How I Met Your Mother 8x15

Die Episode P.S. I Love You der US-Comedy How I Met Your Mother ist nicht nur die 175. Folge der Serie, sondern bringt auch die RĂŒckkehr von Robin Sparkles (Cobie Smulders) - oder sollte man lieber sagen Robin Daggers?
Could not stand the idea of not meeting you
Ted (Josh Radnor) bemerkt in der der U-Bahn eine Frau (Abby Elliot), die „zufĂ€llig“ dasselbe Buch wie er liest. Doch ehe er sie ansprechen kann, steigt sie auch schon aus und Ted bereut schnell, sie nicht frĂŒher angesprochen zu haben.
Doch Ted Mosby gibt nicht einfach so auf, sondern wechselt in den Stalkermodus. In seinem gelben Notizbuch (und dessen Ersatz) schreibt er sich PlĂ€ne auf, um mit ihr in Kontakt zu kommen. Doch wie es der „Zufall“ will, treffen sie sich schon bald in der UniversitĂ€t, in der Ted unterrichtet. Der Name des Objekts der Begierde lautet Jeanette und die Gemeinsamkeiten sind unheimlich.
WĂ€hrend Ted an so etwas wie Vorbestimmung oder Schicksal glaubt, lĂ€uten bei Lily (Alyson Hannigan) und Marshall (Jason Segel) die Alarmglocken. Denn sie glauben, Jeanette könnte eine verrĂŒckte Stalkerin sein. Jeanette behauptet, durch bestimmte Hinweise - wie etwa Kreidespuren an Ted - auf die Idee gekommen zu sein, dass er entweder Dozent oder Turner sein mĂŒsse. Als sie in ihrer Suche nicht weiterkommt, hilft der „Zufall“ erneut: Ein Feueralarm fĂŒhrt Ted und sie zusammen.
Ted glaubt weiterhin an das Schicksal und stellt die Dobler-Dahmer-Theory vor. Diese ist zum einen benannt nach John Cusacks Figur aus „Say Anything“ (im deutschen „Teen Lover“), der in dem Film eine romantische Geste macht, um das Herz seiner Angebeteten zu erobern (immer, wenn ein Protagonist ein MusikabspielgerĂ€t ĂŒber sich hĂ€lt, wird auf diesen Film angespielt). Zum anderen spielt sie auf Jeffrey Dahmer an - den Serienkiller (LeichenschĂ€nder und Kannibale).
Laut Ted ist der Erfolg von romantischen Gesten davon abhĂ€ngig, ob sich die beiden Parteien mögen oder nicht. Trifft das zu, wirkt eine Geste „charmant“ und „herzallerliebst“. Ist das Gegenteil der Fall, kann die Romanze schnell verpuffen und die andere Person die Flucht ergreifen. Ein Positivbeispiel ist etwa die als Song verpackte Frage aus Collegezeiten, bei der Marshall Lily um ein Date gebeten hatte.
Wie sich bald herausstellt, sollen Marshall und Lily Recht behalten. Denn sie hinterfragen den Feueralarm, da die UniversitĂ€t doch mit Rauchmeldern ausgestattet ist. Also muss fĂŒr einen Feueralarm schon Rauch aufsteigen. Erwischt: Jeanette hat ein kleines „Feuerchen“ gelegt und war auch beim ersten Nachhaken keinesfalls ehrlich. Als Ted sie konfrontiert und direkt nach dem Stalkerverhalten fragt, staunt er nicht schlecht. Bereits, als er die Coverstory im „New York Magazine“ hatte, begann Jeanettes Faszination fĂŒr ihn. Statt Ted allerdings abzuschrecken, macht ihn das offenbar tierisch an und er fĂ€llt ĂŒber sie her. ErzĂ€hler-Ted signalisiert jedoch bereits, dass dies der letzte (oder vielleicht einer der letzten) Fehler war, den er in der Gestaltung seines Liebeslebens vor „der Mutter“ begangen hat...
P.S. I Love You

Als auch die Verlobten Robin und Barney (Neil Patrick Harris) die Geschichte um die angebliche Stalkerin mitbekommen, reagiert sie verdĂ€chtig. Hatte sie etwa selbst einen Stalker? Nein, sie selbst hat jemanden gestalkt! Nur wen? Ein kanadischer Mann, der Robins GefĂŒhle nicht erwidert hat, sorgte bei Robin fĂŒr hysterische AnfĂ€lle und eine einstweilige VerfĂŒgung, ihm sich nicht nĂ€her als 50 Meter nĂ€hern zu dĂŒrfen.
Als Robins zukĂŒnftiger Ehemann versteht Barney die Aussage, dass sie ihn nicht in dieses Geheimnis einweihen werde, als Challenge. Und so bricht er bei ihr ein, liest ihr Tagebuch und bricht mit dem Hinweis P.S. I Love You nach Kanada auf.
