Reacher Staffel 2
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Ein perfekter Jack Reacher
Was war das für ein Actionfeuerwerk! Auf einen einzigen Satz heruntergebrochen könnte man schlicht und ergreifend resümieren: Das hat Spaß gemacht. Hat es tatsächlich, wenn auch mit einer kleinen Einschränkung, auf die wir später noch eingehen werden. Bevor wir darauf zu sprechen kommen, was uns diesmal nicht ganz so gut gefallen hat, schauen wir uns aber zunächst einmal die vielen positiven Aspekte von Reacher an. Da ist zunächst einmal Alan Ritchson. Der kantige Riese mit dem markanten Gesicht ist für die Rolle des Ex-Leaders der Special Investigators der 110. Kompanie tatsächlich eine Idealbesetzung.

Mit seinen über 1,90 Meter Körpergröße und den Muskelpaketen, die den Schauspieler äußerlich schon als Actionheld markieren, kommt er der Beschreibung aus den Romanen von Lee Child recht nah. Sicherlich verfügt der Mime vielleicht nicht ganz über die darstellerischen Qualitäten eines Tom Cruise, doch für eine Serie wie „Reacher“ ist das auch gar nicht notwendig. Wenn ich eine Actionserie einschalte, will ich im Grunde genommen auch genau das sehen.
Ich erwarte, dass es an allen Ecken und Enden knallt und scheppert und dass der Held mit markigen Sprüchen garniert die Fäuste kreisen lässt. Genau das gelingt Ritchson hervorragend. Die Art, wie er den Jack Reacher spielt, überzeugt, weil sie erstens zu seinem Äußeren passt und zweitens in höchst unterhaltsame und hochwertig produzierte TV-Kost eingebettet ist.
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Ein tolles Team
Darüber hinaus funktioniert die Idee, ihn in der zweiten Staffel mit seinen ehemaligen Kameradinnen und Kameraden Karla (Serinda Swan), David (Shaun Sipos) und Frances (Maria Sten) zu vereinen, großartig. Nicht, weil uns die Serienmacher einen ausgefeilten Thriller mit zahlreichen Wendepunkten und Twists präsentieren würden, sondern weil es ganz simpel um Rache geht. Mit anderen Worten: Wer eine komplexe Story erwartet, sollte von Anfang die Finger von der Serie lassen.

Und das ist auch gut so. Denn die öfter geäußerten Vorwürfe, dass die Show altmodisch sei und an der Art modernen seriellen Erzählens vorbeigeht, sind insofern überzogen, als dass „Reacher“ eben nicht mehr als eine rasant inszenierte Actionserie sein will. Und das gelingt schon allein deshalb, weil Alan Ritchsons Co-Stars gut gewählt sind und glaubwürdig agieren. Man nimmt Maria Sten ohne mit der Wimper zu zucken ab, dass sie ein harter Knochen ist und sich ihrer Haut bestens zu erwehren weiß. Man glaubt Serinda Swan jedes Wort, wenn sie Karla als ebenso intelligent wie kämpferisch und verführerisch interpretiert. Und man fiebert mit Schaun Sipos mit, weil er für seine Figur die Balance zwischen Soldaten und Vater hält.
Soldatenromantik
All das ist, wie bereits erwähnt, in eine schlicht strukturierte, aber tempo- und actionreich geschriebene Geschichte eingebettet, die kurzweilig daherkommt und unterhält. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass die Staffel mit acht Folgen weder zu lang noch zu kurz ist. Obwohl es an Schießereien, Prügelleien und Knalleffekten nicht mangelt, lässt sich die Serie dennoch genügend Zeit, die Vergangenheit der Protagonisten und ihr familiäres Verhältnis zueinander zu beleuchten. Dass die Serie in diesen Szenen bisweilen ein wenig zu patriotisch und pathetisch erscheint, stört nicht weiter, weil es sich ohnehin um ein altbekanntes Phänomen filmisch propagierter US-amerikanischer Soldatenromantik handelt, das wir nur zu gut kennen.
Viel wichtiger ist indes, dass Nick Santora und sein Team mit Ferdinand Kingsley (The Sandman) als A. M. und Robert Patrick (Perry Mason) als Shane Langston zwei herrlich aufspielende Fieslinge gefunden haben, die sich in ihrer Attitüde stark unterscheiden und damit einen angenehmen Kontrast zueinander bilden. Als Sidekick für die Special Investigators engagierte man zudem den sympathischen, Routinier Domenick Lombardozzi (The Wire, Tulsa King), dessen figürlicher Tod als Guy Russo ein fast schon gemeiner Schockmoment ist.
Die letzte Folge
Kommen wir nach all dem Lob damit abschließend auf einen Punkt zu sprechen, den man der Staffel durchaus vorwerfen kann, wenn man denn unbedingt will. Nach all den, mit witzigen Sprüchen aufgepeppten Kämpfen, knackenden Knochen und Gegner, die wie die Fliegen fallen, gerät die Abschlussfolge Fly Boy („Abrechnung“) dann doch zu sehr nach dem Hopplahopp-Prinzip. Der finale Fight mit Langston und seinen Schergen ist viel zu rasch vorüber und der korrupte Ex-Cop stirbt letztlich einen zu schnellen und unspektakulären Tod. Dasselbe lässt sich über das Ende von A. M. sagen, dessen Eliminierung durchaus einen Schuss mehr Dramatik vertragen hätte.
Dramaturgisch betrachtet fehlt eben der große Aha-Moment. Andererseits geht fast die halbe Episode dafür drauf, das Publikum über die Nachwirkungen aufzuklären. Reacher verschenkt großzügig einen Großteil des Geldes, das er erbeutet hat, und ermöglicht sowohl seinen Freunden als auch den Familien der gefallenen Kameraden ein sorgenfreies Leben. Er selbst wird wieder als einsamer Wolf durch die Lande ziehen, immer auf der Suche nach dem nächsten Ärger, den er auch in Staffel drei von Reacher geradezu magisch anziehen wird. Das ist einerseits natürlich konsequent und sympathisch, raubt dem großen Finale andererseits aber auch einiges an Drive.
Allerdings sei an dieser Stelle explizit betont, dass wir hier Meckern auf hohem Niveau betreiben, denn dem Spaß an der Serie tut diese kleine Einschränkung keinen Abbruch. Letztlich entscheidet sowieso der persönliche Geschmack darüber, ob die Auflösung der Geschichte mehr oder weniger vertragen hätte, oder ob sie genau so perfekt ist.
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Fazit

Nick Santora macht mit „Reacher“ so ziemlich alles richtig, was man in einer Actionserie richtig machen kann. Er lässt sich nicht durch Konventionen einschränken und zieht seinen Stil genauso durch, wie Jack seine Rache an Langston und A. M. durchzieht. Die Actionszenen sind gut getimt, sehen super aus und wirken nicht inflationär. Die Darstellerriege passt und die Story um die Rache an den Mördern seiner Kameraden macht auch ohne Pulitzer-Nominierung Spaß. Damit erreicht die Serie genau das, was sie will. Sie unterhält auf ganzer Linie und erinnert im positiven Sinne und mit voller Absicht an die „gute alte Zeit“ des 80er- und 90er-Jahre-Actionkinos, in der das Motto „erst schießen, dann fragen“ noch allgegenwärtig war. Viereinhalb von fünf Punkten.
Hier abschließend noch der Originaltrailer zur zweiten Staffel der Serie „Reacher“ bei Amazon Prime Video:
«Reacher» Trailer
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