Justified 4x09

Was für eine Bereicherung Patton Oswalt als Hilfspolizist Bob Sweeney doch für die vierte Staffel von Justified ist! In der neuen Episode The Hatchet Tour glänzt der Komiker mit einigen brüllend komischen Einlagen, beispielsweise als er sich gerade frisch gedemütigt an sein Sturmgewehr klammert und wild auf seine Peiniger losballert. Diese heiteren Einschübe konterkarieren den ansonsten doch recht dringlichen Ernst der Suche nach Drew Thompson.
Art Mullen und Constable Bob in Hochform
Bobs Standhaftig- und Redseligkeit liefert Raylan Givens (Timothy Olyphant) gegen Ende der Episode außerdem einen entscheidenden Hinweis. Zuvor hatte der nämlich vergeblich versucht, den Verbleib von Drew Thompson aus der einzigen lebenden Person herauszupressen, die davon noch wissen könnte. Kurzerhand schnappt er sich mit Rückendeckung Tim Guttersons (Jacob Pitts) den zu überführenden Häftling und Mörder seines Vaters, Hunter Mosley (Brent Sexton). Sein Plan sieht vor, den ehemaligen Sheriff auf einer langen Überfahrt mit mehreren Zwischenstopps so mürbe zu machen, dass der endlich mit der Wahrheit über Thompson herausrückt.

Als der Direktor des Marshalbüros, Art Mullen (Nick Searcy), mitbekommt, dass Raylan die Überführung des Vatermörders übernommen hat, kommt es zum ersten grandios komischen Moment der Episode. Mullen flippt komplett aus, weil er befürchtet, Givens könnte von persönlichen Rachegefühlen übermannt werden und sich des Schicksals Mosleys annehmen. Offensichtlich hat er dabei vergessen, dass Raylan für seinen Vater keine echte Zuneigung übrig hatte. Die Art und Weise, wie er aus der Haut fährt und seine Untergebenen zusammenstaucht, dürfte beim Publikum für das eine oder andere schallende Gelächter gesorgt haben.
Als erster gerät Gutterson in die Schusslinie, er bekommt den Auftrag, Givens sofort zurückzubeordern: „Articulate to him my extreme displeasure.“ Der kann es sich nicht verkneifen, die Steilvorlage sogleich zu verarbeiten: „Do you want me to write that down or paraphrase?“ Gutterson teilt Raylan daraufhin die frohe Botschaft mit, hat aber eine alternative Vorgehensweise im Kopf. Er will ihm und sich zunächst Zeit verschaffen, da er selbst ein persönliches Interesse an der von Colton Rhodes (Ron Eldard) hinterlassenen Leiche seines Veteranenfreundes hat.
Die erste Station auf Raylans und Hunters gemeinsamer Zermürbungstour führt sie zum fahrenden Dixie-Mafia-Mitglied Wynn Duffy (Jere Burns). Dieser ist einer von Hunters zwei möglichen Mordauftraggebern auf Givens' Liste. Der andere ist Boyd Crowder (Walton Goggins). Jedenfalls kann Duffy glaubhaft beteuern, dass er mit dem Mord an Arlo nichts zu tun gehabt habe. Raylan glaubt ihm vor allem auch deshalb, weil seine Motive für dieses Vergehen als höchst zweifelhaft einzustufen wären. Schließlich ist sein Auftraggeber Theo Tonin (Adam Arkin) selbst auf der Suche nach dem Phantom Drew Thompson.
Thank you very much, but we don't need your shit
Unerwartete Unterstützung ereilt Givens dann in Form von Sheriff Shelby Parlow (Jim Beaver), der von Mullen eigentlich dazu angehalten wurde, für eine sichere Überführung des Häftlings Mosley zu sorgen. Gemeinsam bearbeiten sie ihren Mitreisenden, doch der will sich einfach nicht zum Singen überreden lassen. Eine ihrer letzten Spuren führt sie schließlich zum Haus von Lee Paxton (Sam Anderson), wo sich dieser gemeinsam mit seinem Kompagnon Gerald Johns (Ned Bellamy) verschanzt hat.

