, um sich dort Pickers Schicksal anzunehmen. Er begrüßt sie mit einem überdimensionierten Maschinengewehr (das an Tom Hardys Knarre in „Inception“ erinnert), was ihn wiederum zu einem weniger gefährlichen Bösewicht macht, als es sich die Autoren der Serie wohl erhofft hatten. Mal ehrlich: Welcher kluge Antagonist tritt zwei US-Marshals mit solch einer Wumme entgegen?
Als sich Raylan des Widersachers entledigt hat, machen er, Art und das gesamte Marshal-Büro eine überraschende Entdeckung: In einem Flugzeugcontainer finden sie den seit mehreren Jahrzehnten gesuchten Gangsterboss Theo Tonin (Adam Arkin, der bei dieser Episode auch Regie führte). Für Mullen ist es der größte Fang seiner gesamten Karriere, entsprechend lässt er mit seinen Kollegen später die Korken knallen - bis Raylan ihn mit seinem verwirrenden Geständnis überrascht.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 5. Februar 2014(Justified 5x05)
Schauspieler in der Episode Justified 5x05
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