Tom Clancy's Jack Ryan: Review der Episoden 1-3

Tom Clancy's Jack Ryan: Review der Episoden 1-3

Der CIA-Analyst und ehemalige Marine Jack Ryan ist die wohl bekannteste und erfolgreichste Romanfigur von Autor Tom Clancy. In der aufwändig produzierten Amazon-Serie Tom Clancy's Jack Ryan soll Hauptdarsteller John Krasinski dem Genre der Polit- und Actionthriller neues Leben einhauchen.

John Krasinski in „Tom Clancy's Jack Ryan“ (c) Amazon Prime Video
John Krasinski in „Tom Clancy's Jack Ryan“ (c) Amazon Prime Video
© ohn Krasinski in „Tom Clancy's Jack Ryan“ (c) Amazon Prime Video

Eigentlich verbringt der ehemalige Marine Jack Ryan (John Krasinski) seinen Job hinter dem Schreibtisch bei der CIA damit, verdächtige Transaktionen im Nahen Osten zu überwachen und gegebenenfalls der Spur des Geldes zu folgen.Zum Start von Tom Clancy's Jack Ryan stößt er dabei auf einen berüchtigten Terroristen namens Suleiman (Ali Suliman), der anhand der verschobenen Summen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine große Attacke plant. Zusammen mit seinem neuen Vorgesetzten James Greer (Wendell Pierce) heftet er sich an dessen Versen, landet so mitten im Geschehen und macht schon bald unmittelbare Bekanntschaft mit seinen skrupellosen Widersachern.

Worum geht es im Auftakt von „Tom Clancy's Jack Ryan"?

Ryans Überzeugung, mit seinem Verdacht in Bezug auf Suleiman richtig zu liegen, bringt ihm gleich einen Flug zu einer CIA-Blacksite im Jemen ein, wo zwei Verdächtige festgehalten werden, die möglicherweise einen wichtigen Hinweis auf den Gesuchten geben könnten. Beim Verhör eines der Männer beschleicht ihn das Gefühl, das ihm gegenüber mehr als nur ein einfacher Bodyguard sitzt. Seine Intuition erweist sich als goldrichtig, denn schon bald wird die geheime Basis infiltriert und angegriffen.

Bevor die Amerikaner bemerken, wen sie dort in der Hand haben, nimmt Suleimans Bruder Ali (Haaz Sleiman) die Basis unter Beschuss und schafft es tatsächlich, den Anführer der gefährlichen Gruppierung nach Verlusten auf beiden Seiten aus dem Lager zu befreien und fortzuschaffen. Zurück in Langley suchen Ryan und Greer fieberhaft nach einer Fährte, die sie zu einem der beiden Terroristen führt. Als sie eine Spur entdecken, die zu Alis Versteck in Paris führt, begeben sie sich nach Frankreich, um diesen mithilfe der dortigen Behörden zu stellen, wobei sie auf einen blutigen Showdown zusteuern...

Parallel erleben wir Suleimans Ehefrau Hanin (Dina Shihabi), der allmählich dämmert, was ihr Mann da eigentlich treibt und in welcher Gesellschaft er sich befindet, der auch ihre Kinder ausgesetzt sind. Um diese zu schützen, fasst sie heimlich Pläne, um mit ihnen zu flüchten, was jedoch ein schwieriges und gefährliches Unterfangen ist. Zusätzlich erleben wir noch die Perspektive von Dronenpilot Lt. Bruno Cluzet (Stephane Krau), dem die Angriffe, die er fernsteuert, am Gewissen nagen und welcher unverhofft in die Flucht von Hanin involviert wird.

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Ein schwieriges Erbe

Militärthrillerexperte Tom Clancy schuf mit seiner Romanreihe um CIA-Analyst Jack Ryan, zu der beispielsweise das Buch „Jagd auf Roter Oktober" gehört, eine Figur, die seine Bücher regelmäßig auf die Liste der New York Times Bestseller katapultierte. Viele dieser Werke dienten als Vorlage für Verfilmungen, so dass im Laufe der Zeit Schauspielgrößen wie Alec Baldwin, Harrison Ford, Ben Affleck und zuletzt Chris Pine in diese Rolle schlüpften. Keine kleinen Fußstapfen also für John Krasinski, der zuletzt im Kino mit dem Überraschungshit „A Quiet Place“ an der Seite seiner Ehefrau Emily Blunt auf sich aufmerksam machen konnte.

Ein großer Unterschied zu seinen Vorgängern ist allerdings, dass diese Geschichte als serielle Version des ehemaligen Marines mit besonderem Gespür nicht auf einer konkreten Romanvorlage beruht. Die Autoren hatten also mit einer etablierten Figur ein wenig Spielraum, um die neuste und modernste Version von Jack Ryan in einem aktuellen Gewand zu kreieren. Der sich aufdrängende Vergleich mit Genrekollegen wie 24 oder Homeland zeigt einen wesentlichen Unterschied in Ryans Charakterzeichnung auf, denn er ist kein funktionierender Soziopath mit moralischer Flexibilität wie etwa Jack Bauer, sondern eine von Empathie getriebene Figur, für die nicht gleich der Zweck die Mittel heiligt und das Schicksal ihrer Mitmenschen wichtig ist. Gleichzeitig kann der ehemalige Marine allerdings in bedrohenden Situationen mehr als genug austeilen, um seine Gegner in die Schranken zu weisen.

