House of Cards 1x03

House of Cards 1x03

In der dritten Episode der US-Serie House of Cards darf sich Frank Underwood mit den Erfordernissen der Lokalpolitik herumschlagen und muss deswegen sein wichtigstes Reformprojekt vernachlässigen. Die Journalistin Zoe Barnes arbeitet derweil weiter an ihrem Aufstieg.

Der Pfirsich des Anstoßes: In Frank Underwoods (Kevin Spacey) Heimatort sorgt ein obskurer Wasserturm für Wirbel. / (c) Netflix
Der Pfirsich des Anstoßes: In Frank Underwoods (Kevin Spacey) Heimatort sorgt ein obskurer Wasserturm für Wirbel. / (c) Netflix

Die dritte Episode der Politserie House of Cards gibt einen tieferen Einblick in die Mechanismen politischer Verhandlungstaktiken und porträtiert Francis Underwood (Kevin Spacey) weiterhin als eiskalten Karrierepolitiker, der beispielsweise nicht davor zurückschreckt, seinen toten Vater für sein eigenes Fortkommen zu instrumentalisieren. Zudem wird in verschiedenen Geschichten auseinandergepflückt, welche Stufen diverse politisch-gesellschaftliche Verhandlungsprozesse durchlaufen.

Der Druck steigt

Underwood sitzt zu Beginn der Episode zwischen allen Stühlen. Er muss sich zwischen zwei gleichermaßen dringlichen Angelegenheiten entscheiden. In seinem Wahlkreis in South Carolina ist es zu einem schweren Unfall gekommen, bei dem ein 17-jähriges Mädchen ihr Leben gelassen hat. Gleichzeitig laufen in Washington die Verhandlungen zu der Bildungsreform, die zum Aushängeschild der neuen Präsidentschaft werden soll. Von beiden Seiten wird enormer Druck auf Underwood ausgeübt. Die Stabschefin des Präsidenten, Linda Vasquez (Sakina Jaffrey), drängt ihn dazu, die Verhandlungen schnellstmöglich abzuschließen, da der Präsident Ergebnisse liefern müsse. Auch der Lobbyist der Bildungsgewerkschafter, Marty Spinella (Al Sapienza), sitzt ihm mit der Forderung im Nacken, unbedingt am Verhandlungstisch zu bleiben.

Francis Underwood (Kevin Spacey; r.) und der Bürgermeister von Gaffney; Gene Clancey (Lance E. Nichols; l.); begutachten den Wasserturm. © Netflix
Francis Underwood (Kevin Spacey; r.) und der Bürgermeister von Gaffney; Gene Clancey (Lance E. Nichols; l.); begutachten den Wasserturm. © Netflix

Sein Büroleiter Doug Stamper (Michael Kelly) vertritt jedoch eine gegenteilige Meinung und hat dabei hauptsächlich Francis' Karriereinteressen im Hinterkopf. Würde er sich nicht sofort den Vorfällen in seinem Wahlkreis und der bevorstehenden Hetzkampagne seines dortigen politischen Konkurrenten Oren Chase (Murphy Guyer) annehmen, könnte dies weitreichende negative Konsequenzen für seine künftige Karriere nach sich ziehen. Wenig überraschend macht sich Francis also auf den Weg in seine Heimatstadt Gaffney, verspricht Spinella jedoch, jeden Verhandlungsschritt telefonisch zu begleiten.

Der mögliche politische Skandal dreht sich um ein recht obskures Objekt: ein Wasserturm in Form eines Pfirsichs neben einer Landstraße. Die verunglückte Jessica habe ihrem Freund am Steuer eine Kurzmitteilung bezüglich dieses Wasserturms geschickt, daraufhin die Kontrolle über ihren Wagen verloren und sei tödlich verunglückt. Das Problem Underwoods ist nun folgendes. Er hat in seinem Wahlkampf gegen Chase im Namen der Pfirsichbauern (für die der Wasserturm ein Marketinginstrument darstellt) dafür gekämpft, den Turm beizubehalten. Sein Konkurrent hingegen möchte diesen wegen seiner obszönen Form abreißen lassen.

Die politische Lesart der Skandaltreiber lautet also, Underwood sei indirekt für den Tod Jessicas verantwortlich. Die Begrüßung in seiner Heimatstadt fällt denn auch dementsprechend feindselig aus. Seine erste Station führt ihn zu Chase nach Hause, wo er versucht, diesen mit einem politischen Kuhhandel abzuspeisen. Da sich Chase noch im Vorteil sieht, lehnt er brüsk ab.

Für jedes Problem die passende Lösung

Der zweite Schritt seines Stufenplans sieht vor, den Eltern der Verunglückten einen finanziellen Vergleich anzubieten, der ihnen einen jahrelangen Rechtsstreit ersparen würde. Außerdem soll ein Stipendium in ihrem Namen an der Universität, die sie eigentlich zukünftig besucht hätte, eingerichtet werden. Die Kosten dafür will Underwood dadurch einsparen, dass der Pfirsichturm nachts nicht mehr beleuchtet wird. Zu guter Letzt werden auch noch Warnschilder auf beiden Seiten der Landstraße aufgestellt.