Im Auftrag Raylans behält Constable Bob ein Auge auf die beiden. Bei der ersten direkten Konfrontation wird er jedoch dermaßen schamlos beleidigt, dass er sich gezwungen sieht, zu Höherkalibrigem zu greifen. „They just kept pressing my buttons“ - mit solch geschmacklosen Sprüchen wie: „Midget police is here“. Oder: „You got cuffs small enough to fit him?“ Als Givens also endlich ankommt, um die Situation zu schlichten, bricht sich die größte Enthüllung der bisherigen Staffel Bahn. Was einige findige SERIENJUNKIES.DE®-Leser in der letzten Woche schon vermutet hatten, wird zur serieninhärenten Realität: Sheriff Parlow ist Drew Thompson.
Bis sich Raylan diese Nachricht während eines scheinbar endlosen Redeschwalls von Constable Bob erschließt, ist es für eine sofortige Festnahme schon zu spät. Als Dank für Hunters Kooperation befreit ihn Parlow vor seiner eigenen Flucht von den Handschellen. Hunter jedoch ergibt sich in sein Schicksal und lässt die Chance verstreichen. Immerhin kann er so Givens noch einige Unflätigkeiten an den Kopf werfen.
Boyds Suche nach Drew Thompson verläuft währenddessen etwas schleppend, wenngleich er bei einer Hausbesichtigung im reichen Stadtviertel Clover Hill eine Eingebung bekommt. Diese soll sich jedoch als nicht weiter verfolgenswert herausstellen, nachdem die Nachrichten über den Sheriff am Ende der Episode über Boyd hereinbrechen. Nicht nur dessen wahre Identität, auch die Tatsache, dass er Ellen May (Abby Miller) mit größter Wahrscheinlichkeit bei sich versteckt hält, versetzen Boyd und Ava (Joelle Carter) in erhöhte Alarmbereitschaft.
Die Erkenntnis von der lebenden Ellen May hat unterdessen weitreichende Konsequenzen für mehrere Charaktere. Coltons Lüge wird aufgedeckt, Boyd weiß, dass der Sheriff gegen ihn arbeitet und Cousin Johnny (David Meunier) kann sich bei Boyd wieder etwas beliebter machen. Die undurchsichtigen Verstrickungen zwischen den Beteiligten der Jagd nach Thompson bleiben jedoch weiterhin bestehen. Für alle Involvierten hängt viel an der Ergreifung des kriminellen Masterminds.
Fazit
Die aktuelle Episode The Hatchet Tour liefert solides Storytelling und garniert dieses mit allerlei zynischen, ironischen oder einfach nur schreiend komischen Slapstickeinlagen. Während Nick Searcy als Art Mullen zu Beginn seine Hasstirade ablässt, wünscht man sich als Zuschauer doch zum wiederholten Male größere Auftritte des Marshaldirektors. In dieser Staffel spielt er eine sehr untergeordnete Rolle, meist als derjenige, der Raylan Givens in Zaum zu halten weiß.
Auch gegen längere Einsatzzeiten von Constable Bob Sweeney könnte man nichts einzuwenden haben. Patton Oswalt holt aus seiner Figur wieder einmal das Maximum heraus. Sie bewirkt beim Zuschauer gleichzeitig Mitleidsempfinden, Schamgefühle und breitestes Grinsen. Gleichzeitig kulminiert in ihr so ziemlich alles, was die Drehbuchautoren in der vierten Staffel - und auch den vorhergehenden - richtig machen: Witz, Charme und krachend komische Dialogzeilen.
Wieder einmal zeichnet sich eine Episode von Justified durch Wortwitz und ausgezeichnete Dialogarbeit aus. Die Geschichte wird hingegen etwas schleppend vorangetrieben und die Drew-Thompson-Enthüllung sorgt auch nicht unbedingt für den gewünschten „Aha-Effekt“. Die fehlenden Episoden werden sich wohl mit der endgültigen Ergreifung des ehemaligen Sheriffs befassen. Trotz dieser minderen Plotschwächen erfüllt die aktuelle Episode von „Justified“ die seit der letzten Episode wieder hohen Erwartungen und unterhält schlicht und einfach: bestens.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 7. März 2013(Justified 4x09)
Schauspieler in der Episode Justified 4x09
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