House of Lies 1x01

Marty Kaan (Don Cheadle) ist Unternehmensberater in der zweitgröĂten Consulting-Firma der USA. Im gĂŒnstigsten Fall suggeriert er seinen Kunden, dass ihr GeschĂ€ft ohne seinen Rat zum Untergang verdammt ist - und heftet sich wie ein Parasit an sie. Im ungĂŒnstigsten Fall bringt er sie auf Ideen, die noch durchtriebener und amoralischer sind, als alles, was sie sich bislang selbst ausgedacht haben.
In der Pilotfolge von House of Lies reisen Marty und sein Team - Jeannie (Kristen Bell, Veronica Mars), Clyde (Ben Schwartz, Undercovers) und Doug (Josh Lawson, Romantically Challenged) - nach New York, um einen Auftrag von MetroCapital an Land zu ziehen, einer Bank, deren VorstÀnde sich mit dem Platzen der Immobilienblase eine goldene Nase verdient haben. Marty tritt dabei gegen seine Ex-Frau (Dawn Olivieri) an, welche die Nummer 1 der amerikanischen Consulting-Firmen reprÀsentiert - und mit der er gerade erst etwas unbedacht die Nacht verbracht hat...
House of Lies stellt in mancherlei Hinsicht einen Neuanfang fĂŒr Showtime dar. Nachdem der Pay-TV-Sender in der Vergangenheit seine Comedyserien meist um exzentrische Frauenfiguren herum aufgebaut hat (siehe Weeds, United States of Tara, The Big C und Nurse Jackie), steht diesmal mit Don Cheadles Marty ganz klar eine mĂ€nnliche Figur im Fokus.
Und auch in einem anderen Aspekt unterscheidet sich House of Lies von den genannten Produktionen. Gab es bei Serien wie Nurse Jackie in der Vergangenheit hĂ€ufig Diskussionen darĂŒber, ob man sie ĂŒberhaupt im strengen Sinne als Comedy klassifizieren kann, weil sie sich so dunkel und dramatisch geben, lĂ€sst House of Lies zumindest in der Pilotfolge keinen Zweifel daran: Ja, es ist eine Comedy. Sogar die Bezeichnung Sitcom wĂ€re nicht ganz unpassend.
Denn tatsĂ€chlich setzt House of Lies reichlich auf Situationskomik: Das beginnt gleich in der ersten Szene, als Marty seine im Drogenrausch weggetretene Ex-Frau erst aufzuwecken und - als das selbst unter Anwendung drastischer MaĂnahmen keinen Erfolg zeitigt - schlieĂlich anzukleiden und samt Laptop in eine vermeintliche Arbeitshaltung zu bringen versucht, bevor der gemeinsame Sohn (Donis Leonard Jr.) ins Schlafzimmer platzt.
Wie man bereits diesem Auftakt entnehmen kann, ist der Humor in House of Lies stark sexuell gefĂ€rbt (wobei es im Unterschied zu Network-Serien nicht bloĂ beim Reden bleibt, sondern tatsĂ€chlich „zur Sache geht“...). Trotzdem wirken die Gags aber nie billig. Das mag damit zusammenhĂ€ngen, dass der Sex, durch den Marty in die Bredouille gerĂ€t, nicht einfach nur der Triebbefriedigung dient, sondern - wie Jeannie analysiert - ein Weg fĂŒr Marty ist, seine eigene Unsicherheit und Verletztheit zu ĂŒberspielen.
Die zweite Quelle des Humors ist fĂŒr House of Lies natĂŒrlich der satirische Blick auf das Treiben von big business und das Consulting-GeschĂ€ft, welches uns von Marty immer mal wieder beiseite gesprochen (also in die Kamera hinein) nĂ€her erlĂ€utert wird. Dank der anhaltenden wirtschaftlichen Turbulenzen und Verwerfungen - mit Bankern, die sich Rekord-Boni gönnen, auf der einen, und Menschen, die ins Elend gestĂŒrzt werden, auf der anderen Seite - ist das Thema der Serie von hoher AktualitĂ€t.
Bisweilen kann einem House of Lies fast wie eine Art Leverage vorkommen, welches von der anderen Seite erzÀhlt wird: WÀhrend Nate (Timothy Hutton) und sein Team den Ausgebeuteten helfen, stehen Marty und seine Leute auf der Seite derjenigen, die ausbeuten. Und helfen ihnen dabei, mit ihren Machenschaften davonzukommen beziehungsweise sie sogar noch zu perfektionieren.
Dass Marty trotzdem gar nicht mal so unsympathisch daherkommt, mag daran liegen, dass er, um sich einer Formulierung Goethes zu bedienen, seiner Tollheit halb bewusst ist. Er ahnt, wie beispielsweise das Telefonat mit Jeannie am Ende offenbart, dass er einen Knacks hat. AuĂerdem wirkt sich natĂŒrlich sein Verhalten gegenĂŒber seinem Sohn sympathiefördernd aus: Ihm ist zwar unwohl bei dessen Gender-Experimenten. Trotzdem steht er jedoch fĂŒr ihn ein (jedenfalls solange keine heiĂe Mutti seinen Weg kreuzt, die er ins Bett beziehungsweise auf die AutorĂŒckbank zu bekommen versucht).
Zu bemÀngeln ist an der Pilotfolge von House of Lies allenfalls, dass neben Marty alle anderen Figuren zum Teil deutlich zu kurz kommen. Ben Schwartz und Josh Lawson sind eigentlich bislang nur als bessere Statisten aufgetreten. Das wird - hoffentlich - in den weiteren Folgen anders werden.
Fazit
House of Lies ist eine sehr vergnĂŒgliche Serie zu einem aktuellen Thema - mit einem glĂ€nzend aufgelegten Don Cheadle in der Hauptrolle und einem fesselnden Mix aus Sex und big business.
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 9. Januar 2012(House of Lies 1x01)
Schauspieler in der Episode House of Lies 1x01
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