Dank seiner brillanten Rhetorik (und einigen eingestreuten Unwahrheiten) gelingt es Francis, nicht nur die Kirchengemeinde, sondern auch die Familie des Opfers von dem Plan zu überzeugen. Der einzige, der ihm jetzt noch in die Quere kommen kann, ist sein ewiger Rivale Oren Chase. Doch auch dafür zaubern Underwood und seine örtlichen Vasallen mehrere Asse aus dem Ärmel.

Wann er wohl zum ersten Mal nicht mit seinen intriganten Taktiken durchkommt? Underwood gibt sich jedenfalls allzeit siegessicher. © Netflix
Wann er wohl zum ersten Mal nicht mit seinen intriganten Taktiken durchkommt? Underwood gibt sich jedenfalls allzeit siegessicher. © Netflix

Zum einen habe es Chase in seiner Funktion als Kreisvorsteher verpasst, Leitplanken entlang der Landstraße anbringen zu lassen. Zum anderen kämpfe Underwood seit Jahren gegen einen Energiekonzern, der Leitungen quer über Chases und die Grundstücke anderer Betroffener legen wolle. Er bietet Chase noch einmal den zuvor schon offerierten Sitz im vierten Kongressdistrikt von South Carolina an. Zur Verabschiedung gibt er ihm noch Bedenkzeit. Der Zuschauer ahnt: Chase wird sich darauf einlassen.

Die Verhandlungen zur Bildungsreform kommen derweil in Washington ins Stocken, da sich die Verhandlungspartner über zentrale Punkte nicht einigen können. Francis als einer dieser Verhandlungspartner lenkt kurz vor dem endgültigen Scheitern ein und bietet den mächtigen Lehrergewerkschaften einen Kompromiss an. Er sei bereit, eigene wichtige Reformvorhaben abzumildern, solange die Verhandlungen nicht beendet würden. Auch hier bekommt er seinen Willen.

An anderen Stellen in der amerikanischen Hauptstadt feilen zwei Protagonistinnen weiter an ihren Karrieren. Zoe Barnes (Kate Mara) lässt sich auch von der Zeitungsverlegerin nicht einschüchtern und kontert deren Frage nach ihrem Informanten keck mit: „Which one do you want? My source or my integrity?“ Danach fühlt sie sich auf Zuraten Underwoods gar dazu beflügelt, eine Anweisung ihres Chefredakteurs Tom Hammerschmidt (Boris McGiver) zu missachten und weiterhin TV-Interviews zu geben.

Claire Underwood (Robin Wright) spielt unterdessen die Headhunterin und lässt nicht locker, bis sie eine idealistische und hoch talentierte junge NGO-Gründerin an Bord ihrer eigenen Nichtregierungsorganisation geholt hat. Dass sie die Konkurrenz somit gleich schlucken kann, ist sicher kein ganz unerwünschter Nebeneffekt.

Fazit

Auch in der dritten Episode enttäuscht House of Cards nicht. Stilistisch ist nach dem (geplanten) Abgang David Finchers sicher noch Potential nach oben zu verzeichnen, die Geschichte bleibt jedoch fesselnd erzählt. Eindringlich wird geschildert, wie sehr sich Politiker auf der höchsten Ebene zwischen den an sie gestellten Ansprüchen geradezu zerreißen müssten, um allen Bittstellern gerecht werden zu können.

Wunderbar eingefangen ist dies in den Szenen, in denen Underwood seine Teilnahme an der Telefonkonferenz lediglich durch einige kurze Einwürfe simuliert, um sich das politische Klein-Klein zu ersparen und Zeit zu finden, ein kurzes Telefonat mit seiner Ehefrau zu führen. Für die wirklich wichtigen Handlungsschritte ist er dann jedoch wieder zur Stelle und bestimmt den Kurs.

Als Zuschauer stellt man sich die Frage, welcher Politikertypus einem denn lieber wäre. Derjenige, der entschieden die grobe Richtung bestimmt und über ein gutes Zeitmanagement verfügt, oder derjenige, der sich detailverliebt in die Diskussion um jede noch so abwegig erscheinende Reformidee stürzt. Fachidiot oder Redenschwinger? In welche Kategorie Francis Underwood gehört, ist nach dieser Episode um einiges ersichtlicher geworden.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 18. Februar 2013
Episode
Staffel 1, Episode 3
(House of Cards 1x03)
Deutscher Titel der Episode
Der Wasserturm
Titel der Episode im Original
Chapter 3
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 1. Februar 2013 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 18. Februar 2013
Autoren
Keith Huff, Beau Willimon
Regisseur
James Foley

Schauspieler in der Episode House of Cards 1x03

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