In einer Filiale von Tim Hortons, offenbar der Szenetreff fĂŒr alle Kanadier, die Donuts lieben - und das scheinen alle zu sein -, befragt Barney nun ein paar MĂ€nner aus Robins Vergangenheit. Gegen ein paar gefĂŒllte Schmalzkringel geben sie ihm gerne einige Hinweise. Dabei kommt auch der Teilkanadier in Barney hervor. Wir erinnern uns, auf vĂ€terlicher Seite ist er zu einem Viertel Kanadier, so dass schon ab und an ein „aboot“ statt „about“ beim Sprechen herausrutscht.
Den Jackpot knackt allerdings Simon (James Van der Beek), der Barney in die Richtung der Auflösung stöĂt: Es gibt doch noch weiteres kompromittierendes Robin-Sparkles-Material, das mit dem Stalkermysterium zusammenhĂ€ngt. Ein altes Special namens „Robin Sparkles: Underneath the Tunes“, das auf dem Sender „Much Music“ gezeigt wurde, soll Aufschluss darĂŒber und den Vorfall beim „Great Cup“ geben. Diese Veranstaltung sorgt bei Barney fĂŒr Fragezeichen, doch Simon erklĂ€rt, dass der „Great Cup“ in Kanada den Stellenwert des Super Bowls hat.
Das Special ist angelehnt an das mehr oder weniger bekannte Format „VH-1: Behind the Music“ (auch in der The Simpsons-Episode Behind the Laughter parodiert). Darin geht es um die wahre Geschichte diverser KĂŒnstler und was mit ihnen nach der groĂen Karriere passiert ist oder aber manchmal auch darum, welches Ereignis zum Karriereende gefĂŒhrt hat. NatĂŒrlich kann es Barney nicht unterlassen, diesen heiligen Gral der kanadischen Fernsehgeschichte auszugraben.
Also fördert er die Sendung zutage, bei der einige kanadische Prominenz - Hockeyspieler, Musiker (wie Paul Shaffer, der Bandleader von David Lettermans Late-Night-Band), Moderatoren (Alex Trebek, „Jeopardy“) und Schauspieler (Jason Priestley als er selbst) - sich zum dunklen Wandeln von Robin Sparkles Ă€uĂern „46326“.
Statt der (verspĂ€teten) 80er-Jahre-Aufmachung macht Robin hier den Wandel zum Grunge-Girl durch - und das im Jahr 1996. Bekanntlich kommen laut der bisherigen How I Met Your Mother-ErzĂ€hlung die Trends in Kanada erst um einiges spĂ€ter an als im Rest der Welt. Auch wenn einige der Befragten meinen, dass der Song „P.S. I Love You“ die Geburtsstunde des Grunge war... Mit dem Imagewechsel kommt auch ein Namenswechsel: Aus Robin Sparkles wird Robin Daggers und die bunten Klamotten, die 80er-Locken und coolen Roboter werden eingetauscht gegen dunkle Haare und Make-up, Flanellhemd und sĂ€mtliche Klischees der 90er Jahre.
Auch in der Rebellion bleibt Kanada freundlich. WĂ€hrend einer Szene des Videos kann man im Hintergrund etwa die Aufforderung „Consider questioning Authority, please“ sehen, was nicht nur auf dem populĂ€ren Spruch „Question Authority“ aus den 1970ern hervorgeht, sondern eventuell auch eine Anspielung auf die Band „Tool“ und ihr Lied „Third Eye“ sein könnte. Dort heiĂt es: „Think for yourself. Question Authority.“ Doch damit ist noch nicht geklĂ€rt, wem das „P.S. I Love You“ nun gewidmet sein könnte...
Wen hat Robin gestalkt?
Barney glaubt, die Lösung des RĂ€tsels gefunden zu haben und steht bald beim kanadischen Schauspieler Alan Thicke (Growing Pains) vor der TĂŒr. NatĂŒrlich öffnet dieser mit einem Karton voller Donuts und bietet sie seinem Gast freundlich an. Doch Barney steht der Sinn nicht nach Donuts, sondern nach Antworten. Diese holt er sich notfalls auch mit Gewalt - und ebenso ein blaues Auge. Thicke kann ihm nicht weiterhelfen und denkt, dass Dave Coulier der Song und die LiebeserklĂ€rung gewidmet ist. Der gebĂŒrtige Amerikaner spielte Joey in Full House. Dies wiederum verbindet ihn intertextuell mit dem ErzĂ€hler-Ted, der bekanntlich im englischen Original von Bob Saget gesprochen wird. Das wird auch gleich fĂŒr einen kleinen Full-House-Insider genutzt.
