Joe Pickett: Ein Ungeheuer im Hof - Review

© Spectrum/Paramount+
Darum geht es in der Folge Ein Ungeheuer im Hof der Serie Joe Pickett:
Der durch schreckliche Kindheitserlebnisse traumatisierte Joe Pickett (Michael Dorman, For All Mankind) hat in der Kleinstadt Saddlestring von seinem Vorgänger Dunnegan (David Alan Grier, „Clifford der große rote Hund“) den Posten des Jagdaufsehers übernommen. Gemeinsam mit seiner Frau Marybeth (Julianna Guill, Girlfriends Guide to Divorce) und seinen beiden kleinen Töchtern Lucy (Kamryn Pliva, Jann) und Sheridan (Skywalker Hughes, „Ordinary Angels“) versucht er, in der neuen Heimat Fuß zu fassen.
Schon kurz nach seinem Dienstantritt gerät er mit dem heruntergekommenen Ote Keeley (Ben Hollingsworth, Virgin River) aneinander, der außerhalb der Jagdzeit einen Hirsch erlegt. Als Pickett ihn stellt, gelingt es Keeley, diesem die Waffe zu entwenden. Allerdings kann der Jagdaufseher den Wilderer überwältigen und ihm seinen Jagdschein entziehen. Keeley sorgt jedoch für einen Artikel in der lokalen Zeitung, in dem er Pickett lächerlich zu machen versucht.
Während Pickett die teilweise ziemlich schrägen Bewohner der Stadt kennenlernt, darunter die eine Emu-Zucht betreibenden skurrilen Bouvier-Zwillingsschwestern Violet (Joyce Robbins) und Vivian (Jacqueline Robbins, beide bekannt aus A Series of Unfortunate Events), haben die Picketts auch ihre ganz privaten Sorgen. Marybeth wird ungewollt ein weiteres Mal schwanger. Ferner muss die Familie Marybeths halbseidene Mutter Missy (Sharon Lawrence, NYPD Blue) bei sich aufnehmen.
Im Zuge der Schwangerschaftsvorsorge macht Marybeth außerdem die Bekanntschaft von Ote Keeleys ebenfalls schwangerer Ehefrau Jeannie (Leah Gibson, Rogue) und seiner kleinen Tochter April (Newcomerin Vivienne Guynn), die unter erbarmungswürdigen Zuständen leben muss.
Mehrmals kommt es zu Zusammenstößen mit Ote Keeley und seinen Spießgesellen, die den Jagdaufseher mit Drohungen dazu zu bringen versuchen, Ote seinen Jagdschein zurückzugeben und die Ermittlungen gegen ihn zu stoppen, was Pickett ablehnt. Keeley und sein Gefolge haben kurz darauf eine mysteriöse Begegnung mit einem Einsiedler im Wald. Nach einer unruhigen, von Albträumen der ganzen Familie erfüllten Nacht macht Pickett einen schrecklichen Fund in einem Holzhaufen vor seiner Haustür...
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Romanadaption
So viel zur Handlung der Pilotepisode der in Übersee bereits 2021 gestarteten TV-Serien-Adaption der erfolgreichen Romanreihe des Autors C. J. Box, dessen erste sieben Bände auch in deutscher Übersetzung im Heyne-Verlag erschienen sind. Wer jedoch glaubt, bei „Joe Pickett“ handele es sich um eine zwar spannende, jedoch auch eindimensionale Krimiserie, der befindet sich entschieden im Irrtum...
Bereits in der Eröffnungsfolge wird deutlich, dass die Serie von ihren überaus ungewöhnlichen Charakteren lebt. Der Hauptdarsteller leidet unter einem schweren, niemals überwundenen Kindheitstrauma, über das man hier nur sehr rudimentär erfährt, dass es sich im familiären Bereich abgespielt hat. Seine hochgebildete Ehefrau hingegen muss mit ihrer mit einem Kriminellen verheirateten überdrehten Mutter zurechtkommen.
