In with the Devil 1x01

© aron Egerton in der Serie Black Bird (c) Apple TV+
Der amerikanische Bestseller-Autor Dennis Lehane, der einst die Buch-Vorlagen für [Thriller] wie „Gone Baby Gone“, „Mystic River“ oder „Shutter Island“ schrieb - und zuletzt an düsteren Serien wie Mr. Mercedes und The Outsider beteiligt war -, bringt ein neues Projekt bei Apple TV+ an den Start. Mit dem stimmungsvollen Sechsteiler Black Bird adaptiert er James Keenes autobiografischen Roman „In with the Devil“ aus dem Jahr 2010.
Für die Hauptrolle wurde der junge Filmstar Taron Egerton („Kingsman“, „Rocketman“) verpflichtet. An seiner Seite stehen Paul Walter Hauser („Cruella“), Sepideh Moafi (The L Word: Generation Q), Greg Kinnear („Besser geht's nicht“) sowie der kürzlich verstorbene „Goodfellas“-Star Ray Liotta. Die Inszenierung der Miniserie übernimmt der belgische Regisseur Michael R. Roskam („The Drop“). Der Dreh lief letztes Jahr in New Orleans.
Wir haben für Euch die zwei ersten Episoden gesichtet und können bislang nur eine verhaltene Empfehlung aussprechen...
Worum geht's?
Tatsächlich leistet sich die Serie ihre schwächsten Szenen gleich zu Anfang, was kurios erscheint und andererseits ganz gut sein könnte, denn so hat man sie (hoffentlich) schnell hinter sich. Vor allem die Einführung des fiktionalisierten Protagonisten James Keene (Egerton) kommt ziemlich holprig rüber. Auf übertriebene Art und Weise führt man ihn uns als absoluten Supertypen vor. Zwar steht er auf der falschen Seite des Gesetzes, doch er hat seine Ehre, sieht verdammt gut aus, ist clever, talentiert und natürlich auch beliebt bei Frauen. Als wäre noch nicht klar genug, wie toll James ist, dürfen es seine Bros noch ein paar Mal ausbuchstabieren (wobei dies eher als Wink an „Kingsman“ zu verstehen ist).
Plötzlich wird aus dem Traum ein Albtraum: Ein S.W.A.T.-Team stürmt die Bude unseres Helden, und die Polizistin Lauren McCauley (Moafi), die natürlich nur allzu gern mit James flirtet, nimmt ihn genüsslich in Gewahrsam. Sein Vater „Big Jim“ (Liotta) drängt ihn dazu, sich schuldig zu bekennen, um nach wenigen Jahren wieder freizukommen. Doch dann trickst ihn die Staatsanwaltschaft aus - und James werden ganze zehn Jahre im Gefängnis aufgebrummt. Alles nur wegen ein paar Drogendeals und illegalem Waffenbesitz.
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Nach sieben Monaten hinter Gittern kriegt James einen Deal vorgeschlagen: Wenn er sich freiwillig in ein Hochsicherheitsgefängnis umverlegen lässt und sich dort mit dem vermeintlichen Serienkiller Larry Hall (Hauser) anfreundet, damit dieser ihm den Ort verrät, wo er seine Opfer deponiert hat, wird seine Strafe gestrichen. Natürlich zögert er zunächst, aber am Ende sieht er keine andere Wahl. Die zwei ersten Episoden konzentrieren sich vor allem auf sein Training, um mit dem Mörder umzugehen. Auf das erste Treffen wartet man vergeblich, obwohl ja insgesamt nur sechs Episoden auf dem Plan stehen. Trotzdem herrscht kein Grund für Ungeduld.
Denn dafür lernen wir einen weiteren Charakter kennen, dessen Szenen vielleicht sogar am meisten Spaß machen: der Polizist Brian Miller (Kinnear). Er hat dem geistig verwirrten Larry sein erstes Geständnis entlockt, wobei dieses sehr leicht anzufechten wäre. Gut möglich, dass der Killer bald wieder auf freiem Fuß sein könnte, also muss sich der Maulwurf James beeilen. Auf der anderen Seite muss er aber vorsichtig vorgehen, denn sonst fliegt seine Tarnung auf. Zumal ein Gefängnis voll gewaltbereiter Schwerverbrecher allgemein nicht der gemütlichste Ort für ihn sein dürfte. Da hilft ihm vermutlich nicht mal sein schwarzer Gürtel in Karate...
Wie ist es?
Ich muss ehrlich sagen, als Taron Egerton gleich im allerersten Voiceover vom Butterfly-Effekt erzählt, um sich direkt im Anschluss als coolster Krimineller aller Zeiten darzustellen, war ich sehr versucht, die neue Apple-Miniserie Black Bird abzubrechen. Die Initialzündung zum Sechsteiler von Dennis Lehane - der leider nicht beim sehr viel besseren Buchtitel „In with the Devil“ bleiben konnte oder wollte - erfolgt tatsächlich erst nach 20 Minuten, als nämlich dem Protagonisten der Deal vorgeschlagen wird. Und auch die ersten Auftritte von Paul Walter Hauser als schüchternem Serienkiller und Greg Kinnear als abgekochtem Ermittler helfen, um doch noch reinzukommen. Ray Liotta bei seiner letzten Darbietung zu erleben, stimmt ebenfalls sehr emotional.
Selbst Lehanes Dialoge werden mit den späteren Szenen besser, genauso wie sein Erzähltempo. Das kommt dem Regisseur Michael R. Roskam gelegen, der daraus eine dichte und schön düstere Atmosphäre weben kann. In ihren besten Momenten wirkt die Serie wie ein Abdruck aus den 90er Jahren (in denen sie ja auch spielt), als Psychothriller mit Serienkillern dank Jonathan Demmes „Das Schweigen der Lämmer“ oder David Finchers „Sieben“ ihre Hochphase hatten. Ehrlich gesagt wäre es mir lieber gewesen, wenn sie dort geblieben wären, weil solche Filme sehr gefährliche Stigmatisierungen auf psychischen Leiden legen. Aber auch ich kann mich sehr guten Werken dieses Genres - zuletzt etwa Mindhunter bei Netflix - nicht verwehren.
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Von diesem Niveau ist das Format von Apple TV+ nach der Sichtung der zwei ersten Episoden meiner Meinung nach noch weit entfernt. Doch zumindest lässt die Serie hin und wieder ihr Potential erkennen. Am Ende steht und fällt logischerweise alles mit der Chemie, die sich zwischen Egerton und Hauser entfaltet, denn hierin liegt ja die Grundidee - wie freundet man sich mit einem Serienkiller an? Zum ersten Treffen kommt es wohl erst nächste Woche. Ich bin noch ein bisschen skeptisch, ob Egerton wirklich in diese Rolle passt. Seine sympathisch arrogante Ausstrahlung passt perfekt in eine Actionkomödie wie „Kingsman“, aber vermutlich weniger in einen so düsteren Krimi.
Hier abschließend noch der aktuelle Serientrailer zur neuen US-Produktion „Black Bird“:
Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 8. Juli 2022In with the Devil 1x01 Trailer
(In with the Devil 1x01)
Schauspieler in der Episode In with the Devil 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?