Barney selbst ist somit, Ă€hnlich wie Jeanette, von etwas besessen und erinnert in seinem Verhalten nun auch an einen Stalker. Seine Einsicht bringt Lily, die ein bestimmtes LĂŒgengeflecht sichtlich sowieso kaum noch aufrechterhalten kann, ebenfalls dazu, zu gestehen. Denn sie hatte dem Schicksal damals auf die SprĂŒnge geholfen und ihre Stereoanlage selbst sabotiert, damit Marshall sie repariert. AuĂerdem hatte sie an jeder TĂŒr im Studentenwohnheim geklopft, um einen magischen Moment der „Liebe auf den ersten Blick“ zu erschaffen. Eigentlich hatte sie ihn bereits bei der Orientierungsveranstaltung an der Uni fĂŒr sich entdeckt...
Dadurch, dass Barney eingesehen hat, dass jeder einmal von jemandem oder etwas besessen sein könnte, entschlieĂt sich Robin dazu, die Gruppe einzuweihen, von wem sie damals besessen war. Die Antwort ist im Songtitel versteckt. Das P.S. in „P.S. I Love You“ steht fĂŒr den mittlerweile glatzköpfigen Late-Night-Musikanten und David-Letterman-Sidekick Paul Shaffer. In Robins Jugendzimmer waren die WĂ€nde mit Postern seines Antlitz tapeziert. Ebenso wie die Gruppe dĂŒrften viele deutsche Zuschauer ob der Auflösung die Stirn runzeln, denn die wenigsten haben wohl schon einmal von ihm gehört (sofern kein Interesse an amerikanischen Late-Night-Talkshows besteht). Immerhin ist Robin fest davon ĂŒberzeugt, dass jedes kanadische MĂ€dchen ihn angehimmelt hat.
Robin Sparkles 4

Schon der letzte Auftritt von Robin Sparkles konnte nicht an die Klassiker heranreichen, die die Mega-OhrwĂŒrmer „Let's go to the Mall“ und „Sandcastles in the Sand“ hervorbrachten. Und auch „P.S. I Love You“ enttĂ€uscht zumindest als Ohrwurm.
Die Idee, ein Behind-the-Music in die Episode einzubauen und es mit teilweise obskuren kanadischen Persönlichkeiten zuzupflastern, gefĂ€llt da schon besser. Auch die kanadische Version von Grunge und die Mountiearmeen im Musikvideo sind ein witziger Einfall der Autoren. Dennoch werden ein paar Witze totgeritten (manche wĂŒrden wohl sagen, dass man wenigstens konsequent war). Dabei geht es vor allem um die omniprĂ€senten Donuts und die aneinandergereihten Statements der Kanadier, die beschrieben haben, in welcher Filiale von Tim Hortons sie waren und welchen Donut sie hatten. Drei Beispiele hĂ€tten auch gereicht (der Rezensent ist eindeutig dafĂŒr, einen Witz nicht öfter als drei Mal pro ErzĂ€hleinheit - also Film oder Serie - zu wiederholen).
Die Geschichte um Ted und Jeanette (ĂŒbrigens die Tochter von Mickey-Aldrin-Darsteller Chris Elliot) ist insgesamt nett, aber nicht besonders spektakulĂ€r, da sie ohnehin im Schatten von Sparkles steht. AuĂerdem setzen sich die Autoren selbst unter Zugzwang, wenn sie ErzĂ€hler-Ted solche definitiven Aussagen treffen lassen, wie dass der neue love interest der letzte groĂe Fehler vor der Frau fĂŒrs Leben sein wird. SpĂ€testens im Mai sollte also auch das Thema Jeanette wieder erledigt sein. Auch wenn sie nur ein weiterer Stolperstein auf dem Weg zur Braut ist, hat sie jedenfalls schon jetzt gewolltes Nervpotential, da sie mit ihrer Stimme klar ein Valley-Girl nachzuahmen versucht, was nur in kleinen Dosen okay wĂ€re.
Fazit
Die kanadischen „All Stars“ und ein erneuter Auftritt von Robin Sparkles machen P.S. I Love You zu einer leicht ĂŒberdurchschnittlichen, aber mit Sicherheit keiner groĂartigen 175. Episode von How I Met Your Mother. Vielleicht sind diesmal sogar zu viele Insiderwitze in die Episode gestreut worden, denn sobald niemand (oder kaum jemand) mehr die Referenzen versteht, bleiben auch die Lacher auf der Strecke.
Immerhin kann man sich nun eines neuen Musikvideos von Robin Sparkles erfreuen, das aber den Klassikern „Sandcastles in the Sand“ und „Let's go to the Mall“ nie den Rang ablaufen wird.
Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 5. Februar 2013(How I Met Your Mother 8x15)
Schauspieler in der Episode How I Met Your Mother 8x15
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?