Justified 5x03

Justified 5x03

Justified hält auch in Good Intentions weiter an seinem Vorhaben fest, die Pfade von Raylan Givens und Boyd Crowder nicht allzu früh kreuzen zu lassen. Heraus kommen dabei einige nette kleine Randgeschichten, die vielversprechende Konflikte nach sich ziehen könnten.

Raylan (Timothy Olyphant) lässt sich nur allzu gern von Alison (Amy Smart) ablenken. / (c) FX
Raylan (Timothy Olyphant) lässt sich nur allzu gern von Alison (Amy Smart) ablenken. / (c) FX

Nach der Achterbahnfahrt der ersten beiden Episoden der fünften Staffel von Justified scheint sich die Serie nun mit Good Intentions auf dem gewohnt hohen Niveau einzupendeln. Die Dialoge sitzen wie eh und je, die Nebendarsteller sind viel mehr als nur hübsche Staffage und die Dramaturgie gönnt sich den einen oder anderen Ausflug auf nicht zwangsweise relevantes Terrain.

Raylan und seine Femmes fatales

In der neuen Staffel fällt bislang auf, dass die Handlungsbögen der einzelnen Protagonisten ihren wortreichen Ausführungen und Witzeleien zeitweise untergeordnet sind. Bisweilen habe ich das Gefühl, dass es bei Raylan (Timothy Olyphant) und Boyd (Walton Goggins) wichtiger ist, wie sie etwas sagen als das, was sie sagen. In der letzten Episode war dieses Konzept perfekt aufgegangen, zu großen Teilen dank der fantastischen Chemie zwischen Raylan und Loretta McCready (Kaitlyn Dever).

Dieses Mal bekommt es Raylan mit erwachsenen Damen zu tun und die wissen - genau wie Loretta -, wie sie mit ihm umzugehen haben. In seiner neuen Residenz - dem beschlagnahmten Anwesen des mutmaßlichen Geldwäschers Charles Monroe (Xander Berkeley) - empfängt Raylan zunächst seine aktuelle Liebschaft, die Jugendhelferin Alison (Amy Smart). Sie schert sich nicht um seinen Status als US-Marshal und zündet sich nonchalant einen Joint an.

Eine Reihe von Missverständnissen führt in der Folge zu einigen witzigen Verwechslungen und Doppelspielen - und einem sehr tödlichen Ende. Weil die beiden Turteltauben ungebetenen nächtlichen Besuch von einem Rowdy mit Baseballschläger bekommen, ordnet Art Mullen (Nick Searcy) an, dass fortan Rachel Brooks (Erica Tazel) Raylan zur Seite stehen möge, um eine Eskalation der Situation zu vermeiden. Sie ist es auch, die dem liebesblinden Raylan die Möglichkeit offenbart, dass Alison selbst nicht ganz lupenreine Absichten hegen könnte.

Boyd (Walton Goggins) schafft es kaum noch; seiner Verlobten Ava (Joelle Carter) Mut zuzusprechen. © FX
Boyd (Walton Goggins) schafft es kaum noch; seiner Verlobten Ava (Joelle Carter) Mut zuzusprechen. © FX

Wie sich herausstellt, hat der unerwünschte Gast jedoch gar nichts mit dem Hauseigentümer Monroe zu tun, er sinnt vielmehr auf Rache an Alison. Sie hat nämlich dafür gesorgt, dass ihm die Obhut seines Sohnes entzogen und dieser in die Hände einer Pflegefamilie gegeben wurde. Nachdem Monroe - der mittlerweile gegen Kaution aus der Haft entlassen wurde - indes von dem Zwischenfall hört, glaubt er, der Besucher habe es auf den Goldschatz in seinem Tresor abgesehen.

Does this restaurant have blowjobs on the menu?

Seine Haushälterin und Gespielin Gloria (Gabrielle Dennis) eröffnet ihm nach äußerst grenzwertiger Befragung, dass Wynn Duffy (Jere Burns) der einzige sein könne, der über den Ort des geheimen Tresors Bescheid wisse, weil seine Firma diesen eingebaut habe. Das Missverständnis endet für Monroe tödlich. Als er nämlich wutentbrannt Duffy in seinem mobilen Heim aufsuchen will, handelt dessen Leibwächter Mike (Jonathan Kowalsky) etwas zu geistesgegenwärtig und erschießt Monroe an Ort und Stelle.

