House of Cards 5x01

© rank (Kevin Spacey, 2.v.r.) und Claire (Robin Wright, 3.v.r.) nehmen an einer Trauerfeier teil. / (c) Netflix
Im Gegensatz zur Realität hat der amerikanische Wahlkampf des Jahres 2016 in der Netflix-Dramaserie House of Cards noch nicht aufgehört. Weiterhin stehen sich die Demokraten Frank (Kevin Spacey) und Claire Underwood (Robin Wright) und der Republikaner Will Conway (Joel Kinnaman) gegenüber. In diesem fiktionalen Szenario wirken die Rollen aber wie vertauscht: Die Underwoods kommen mit ihren dunklen Machenschaften daher wie Donald Trump und seine Vasallen.
Compassion for the living, respect for the dead
Wenn sie unter sich sind, machen sie keinerlei Hehl daraus, wie sie gedenken, diese Wahl für sich zu entscheiden: „We need to dial up the terror.“ Schon das erinnert an den Wahlkampf eines gewissen größenwahnsinnigen, unendlich inkompetenten Milliardärs, der sich der Hälfte des amerikanischen Volkes erfolgreich als alleiniger Heilsbringer gegen einfallende muslimische Horden verkaufte. Auch Frank will die Einreisebestimmungen in die USA verschärfen und die Grenzen dichtmachen, was uns zurückwirft in die Zeit vor wenigen Wochen, als Trump versuchte, seinen rassistischen Muslim ban durchzusetzen.
Ein Rassist ist Frank nicht, irre aber schon. So stürmt er eine Sitzung des Kongresses, in der gerade über ihn beraten wird, was gegen sämtliche Etikette verstößt. Das stört Frank jedoch wenig, im Gegenteil nutzt er die Gelegenheit, um die mediale Aufmerksamkeit an sich zu reißen. Diese hatte sich bis dahin nämlich auf den explosiven Artikel von Tom Hammerschmidt (Boris McGiver) konzentriert, in dem der Journalist des fiktiven Washington Herald schwere - und richtige - Anschuldigungen gegen den Präsidenten erhebt. Es braucht also mehrere laute Knalls, um davon abzulenken.
Der erste kam am Ende der letzten Staffel, in Form eines Terroranschlags auf eine unschuldige Familie, deren Vater geköpft wurde. Dessen Hinterbliebenen, Mutter Caroline (Jennifer Leigh Mann) und Tochter Melissa (Alie Urquhart), erheben unterschiedlich schwere Vorwürfe gegen Frank, da er mit seinem Befehl, das Terroristenversteck erstürmen zu lassen, den Tod von Jim Miller billigend in Kauf genommen habe. Bei der Trauerfeier kommt es zu einem Mini-Eklat, als Melissa ihre Anschuldigungen vor versammelter Gemeinde verkündet.

Die dort anwesenden Frank und Claire sind nur noch auf dem Papier ein Paar. Sie ist nun mit Tom Yates (Paul Sparks) zusammen, stellt sich aber weiterhin willfährig in den Dienst ihres Ehemanns. Immerhin wäre sie als Vizepräsidentin die Nummer eins in seiner Nachfolge, würde es den beiden gelingen, die Wahl zu gewinnen. Und wir alle wissen noch, über welchen Umweg Frank ins höchste Amt des Landes gelangte. Also spielt Claire beim Terrorplan brav mit, was zum Beispiel beinhaltet, die Mutter des flüchtigen Terroristen zu einer öffentlichen Nachricht an ihn zu bewegen.
Monsters do exist
Frank ist da schon einen Schritt weiter, der gesuchte Joshua Masterson (Jefferson White) befindet sich längst in Haft. Darüber Bescheid wissen aber nur Underwood, Anti-Terror-Spezialist Green (Jeremy Holm) und Top-Berater Doug Stamper (Michael Kelly). Am liebsten würde Frank vom Gefangenen ein Geständnis darüber hören, dass er der Terrororganisation ICO angehöre und diese ein weitverzweigtes Netzwerk in den USA und im Nahen Osten unterhalte. Weil der jedoch lieber stirbt, als diesem Wunsch zu folgen, verbreitet Frank diese Unwahrheit einfach selbst.
Schon bei seiner Stürmung des Kongresses hatte er die Abgeordneten dazu aufgefordert, eine Kriegserklärung gegen ICO zu erlassen. Hierfür solle ein eigenes Komitee gebildet werden. Das jedoch könnte Frank zum Verhängnis werden, plant Conway doch, dieses gegen ihn einzusetzen. Die dem Komitee verliehenen Sonderrechte sollen genutzt werden, um die von Hammerschmidt erhobenen Vorwürfe auf den Prüfstand zu stellen. Als Zeugen sollen Remy Danton (Mahershala Ali) und Jackie Sharp (Molly Parker) - beide hier noch ohne Auftritt - geladen werden.
Gefahr droht außerdem von Seiten der NSA, wobei in diesem Falle wohl Leann Harvey (Neve Campbell) und Aidan Macallan (Damian Young) als Schutzschilde genutzt werden könnten. Der Geheimdienst nimmt Macallans Unternehmen Pollyhop ins Visier, um illegale Wählerbeeinflussung aufzudecken. All diese Bedrohungen klingen zusammengefasst so, als sei Kriegserklärung eine atemlos vorgetragene, durchweg spannende Episode. Leider ist das Gegenteil der Fall: Der Inhalt der Folge hätte auch in der Hälfte der Zeit erzählt werden können.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 31. Mai 2017House of Cards 5x01 Trailer
(House of Cards 5x01)
Schauspieler in der Episode House of Cards 5x01
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