Jo 1x01

Jo 1x01

Die international koproduzierte neue französische Krimiserie Jo hatte in den vergangenen Tagen in mehreren Ländern Premiere. Jean Reno spielt in der auf Englisch gedrehten Serie einen Kommissar, der beruflich alles im Griff hat, privat dagegen so ziemlich gar nichts.

Der Cast von „Jo“ / (c) Atlantique Prod.
Der Cast von „Jo“ / (c) Atlantique Prod.

Inhalt

Ein Star-Organist wird vor der Kathedrale Notre-Dame ermordet aufgefunden. Die Spuren am Tatort weisen allerdings darauf hin, dass die Tat woanders verübt worden ist - und er vor der Kirche lediglich abgelegt worden ist. Dass außerdem die Ohren des Leichnams durchstochen worden sind, hält Kommissar Joachim „Jo“ Saint-Clair (Jean Reno) für einen symbolischen Akt der Bestrafung. Es ist, als solle der Tote den Ruf der Auferstehung (eine der figurhaften Darstellungen am Portal von Notre-Dame) am Tag des Jüngsten Gerichts nicht hören. Um zu klären, wer den Organist auf diese Weise bestrafen wollte, versuchen Jo und sein Team zunächst zu ermitteln, ob es denn überhaupt in seinem Leben einen Grund dafür gegeben hat, warum ihn jemand hätte bestrafen wollen. Und da entdecken die Polizisten so Einiges...

Hintergrund

Nach Borgia und Transporter ist Jo eine weitere internationale Serien-Koproduktion aus dem Hause Atlantique Productions - mit dem Deutschen Klaus Zimmermann als Teil der Produzentenriege „41022“. Die Serie spielt zwar in Paris, gedreht wurde aber auf Englisch, um sie auf dem internationalen - und das heißt: auch auf dem englischsprachigen - Markt verkaufen zu können. FOX International Channels hat die Pay-TV-Rechte an Jo für 120 Territorien weltweit erworben. In Deutschland wird die Serie auf einem Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe zu sehen sein. Wann und wo genau ist derzeit allerdings noch nicht bekannt.

International ist auch die Zusammenstellung von Cast und Crew: Jean Reno) ist der einzige Franzose vor der Kamera. Ansonsten sind die Haupt- wie Nebenrollen durchweg mit englischen, irischen und kanadischen Schauspielern besetzt (was für einen lustigen Mix der Akzente gut ist). Miterfinder und Showrunner ist der (gebürtige) Kanadier René Balcer, der in den USA vor allem durch seine Arbeit als Autor und Produzent bei Law & Order und Law & Order: Criminal Intent bekannt geworden ist. Regie in der Pilotfolge führt die Dänin Charlotte Sieling („Kommissarin Lund“, „Die Brücke“).

Kritik

Jo ist ganz und gar auf Hauptdarsteller Jean Reno zugeschnitten, was auch Sinn macht: Schließlich ist es die erste Fernsehserie, in welcher der - weit über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannte - Filmstar mitspielt. Ein wenig enttäuscht werden allerdings möglicherweise diejenigen Zuschauer, die Reno vor allem durch seine Rollen in eher actionbetonten Filmen („Léon“, „Ronin“, „Godzilla“ oder „Mission Impossible“) kennen. Denn mit Action hat Jo nur wenig im Sinn. Bei seinem Ermittlungen geht er mit Ruhe und Bedacht zu Werke, was ein durchaus angenehmer Kontrast zu der Hektik und dem Übereifer ist, mit dem manch andere TV-Ermittler zur Tat schreiten.

Die Ruhe, nicht zu verwechseln mit Langeweile, welche Jo an den Tag legt, weist die Serie bei allen internationalen Einflüssen als eine dezidiert europäische Produktion aus.

Was die Serie interessant macht, ist dabei weniger der Fall-der-Woche, der zwar solide erzählt ist, sich aber letztlich doch in sehr vertrauten Bahnen bewegt. Nein, es ist natürlich Renos Figur und deren Privatleben, welche beim Zuschauer das größte Interesse wecken.

Jo ist nicht nur alkohol-, sondern auch tablettenabhängig, was seinen Kollegen und sogar seiner Vorgesetzten (Orla Brady, Fringe) nicht verborgen bleibt, worüber sie aber wohl so lange hinwegsehen, wie er ein funktionierender Süchtiger ist. Jos Alarmglocken schrillen, als sich seine - von ihm völlig entfremdete - Tochter Adele (Heida Reed) mit einem Drogendealer einlässt. Jo versucht, zu seiner Tochter durchzudringen - und nimmt dazu auch die Hilfe von Schwester Karyn (Jill Hennessy, Crossing Jordan) in Anspruch, welche sich um Adele und deren jüngst verstorbene Mutter gekümmert hat. Um die Situation noch zu verkomplizieren, fühlt sich Jo zu der Nonne hinzugezogen, was auch scheinbar auf Gegenseitigkeit beruht.

Jill Hennessy und Jean Reno in %26bdquo;Jo%26ldquo; © Atlantique Prod.
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Es ist also ein sehr facettenreiches Privatleben, mit dem sich der Kommissar neben seiner Arbeit konfrontiert sieht. Das kann einem in dieser Ballung fast schon etwas too much vorkommen. Trotzdem sind es diese private Storylines, die im Grunde spannender sind als die ganze Ermittlungsarbeit: Wird es Jo gelingen, seine Sucht in den Griff zu bekommen? Wird er es schaffen, der Vater zu sein, der er gerne wäre? Wie wird sich seine Beziehung zu Karyn entwickeln?

Vor allem kommt uns Jo hier auch als Figur näher. Zum Beispiel in dieser kleinen Szene, in der er mit seinen Tabletten - beobachtet nur von einem streunenden Hund - auf einer Treppe Weitwurf spielt. Jos Versuch, sich über seine Sucht zu erheben, seine Sehnsucht nach Nähe - all das findet hier seinen Ausdruck und macht ihn bei all seiner Gebrochenheit zu einer sehr sympathischen Figur.

Fazit

Nicht noch eine Krimiserie, wird manch einer stöhnen. Und das stimmt: Als Krimiserie ist Jo eher 08/15. Als Dramaserie um einen Mann, der sein Leben wieder in Ordnung zu bringen versucht, funktioniert sie dagegen wesentlich besser.

Trailer zur Serie (aus dem polnischen Fernsehen)

[videosj=jo-trailer]

Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 31. Januar 2013
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Jo 1x01)
Titel der Episode im Original
Notre Dame
Erstausstrahlung der Episode in Frankreich
Donnerstag, 17. Januar 2013 (TF1)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 4. Juli 2013
Regisseur
Charlotte Sieling

Schauspieler in der Episode Jo 1x01

Darsteller
Rolle
Jean Reno
Tom Austen
Orla Brady
Heida Reed
Chris Brazier
Celyn Jones
Wunmi Mosaku
Eriq Ebouaney

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