Jerks 1x03

© hristian Ulmen und Emily Cox in der „Jerks“-Episode „Hindenburg“ / (c) Maxdome
Wer kennt es nicht? Man manövriert sich in eine unangenehme Lage oder befindet sich in einer Situation, in die man niemals kommen wollte und aus der man schnellstmöglich wieder raus will. Sofort legt man sich eine kleine Notlüge parat, um dem Schlimmsten zu entrinnen. Die Jerks-Episode Hindenburg treibt dieses Dilemma auf die Spitze und kann dabei ein paar gute Lacher abkassieren. Der ganz große Moment bleibt jedoch aus, geht der Episode letzten Endes doch ein wenig das gewisse Etwas oder ein besonderer Punch abhanden.
Erneut wird es in „Jerks“ wahnsinnig unangenehm, als sich Christian (Christian Ulmen) mit seiner Freundin Emily (Emily Cox) zu einer Selbsthilfegruppe begibt, wo Menschen offen über die sehr tragischen Verluste von ihren ungeborenen Kindern berichten. Christian und Emily passen hier nicht wirklich rein, da Emily kein Kind verloren hat, sondern bisher davon ausgegangen ist, dass sie schwanger ist, was aufgrund eines fehlerbehafteten Schwangerschaftstest nicht stimmt. Jetzt ist sie natürlich enttäuscht und möchte über diesen „Verlust“ reden. Verständlich.
Sprechteufel
Christians Reaktion kann ich ein Stück weit nachvollziehen, übertreibt es Emily vielleicht etwas zu sehr. In einer Beziehung kann man seinem Partner aber schon einmal zur Seite stehen, so nervig man es auch findet. Anstelle aber das Trauma seiner Freundin ernst zu nehmen (gemeinsam mit Kumpel Fahri (Fahri Yardim) geht Christian doch ziemlich unsensibel mit den geplatzten Mutterschaftsträumen von Emily um) und einfach die Wahrheit zu sagen, lügt er sich in einer zugegeben sehr guten dramatischen Performance eine furchtbare und den Trauernden gegenüber auch respektlose Leidensgeschichte zusammen, was nur nach hinten losgehen kann.
Und so kommt es schließlich auch: Nicht nur Emily ist sauer auf ihn, auch die Gruppe kommt ihm auf die Schliche, ebenso wie Rapper Sido, der ihn anfangs noch rüde aus seiner elitären Domino-Spielrunde ausgeschlossen hatte, dann aus Mitgefühl und Empathie doch einlud und Christian letztlich angewidert wieder rauswirft. Es ist hier und da ganz amüsant, wie Christians Lügengebilde letztendlich wie das gleichnamige Luftschiff aus dem Episodentitel zu Bruch geht und die Katastrophe unaufhaltsam ihren Lauf nimmt. Es ist aber leider auch alles sehr vorhersehbar, weiß man als Zuschauer doch sehr früh, in welche Richtung der Hase (oder besser gesagt die Katze?) läuft.
Voll depri
Hinzu kommt, dass nicht alle Darbietungen vollends überzeugen. Insbesondere Sido fällt hier ab, doch sehen wir ihm mal nach, dass er kein geübter Darsteller ist. Sobald aber die deftigen Pointen fehlen, fallen in „Jerks“ eben die etwas schwächeren, unnatürlicheren Schauspielleistungen einzelner Castmitglieder auf, die oft eher gewollt einen bestimmten Typen oder Charakter spielen, als wirklich glaubhaft eine real existierende Person zu verkörpern, die man sich auch im ganz normalen Alltag vorstellen kann.
Die kleine Nebengeschichte um die Katze namens Hindenburg, die einer Angestellten von Emily gehört, dient derweil vor allem als solide Gagmaschine, auch wenn der Humor hier denkbar plump ist. Wenn ein erwachsener Mann aus Not in ein Katzenklo defäkiert, dann kann das auf einem sehr niedrigen Level schon witzig sein. Vor allem, wenn man sich das beachtliche Ergebnis anschaut.
Aber das ist zumindest noch etwas origineller, als dass Christian die Katze wegläuft (darauf wird dermaßen angespielt, dass wahrscheinlich jeder Zuschauer damit rechnet) und diese eventuell wortwörtlich unter die Räder kommt. So endet die Episode nicht in einem tragischen Katzentod, sondern in einer weiteren peinlichen Situation für unseren Protagonisten, den zwischenzeitlich gehörig Selbstzweifel plagen. Dieses Thema wird dann aber erst gar nicht richtig aufgegriffen, obwohl es doch so viel hergibt. Schade eigentlich.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 2. Februar 2017(Jerks 1x03)
Schauspieler in der Episode Jerks 1x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?