Einen überaus kuriosen, aber auch schreiend komischen Auftritt haben die Schauspielerzwillinge Joyce Robbins und Jacqueline Robbins als die Bouvier-Schwestern, die Pickett zwecks Entfernung eines besonders bösartigen Exemplars ihrer Emu-Zucht aus ihrem Schlafzimmer zu Hilfe rufen.
Neues amerikanisches Serien-Highlight
Produziert wurde Joe Pickett übrigens unter Leitung von John Erick Dowdle (Waco) für Paramount Television Studios. Ursprünglich war die Serie zunächst beim Kabelsender Spectrum Originals zu sehen, ehe sie ab ihrer zweiten Staffel zum amerikanischen Streamingdienst Paramount+ wechselte.
Thriller-Drama-Familienserie
Die Mischung, die „Joe Pickett“ präsentiert, ist ebenso ungewöhnlich wie die agierenden Charaktere, von denen in der Pilotepisode nur ein Teil eingeführt wird. Familienserienelemente werden kombiniert mit Dramaserien-Aspekten und einer Mysteryserie-Thrillerserie-Handlung, während der Stil zeitweise fast schon an Bizarr-Fernsehen wie Twin Peaks oder ein wenig abgemildert Picket Fences erinnert.
Von Anfang an verstehen es die Macher, den Zuschauer bei der Stange zu halten und neben mit der neugierig machenden Handlung wunderschönen Landschaftsaufnahmen und einem ausgesprochenen Country-Feeling an die Bildschirme zu fesseln.
Ähnlich wie bei anderen neueren Serien wie beispielsweise Yellowstone und seinen beiden Prequels oder auch Tulsa King sind Charaktere und Szenario überaus ambivalent gehalten. Trotz des unsympathischen ersten Auftretens von Wilderer Keeley beispielsweise nötigt dieser dem Zuschauer gleichzeitig auch Mitleid ab, wenn man seine ärmlichen Lebensumstände zu sehen bekommt.
Interessant ist auch die Atmosphäre in „Joe Pickett“. Trotz der oftmals heimeligen Schilderung des Städtchens Saddlestring wird man von den ersten Minuten an den Eindruck nicht los, dass dort etwas absolut oberfaul ist. So erfährt man gleich zu Beginn, dass Picketts vermeintlich freundlicher Vorgänger Vern Dunnegan alles andere als der nach außen hin nette und hilfsbereite ältere Herr ist, sondern die Farmer des Waldgebietes getriezt und unter Druck gesetzt hat. Auch dem Hauptdarsteller selbst steht man nach einer Reihe überaus unheilvoller Flashbacks eher zwiespältig gegenüber.
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Ungewöhnliche, weil unvorhersehbare Serienunterhaltung
Wenn dem Pilotfilm eines gelingt, dann dass er ungemein neugierig auf den weiteren Serienverlauf macht. Das Ende (das wir an dieser Stelle nicht spoilern wollen) setzt freilich die Mystery-Thriller-Handlung in „Joe Pickett“ in Gang. Doch längst nicht allein das ist es, was den Reiz an dieser außergewöhnlichen Produktion im Neo-Western-Look ausmacht.
Vielmehr nahmen den Rezensenten in erster Linie die innovative Machart und die großteils undurchschaubaren Seriencharaktere gefangen. Das, was uns der Pilotfilm zeigt, sieht nach spannender und absolut ungewöhnlicher Unterhaltung aus, der man gern weiterhin folgen möchte. Noch bleibt ein wenig Zeit, auch die nachfolgenden neun der insgesamt zehn Episoden von Staffel eins in Ruhe anzuschauen. Ab dem 20. August nämlich wird auch die zweite Staffel von Joe Pickett beim Streamingdienst Paramount+ zu sehen sein. Für den Anfang gibt es vier von fünf tobsüchtigen Emus für diesen Spannungsstoff etwas anderer Art.
Joe Pickett: Serientrailer
Hier abschließend noch der Trailer zur hier rezensierten Serie „Joe Pickett“: