Humans 1x08

In der ersten Staffel der Serie Humans tauchen wir in eine Gesellschaft ein, in der menschenĂ€hnliche Androiden, auch Synths genannt, fest im tĂ€glichen Leben als UnterstĂŒtzung in allen Lebenslagen verankert sind.
Asimov und Elster
Familie Hawkins fasst den Entschluss, sich einen Synth anzuschaffen, den sie Anita (Gemma Chan) taufen. Was sie nicht ahnen: Anita ist etwas ganz Besonderes und trÀgt ein Geheimnis in sich, welches die Zukunft von Mensch und Maschine gravierend verÀndern könnte.
Unter der OberflĂ€che von Anita schlummert Mia, die ursprĂŒnglich zu einer kleinen Gruppe von Synths gehörte, die sich ihrer selbst bewusst sind - und also ein Bewusstsein haben. Diese Synths wurden vom genialen Wissenschaftler David Elster kreiert, der zusĂ€tzlich seinen Sohn Leo (Colin Morgan) durch die Synth-Technologie am Leben erhalten hat.
Leo fĂŒhrt die kleine Gruppe der sich selbst bewussten Synths an und versucht sie vor der Verfolgung durch die Behörden zu schĂŒtzen. Zuflucht finden sie unter anderem beim pensionierten Dr. George Millican (William Hurt), der aufgrund seiner eigenen sentimentalen Verbindung zu seinem alten und fehlerhaften Synth-Modell namens Odi (Will Tudor) Sympathie fĂŒr die Gruppe hegt.
ZunÀchst findet bei den Hawkins noch jede Menge Drama um Anita statt, welches die Familie zu spalten droht. Doch nachdem der Synth das Leben von Sohn Toby rettet, lernen sie die ungewöhnliche Androidin zu schÀtzen. Als Leo und seine Gruppe auf ihrer Suche nach Mia bei den Hawkins landen, herrscht zunÀchst Skepsis auf beiden Seiten.
Doch schlieĂlich wird die Familie zum wichtigsten VerbĂŒndeten der Synth-Gruppe im Kampf gegen die Regierung und den langen Arm der Industrie zur Herstellung von Synths. Die Gegenseite tritt in Form von Prof. Hobb (Danny Webb) auf, der die besondere FĂ€higkeit der besonderen Synths nutzen will, um EmpfindungsfĂ€hige Sklaven aus ihren Artgenossen zu machen.
Letztendlich gelingt es der Gruppe dank der tatkrĂ€ftigen UnterstĂŒtzung der Hawkins, dem anfangs skeptischen Detective Drummond (Neil Maskell) sowie Androidin Di Karen Voss (Ruth Bradley), die ebenfalls zur Elster Familien gehört und anfangs fĂŒr die Gegenseite arbeitete, den Datenstrom zu entschlĂŒsseln. Sie entscheiden sich, den SchlĂŒssel zur Erweckung des Bewusstseins der Androiden in den HĂ€nden der Hawkins zu lassen und getrennte Wege zu gehen.
Daddy found the adult mode
Familie Hawkins hat zunĂ€chst, ohne die spezielle Seite von Anita/Mia zu kennen, mit jeder Menge Probleme zu kĂ€mpfen. Dabei begeht Ehemann Tom (Tom Goodman-Hill) gleich zwei folgenschwere Fehler, indem er zunĂ€chst mit Anita schlĂ€ft und dann die Polizei auf Leo hetzt. Seine Entscheidungen stellen die gesamte Familie gleich mehrfach massiv auf die Probe, doch letztendlich sind es Mia und die Gruppe der Synths, welche die Familie wieder zusammenschweiĂt.
Tom ist allerdings nicht der Einzige, der die intime Gesellschaft der menschenĂ€hnlichen Androiden schĂ€tzt: Auch Jill Drummond (Jill Halfpenny) nutzt ihren Synth, der ihr eigentlich zu therapeutischen Zwecken zur VerfĂŒgung gestellt wurde, als SpielgefĂ€hrten im Schlafzimmer. Als die Dinge jedoch schief laufen, ruft sie ihren Ehemann Pete (Neil Maskell), um ihr in der Not zu helfen, setzt ihn im direkten Anschluss allerdings gleich wieder vor die TĂŒr.

