I Feel Bad 1x01

© ??I Feel Bad“ (c) NBC
Keine Sorge, die Serie ist nicht so schwer, wie ihr Titel vermuten lässt. Im Gegenteil, I Feel Bad kommt ziemlich locker-flockig daher. Die Pilotepisode ist von Aseem Batra geschrieben worden und basiert lose auf der Kurzgeschichte „I Feel Bad: All Day. Every Day. About Everything (Ich fühle mich schlecht: Den ganzen Tag. Jeden Tag. Wegen allem)“ von Orli Auslander. Der Titel ist bewusst dramatisiert, aber er lässt vielleicht zuerst ein falsches Bild der Serie im Kopf der Zuschauer entstehen. Wie in vielen Sitcoms geht es der Hauptfigur eher darum, ihren Alltag zu meistern, als große politische oder philosophische Probleme zu lösen.
Worum geht es?
Emet (Sarayu Blue) ist eine erfolgreiche, glücklich verheiratete Mutter mit drei Kindern, zu denen sie einen (relativ) guten Draht hat. Sie mag ihren Job, ihre Eltern können sich um die Kinder kümmern, während sie auf Arbeit ist. Klingt das perfekt? Ist es aber nicht ganz. Wie Emet den Zuschauern gleich am Anfang der Episode verrät, fühlt sie sich wegen irgendetwas immer ein bisschen schlecht. Alltagsprobleme eben. Was vermiest ihr heute den Tag? Sie hat das Gefühl, immer mehr wie ihre Mutter zu werden. Wer will schon wie seine Eltern sein? Außerdem möchte ihre Tochter gerne in eine Tanzgruppe, die etwas zu „erwachsene" Choreografien für Emets Geschmack haben. Mit Rat (und manchmal auch mit Tat) stehen Emet ihr Mann David (Paul Adelstein), ihre Freundin Simone (Aisling Bea) und ihre Mutter Maya (Madhur Jaffrey) zur Seite. Vater Sonny (Brian George) ist froh, wenn er seine Zeitung in Ruhe lesen kann.
Und wenn ihre Familie nicht weiterhelfen kann, sind da immer noch Emets Arbeitskollegen Norman (Zach Cherry), Chewy (James Buckley) und Griff (Johnny Pemberton), die sie in ihre Probleme einweihen kann.
Hat sich die Serie leicht übernommen?
Die Pilotepisode hat vieles, woraus sie schöpfen kann. Emets Eltern sind indischer Herkunft, können also ihren eigenen kulturellen Hintergrund mit einbringen. Emet ist außerdem eine Mutter und arbeitet nebenher, was beides an sich schon Geschichtenpotential mit sich bringt. Diese Felder bieten einiges, woraus Probleme und Konflikte für sie entstehen können, die eine halbe Stunde einer Sitcomepisode füllen. Aber das war den Autoren anscheinend noch nicht genug, denn Emet ist angestellt in einer eher männerdominierten Game-Industrie, in der sie als Frau auf alleinigem Posten steht. Gerade das nehmen die Showrunner als zentrales Thema für die erste Episode und schlagen dabei nicht immer den richtigen Ton an...