Ein nicht unwesentlicher Kritikpunkt der ersten Episoden ist allerdings, dass Ryan bis dato ziemlich profillos bleibt, was nicht zwangsläufig am Schauspiel von John Krasinski liegt, der beispielsweise eine gute Chemie mit Co-Star Wendell Pierce hat, sondern mehr auf das Drehbuch zurückzuführen ist, denn es wird eine Menge Fokus auf Nebencharaktere gelegt (Ryan ist in Episode drei beispielsweise kaum zu sehen). Daher bleibt der Protagonist der Geschichte zunächst aufgrund mittelmäßiger screen time eher blass.

Explosiver Tango in Paris.
Explosiver Tango in Paris. - © Amazon

Erstklassige Produktion

Was die äußerst aufwändige Produktion angeht, bekommt man schnell den Eindruck, dass Amazon keine Kosten und Mühen gescheut hat, denn mit Explosionsguru Michael Bay als Executive Producer kann man getrost davon ausgehen, dass hier Wert auf Optik gelegt wird. Auch das „Bay'sche Gesetz" wird bisher eingehalten, denn in jeder der ersten drei Episoden, die zwischen 40 und 60 Minuten lang sind, fliegt auch irgendetwas mit Karacho in die Luft. Die Actionszenen gehören definitiv zu den Stärken, denn sie sind aufwändig und spektakulär choreografiert und inszeniert, wodurch sie handwerklich keine Wünsche offen lassen. Zudem geht es neben Szenen in den USA an viele internationale Schauplätze wie etwa Paris oder in den Nahen Osten, wodurch früh das Gefühl eines globalen Thrillers kultiviert wird. Mit Carlton Cuse (Bates Motel, Colony) und Graham Roland (Fringe) haben außerdem zwei talentierte Autoren die kreative Kontrolle.

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Sowohl Tom Clancy als auch Produzent Michael Bay sind nicht gerade für ihre patriotische Zurückhaltung in ihren Werken bekannt, weswegen die Frage, ob der US-Actionthriller seine Zuschauer allein thematisch bedingt mit penetrantem Pathos eindeckt, durchaus berechtigt ist. Zumindest im Groben und Ganzen lässt sich bisher diesbezüglich aber Entwarnung geben, denn auch wenn diese Untertöne stets mitschwingen, so nimmt dies nicht überhand, was unter anderem der Charakterzeichnung zu verdanken ist, die nicht in Schwarz-Weiß-Tönen gehalten ist.

Solide Story und Charakterzeichnung

Auch wenn Tom Clancy's Jack Ryan ultimativ eine Geschichte von Gut gegen Böse, Ordnung gegen Terror ist, wird sich Mühe gegeben, die Bösewichte in Form der Suleiman-Brüder nicht als eindimensionale Monster darzustellen, denn wir lernen nicht nur den tragischen Ursprung ihres Hasses auf die westliche Welt kennen, sondern bekommen viel ihrer familiären und menschlichen Seite gezeigt, bevor diese von ihren skrupellosen Taten wieder in den Schatten gestellt wird. Auch der Einfluss auf ihre Familie wird thematisiert und der Einblick in die Seelenwelt eines Dronenpiloten gewährt, der mit nur einem einzigen Knopfdruck Leben auslöscht, was nicht spurlos an ihm vorbeigeht und somit zumindest ansatzweise die Kehrseite der Medaille darstellt.

Die Story mit globalem Flair ist an sich typische Genrekost und kann mit den eingestreuten Twists nur mäßig überraschen. Sie erfüllt dafür ihren Zweck und lässt nie wirklich Langeweile aufkommen, während die Spannung lange genug aufrechterhalten wird, um weiter dranbleiben zu wollen.

Fazit

Willkommen im Club der Jacks! Ob nun Bauer, Reacher oder Ryan, sie dominieren das Genre der actionreichen Agenten- und Militärthriller. Tom Clancy's Jack Ryan ist ohne Zweifel anzumerken, dass Amazon viel Geld in die Serie investiert hat, was sich in der tadellosen Produktion und den sehr gelungenen Actionsequenzen widerspiegelt. Die Hauptfigur könnte hierbei ein wenig mehr Zugkraft vertragen. Die Story erfüllt ihren Zweck und kann ihre Spannung halten, ohne sich jedoch besonders von den Genrekollegen abzuheben. Wer nach dem Ende von 24 und bald auch Homeland nach einer Alternative sucht, der hat genauso wie Zuschauer mit Vorliebe für Action gute Chancen, sich auch bei Jack Ryan wohlzufühlen.

Der Trailer zu „Tom Clancy's Jack Ryan":

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