Afraid of Singularity
Was die Synths von der Ausbeutung der Menschen halten wĂŒrden, wird exzellent durch Niska (Emily Berrington) dargestellt. Deren stummer Schrei in der zweiten Episode lĂ€sst es einem kalt den RĂŒcken runterlaufen und kann zu diesem Zeitpunkt Empathie fĂŒr sie und die anderen Synths hervorrufen.
GrundsĂ€tzlich werdem die empfindenden Androiden zwar gekonnt als sympathische Wesen prĂ€sentiert, doch an der ein oder anderen Stelle hĂ€tte durch ein paar kontroversere Handlungen ruhig noch ein wenig mehr mit den menschlichen Ăngsten vor der Machtergreifung der Maschine gespielt werden können. Zumal Niskas Taten zwar nicht immer nett und angenehm, im Kontext jedoch immer auf einer gewissen Ebene nachvollziehbar sind.
Humans, Androids and Cyborgs
Die letzte Episode wirkt in Tempo und Handlungsbögen etwas holprig und gehetzt. Die HandlungsstrĂ€nge wie die Beziehung von Pete Drummond (Neil Maskell) und Karen Voss (Ruth Bradley) bekamen zwar einen fĂŒr den Zuschauer schönen Abschluss, wirkten aber sehr sprunghaft. FĂŒr jemanden, der kurz zuvor noch Anti-Synth Veranstaltungen besuchte, Ă€ndert Pete relativ schnell seine Meinung ĂŒber die Androiden. Aber sicherlich könnte das mit seiner Liebe zu Karen begrĂŒndet werden, die offensichtlich schon etliche Jahre unter der OberflĂ€che brodelte.
Was einwandfrei gelingt, ist die Vermenschlichung der Androiden. Doch waren die Highlights der Staffel fĂŒr mich die Szenen, in denen Mensch und Maschine sich zur Seite standen. Dabei ragen gleich zwei Situationen mit Dr. Millican (ganz stark: William Hurt) und seinem Synth Odi (Will Tudor) heraus: ZunĂ€chst ist die sentimentale Verbindung zwischen den beiden fast schon greifbar, als George es nicht ĂŒber sein Herz bringt, seinen GefĂ€hrten zu verschrotten. Der emotionalste und traurigste Höhepunkt ist der Tod von Dr. Millican, bei dem dessen rĂŒhrender Abschied von Odi der Abschluss einer Storyline ist, die gekonnt die Bindungen und Verwundbarkeit der Beteiligten offenlegte.
Es ist auch dank anderer Figuren wie Max (Ivanno Jeremiah) und Mia (Gemma Chan) relativ einfach, die Entscheidungen der Familie Hawkings - bei denen allen voran Mutter Laura (Katherine Parkinson) und Tochter Mattie (Lucy Carless) anfÀnglich sehr skeptisch sind - nachzuvollziehen.
Sowohl die mechanischen als auch die menschlichen Verhaltensmuster der Androiden sind schauspielerisch zum gröĂten Teil sehr glaubhaft dargestellt, wobei Gemma Chan als eines von vielen guten Beispielen voran gehen kann.

Interessanterweise drĂ€ngt sich die Frage nach der Definition eines Menschen aus Sicht des Zuschauers gar nicht direkt auf. Denn die sich selbst bewussten Androiden, die wir kennenlernen, scheinen alles andere als eine Bedrohung darzustellen. Ob sich das in der nĂ€chsten Staffel Ă€ndert und somit eine weitere Schicht zu einem komplexen Thema hinzugefĂŒgt wird, bleibt abzuwarten. WĂŒnschenswert wĂ€re es allemal.
âCyborgâ Leo (Colin Morgan) hĂ€lt nicht nur seine kybernetische Familie zusammen, er erfasst die Quintessenz von Humans perfekt in einer Aussage : „Humanity is not a state. It's a quality.“
Fazit:
Die erste Staffel von Humans blickt mit seinen existenziellen Fragen gleichermaĂen in die Seelen von Synth und Mensch. Dabei ist das Ganze nicht aufdringlich, sondern angenehm subtil in Szene gesetzt. Zudem finden sich unter den schauspielerischen Leistungen einige hervorragende Darbietungen, sodass ich mich freue, dass wir eine zweite Staffel erleben dĂŒrfen.
ErinnerungswĂŒrdige Zitate:
- Odi: „You have died, George.“
- Simon: „Hello Peter, I'm in the middle of intercourse with your wife.“
- Max: „If I die, it means I've lived.“
- Anita/Mia „I'm sorry Laura, but I don't understand the question.“
- Leo: „Humanity is not a state. It's a quality.“
(Humans 1x08)
Schauspieler in der Episode Humans 1x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?