Raylan ist an dieser unglücklichen Ereigniskette nicht unschuldig, war er es doch, der die arme Gloria zwischen alle Fronten gestellt und sie dazu gezwungen hat, Monroe die Mär vom verschwundenen Gold aufzubinden. Ob er sich das Vorgehen von seiner Freundin Alison abgeschaut hat? Die hat angeblich, laut Aussage des Prügelknaben, Crystal Meth bei ihm deponiert, um eine Grundlage dafür zu haben, ihm das Sorgerecht für seinen Sohn zu entziehen.

Gloria ist indes nicht die einzige, die zwischen die Fronten verfeindeter Parteien gerät. Auch der arme, neureiche Dewey Crowe (Damon Herriman) wird zum Spielball mächtiger Interessen. Der mit einem recht begrenzten Intellekt ausgerüstete Dewey wusste schon am Ende von The Kids Aren't All Right, dass es nichts Gutes bedeuten könnte, wenn sein Cousin Daryl (Michael Rapaport) aus Florida plötzlich und ohne Ankündigung bei ihm auftaucht. Schnell stellt sich heraus, dass Daryl sich in das blühende Prostitutionsgeschäft Deweys zwängen will. Bei Boyd sucht der Hilflose nach Rat, bekommt jedoch nur eine Plattitüde entgegengeschmettert: „Put your foot down, Dewey Crowe!

Raylan (Timothy Olyphant; l.) kommt zu spät. © FX
Raylan (Timothy Olyphant; l.) kommt zu spät. © FX

Es ist wahrlich eine Bereicherung für Justified, dass Dewey vom Redneck-„Sidekick“ zur Hauptfigur befördert wurde. Er bringt eine ganz neue Form der Komödie in die Serie - gleichzeitig haben wir angesichts seiner eingeschränkten Fähigkeiten ständig Mitleid mit dem überzeugten Nazi. Daryl weiß natürlich sofort, wo er bei seinem Cousin anzusetzen hat. Bis zum Ende der Episode wird es ihm gelingen, sich einen „rechtmäßigen“ Platz in Deweys Operation zu erschleichen. Der Leidtragende: Wade Messer (James Le Gros) - und natürlich Dewey selbst.

What's curb appeal?

Herrlich auch, wie sich die beiden Cousins mit „Cousin Dewey“ und „Cousin Daryl“ ansprechen. Dies erinnerte mich an die Beziehung zwischen Tony Soprano (James Gandolfini) und seinem Cousin Tony Blundetto (Steve Buscemi), die als Kinder aus Gründen der phonologischen Unterscheidbarkeit „Tony Uncle Johnny“ beziehungsweise „Tony Uncle Al“ gerufen wurden.

Im Übrigen ist es kein Wunder, dass Boyd seinen Apologeten Dewey schnellstmöglich versucht abzuschütteln, schließlich hat er selbst gleich mehrere Brände zu löschen. Weil der aus dem Koma erwachte Lee Paxton (Sam Anderson) den korrupten Bullen Mooney (William Gregory Lee) damit beauftragt, Boyd zu ermorden, heckt der gemeinsam mit Paxtons mail order bride Mara (Karolina Wydra) einen Komplott gegen beide aus. Gleichzeitig kommen sich die beiden Verschwörer näher, wobei nicht ausgeschlossen werden kann, dass Mara ihre Reize auch bei Boyd nur für das eigene Fortkommen einsetzt.

Die Spielerei zwischen den beiden dürfte Ava (Joelle Carter), der Verlobten von Boyd, im Gefängnis indes so gar nicht passen. Sie spürt, dass etwas nicht stimmt und verliert allmählich das Vertrauen in Boyd. Damit hört es für ihn jedoch immer noch nicht auf. Er muss nämlich überdies herausfinden, wer für den Überfall auf seine Drogenlieferung verantwortlich ist - und siehe da, es kehrt ein Charakter in die Geschichte zurück, an den ich bisher gar nicht mehr gedacht hatte: „Hello, cousin Johnny.

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 22. Januar 2014
Episode
Staffel 5, Episode 3
(Justified 5x03)
Deutscher Titel der Episode
Und führe mich nicht in Versuchung …
Titel der Episode im Original
Good Intentions
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 21. Januar 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 13. November 2014
Autor
Benjamin Cavell
Regisseur
Dean Parisot

Schauspieler in der Episode Justified 5x03

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