I'm a badass woman with a will of iron
Zuerst einmal: Vieles in der ersten Episode passt. Der Humor ist an den richtigen Stellen eingesetzt, das Timing der Schauspieler passt, die Dialoge sind gut geschrieben. Gerade die Gespräche zwischen den Familienmitgliedern balancieren gut auf der einen Seite die kleineren Streitereien untereinander und die größeren gemeinsamen Scherze, so dass der Zuschauer das Gefühl einer eingeschweißten Familie bekommt. Von Emets Sohn hat man in dem Piloten noch nicht viel gesehen, aber die Darstellerin der Tochter spielt trotz ihres jungen Alters überzeugend. Heraus sticht Sarayu Blue. Sie stellt die Hauptrolle mit Selbstbewusstsein und einem Sinn für Comedy dar, der die Episode vorantreibt. Außerdem ist Emets Charakter gut geschrieben. Sie ist, wie sie auch selbst zugibt, nicht perfekt. Darum geht es in der Show nach dem Titel ja: Immerzu passt ihr etwas nicht. Trotzdem versucht sie ihr Bestes, vor allem, was ihre Kinder angeht.
Wir müssen hier wirklich mehr Frauen einstellen
Die Show hat viele Teile, die für sie sprechen, aber es gibt auch Teile, die gegen sie sprechen. Genauer gesagt: Charaktere, die gegen sie sprechen. Reden wir über Emets Mitarbeiter. Dass sich die erste Episode der Serie gerade das Thema Feminismus vorgenommen hat, war vielleicht keine gute Wahl. Erstens ist diese Konversation im Moment explosiver als TNT, zweitens leistet sich die Show mit ihrem Computerliebhaber-Geschwader in dieser Hinsicht mehrere Schnitzer, die die Charaktere unsympathisch erscheinen lassen. Das Problem der Episode geht in dieselbe Richtung, die The Big Bang Theory und auch andere Serien des Genres vorzuweisen haben - sie ist also bei weitem kein Einzeltäter.
Die Showrunner wollen auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Einerseits möchten sie fortschrittlich und aufgeklärt sein, andererseits: Was wäre eine Show ohne ein paar leicht frauenfeindliche Witze? Das gehört schließlich nur zum normalen Arbeitsalltag einer Frau, oder? Aber wie löst man diese verzwickte Situation? Die Antwort der Drehbuchautoren: Nerds! Jeder weiß doch, dass Nerds harmlos sind. Deswegen können sie sagen, was sie wollen und der Zuschauer kann lachen, ohne weiter darüber nachdenken zu müssen. Aber bei solchen Scherzen ist es besonders wichtig zu zeigen, dass der Witz auf die Kosten der Männer geht, die in ihrem veralteten Weltbild feststecken. Das passiert hier leider nicht immer.
Diese seltsame Einstellung scheint besonders verquer, weil die anderen Szenen der Episode aus Emets Familienleben sich um eine ausgewogenere Weltansicht bemühen. Bis auf Emets Kommentar, dass das Tanzoutfit ihrer Tochter „die Art von Kleidung ist, die die Jurys den Opfern gegenüber extrem mitleidlos machen" („the kind of clothing that make juries extremely unsympathetic to victims“). Das zeichnet die Show nicht gerade als Paradebeispiel für den Feminismus aus.

Fazit
Natürlich haben auch Sitcomcharaktere ihre Schwächen und die sollten sie auch haben. Wo bliebe denn die Comedy, wenn sich alle in der Serie richtig verhalten würden und zu diesen Fehlern zählt auch ein leicht patriarchalisch angehauchtes Weltbild. Aber die Figuren sollten trotz ihrer Fehler sympathisch sein, damit wir mit ihnen lachen können.
Diese Kritik der Nebenfiguren soll aber nicht heißen, dass I Feel Bad ganz und gar schlecht ist. Sarayu Blue spielt die führende Rolle mit Charme und Energie und auch die restliche Besetzung liefert gute Darstellungen mit einem Feingefühl für Komik ab.
Nach der Pilotepisode ist es zu früh, die gesamte Serie zu bewerten, aber es ist definitiv Potential für eine gelungene Sitcom zu sehen, wenn die Serie im Laufe der weiteren Episoden manche ihrer Makel aufpoliert, den Fokus zum Beispiel ganz auf ihre glänzende Hauptfigur legt und weniger Zeit mit ihren Arbeitskollegen verbringt.
Verfasser: Johanna Thron am Donnerstag, 20. September 2018I Feel Bad 1x01 Trailer
(I Feel Bad 1x01)
Schauspieler in der Episode I Feel Bad 1x01
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