Inside Job 1x01

Inside Job 1x01

Shion Takeuchi und Co-Producer Alex Hirsch, die schon gemeinsam an Gravity Falls gearbeitet haben, nehmen in ihrer animierten Arbeitsplatzkomödie Inside Job von Netflix allerlei Verschwörungstheorien aufs Korn. Hier ist unser fast gar nicht von Freimaurern beeinflusstes Pilotreview dazu.

Szenenfoto aus der Serie Inside Job (c) Netflix
Szenenfoto aus der Serie Inside Job (c) Netflix
© zenenfoto aus der Serie Inside Job (c) Netflix

Verschwörungsmythen können für jene, die nicht an sie glauben, unglaublich amüsant sein. Aber bieten sie auch undenkbar viel Potential für Comedy oder nur niedrig hängende Joke-Früchte? Netflix versucht sich mit der animierten Comedyserie Inside Job am aberwitzigen Aluhutmaterial, das die Serienschöpferin Shion Takeuchi beim hauseigenen Studio Netflix Animation mit „Gravity Falls“-Erfinder Alex Hirsch als Co-Producer in Angriff genommen hat. Takeuchi war nicht nur Autorin bei Hirschs gelungenem Disney-Cartoon, sondern schrieb auch schon für die „Regular Show“ und zuletzt Disenchantment. Klingt auf dem Papier nach einem Dreamteam mit solider Prämisse...

In „Inside Job“ arbeitet die von Lizzy Caplan (Masters of Sex) gesprochene Reagan Ridley für die Geheimorganisation Cognito Inc, bei der man tagein, tagaus darum bemüht ist, die Machenschaften der Schattenregierung unter Verschluss zu halten. So ziemlich jede Verschwörungstheorie unter der Sonne und im Internet entspricht nämlich der Wahrheit und irgendjemand muss den Schein halt wahren, damit die sheeple nicht erwachen und die pseudo-demokratische Scharade auffliegt. Sie sind die letzte Instanz, sie sind die da, sie sind sie da, sie sind die Men in Black... Jedenfalls ist genau das der Film, bei dem man sich vom Humor her die meisten Flat-Earth-Scheiben abgeschnitten hat.

Als edgy Animationsserie für Erwachsene ist man sich aber auch der Konkurrenz bewusst und so ist Reagans alkoholisierter, besserwisserischer, größenwahnsinniger Vater Rand (Christian Slater), der früher auch für die Regierung arbeitete und somit eingeweiht ist, ein absolutes Abziehbild von Rick Sanchez aus Rick and Morty. Er wurde gefeuert, weil er Hautkrebs durch die Zerstörung der Sonne bekämpfen wollte. Nächste Station: Pickle Rand?

Wie in einer The Simpsons-Folge zu einem bestimmten Reiseziel, in welcher man alle landestypischen Elemente in einer Folge abklappert, werden hier die Greatest Hits der Verschwörungen bereits im Auftakt Der Roboterpräsident abgefrühstückt oder zumindest erwähnt, um zu beweisen, dass man die Hausaufgaben gemacht hat. Vom Deep State über 5G bis hin zur fingierten Mondlandung und den Illuminati ist eigentlich alles dabei, was man im Writers' Room zum Thema brainstormen konnte. Nur die Theorie von der flachen Erde fehlt, weil sie wohl in Konflikt mit der Hollow Earth gekommen wäre, aus welcher der aufdringliche Pilzlebewesen-Mitarbeiter Magic Myc (Brett Gelman) stammt.

Weitere konspirative Kolleg:innen bei Cognito Inc sind Druffi-Biochemiker Dr. Andre (Bobby Lee), der konservative Mensch-Dolphin-Hybrid Glenn Dolphman (John DiMaggio), Medien-Manipulatorin Gigi Thompson (Tisha Campbell) und Chef J. R. (Andrew Daly), der wie alle anderen hin und weg ist vom charismatischen Neuling Brett Hand (Clark Duke). Durch seine absolut generische Attraktivität drängt der Jasager sogar Reagans geniale AI-Erfindung in den Hintergrund, von der sich die sympathische Tüftlerin eigentlich eine Beförderung oder zumindest Anerkennung versprochen hatte...

Genauer gesagt entwickelte sie einen Androiden, der den US-Präsidenten ersetzen soll, was auch gutgeht, bis er durch einen Kamerablitz kurzschließt und jingoistische Ideen von abgeschotteten Vereinigten Staaten im sogenannten America Cube entwickelt. Ein Joke, der vermutlich noch während der letzten Präsidentschaft geschrieben wurde und so riecht, als hätte er etwas lang im Comedykühlschrank gelegen. Da zündet für Serienjunkies schon eher der Gag, dass die künstliche Intelligenz des ROBOTUS aus Super-Bowl-Werbespots und Aaron-Sorkin-Dialogen zusammengeschustert wurde.

Reagan und Co versuchen, den patriotisch aktivierten Terminator in Chief mit einer Kostprobe an Facebook-Kommentaren auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, woraufhin er voller Menschenekel mit Nuklearwaffen den Planeten zerstören will. Eben die Art „beißende“ Social-Media-Satire von Boomern, die noch Facebook nutzen...

Fazit

Inside Job präsentiert sich im Auftakt als Art manische Mischung aus „Men in Black“ und Rick and Morty, die angestrengt versucht, clever und witzig zu sein, ohne genug Biss zu beweisen, welchen diese Art von Satire jedoch bitter nötig hätte. Es werden allerlei Begriffe des Verschwörungsmilieus verwendet, ohne über das Offensichtliche hinaus etwas mit ihnen anzustellen oder den Schneid zu haben, die Aluhutfraktion oder tatsächliche Machenschaften von Regierungsinstitutionen richtig durch den Kakao zu ziehen. So bleibt es bei weitestgehend zahnlosen, allerhöchstens amüsanten Gags, die man auch im Eröffnungsmonolog einer amerikanischen Late-Night-Show hören könnte, während der Moderator süffisant lächelnd mit den Händen in der Anzugtasche etwas über Jeff Bezos auf „Eyes Wide Shut“-Orgien faselt.

Die erste Staffel der Serie besteht aus zehn 30-minütigen Episoden und ist mit mehreren Sprach- und Untertitel-Optionen bei Netflix streambar.

Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „Inside Job“:

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Willkommen in Gravity Falls

Verfasser: Mario Giglio am Freitag, 22. Oktober 2021

Inside Job 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Inside Job 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Roboterpräsident
Titel der Episode im Original
Unpresidented
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 22. Oktober 2021 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 22. Oktober 2021

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