Impulse 1x01

© addie Hasson in „Impulse“ (c) YouTube
Die Pilotepisode der neuen YouTube-Serie Impulse ist eingerahmt von zwei Szenen, die andeuten, dass die Geschichte viel größer ist als das, was wir dazwischen zu sehen bekommen. Mir stellt sich dabei sofort die Frage, ob es das gebraucht hätte, um das Format interessant genug zu machen. Meiner Meinung nach hätte eine kleine, intime Geschichte um die Außenseiterin Henry (Maddie Hasson), die im Laufe der Auftaktepisode ihre Fähigkeit zur Teleportation entdeckt, genügt. Aber damit hätten sich dann vielleicht keine zehn Episoden füllen lassen...
Masse statt Klasse?
Heutzutage ist es dank Netflix & Co aber nicht mehr so wichtig, die Folgenzahl der Geschichte anzupassen. Viel wichtiger ist es für die Streaminganbieter, ihre Zuschauer lange genug vor den Endgeräten zu halten, und das geht bekanntlich umso besser, je länger ein Format läuft. Trotzdem gelingt Serienschöpfer Jeffrey Lieber und Regisseur Doug Liman der Auftakt sehr ordentlich. Henry leidet unter der Trennung ihrer Eltern, ihren abwesenden Vater können all die Männer, die ihre Mutter Cleo (Missi Pyle) ausprobiert, nicht ersetzen. Weil sie diese Unentschlossenheit ständig an neue Orte bringt, fällt es Henry schwer, Freunde zu finden.
Sie wünscht sich einfach nur, was sich alle Kinder wünschen: Beständigkeit. Um diese Lücke zu schließen, widersetzt sie sich so ziemlich allen Regeln, die ihr gesetzt werden. Rauchen, nachts abhauen und Graffiti malen gehören zum Standardprogramm. Allerdings muss sie diese Touren mit dem Fahrrad bewältigen, da sie wegen sich wiederholender Anfälle keinen Führerschein machen darf. Die Herkunft ebenjener Anfälle bleibt lange ungeklärt, wir Zuschauer wissen aber natürlich gleich, dass es sich um ihre Superkraft handeln muss. Die kommt ihr hernach in mehreren misslichen Situation zugute.
Als sie von Mitschüler Clay Boone (Tanner Stine) vergewaltigt wird, teleportiert sie sich unaufgefordert in ihr Kinderzimmer zurück - inklusive lautem Rumms und der Autotür, die sie offenbar mitgerissen hat. Lautlos gehen diese Beam-Aktionen nicht vonstatten, währenddessen werden viel eher so große Kräfte freigesetzt, dass selbst schwere Trucks in die Knie gehen. Auch aus den Fängen von Clays Bruder Lucas (Craig Arnold) befreit sich Henry so. Überhaupt scheint Familie Boone ziemlich viel Dreck am Stecken zu haben, zumindest deuten das die undurchsichtigen Machenschaften von Oberhaupt Bill (David James Elliott) an.
Dafür, dass Clay schwerverletzt im Krankenhaus landet, wird nicht etwa Henry zur Verantwortung gezogen, sondern ein uns bisher Unbekannter, den Bill auf dem Kieker hatte. Dank der Unterwürfigkeit des örtlichen Sheriffs kann sich Boone seiner wohl entledigen. Ein Wörtchen mitzureden hat da jedoch Polizistin Hulce (Enuka Okuma), die nach bisherigem Kenntnisstand die Rolle der gütigen Strafverfolgerin einnehmen darf.
All diese Figuren und Verwicklungen bestätigen mich eigentlich nur in der Ansicht, dass es des Pro- und Epilogs nicht bedurft hätte. Eine Coming-of-Age-Serie mit leeeiiiiichtem Superhelden-Einschlag, das wäre doch mal was.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 7. Juni 2018(Impulse 1x01)
Schauspieler in der Episode Impulse 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?