House of Cards 1x01

House of Cards 1x01

Die Pilotepisode von House of Cards unter der Regie von David Fincher beginnt für Francis Underwood im amerikanischen Zentrum der Macht mit einem gebrochenen Versprechen und mündet in einem unübersichtlichen Komplott aus Lügen, Verrat und bitterbösen Rachegelüsten.

Francis Underwood (Kevin Spacey) erklärt dem Zuschauer hin und wieder direkt die Feinheiten des Washingtoner Politikalltags / Foto (c) Netflix
Francis Underwood (Kevin Spacey) erklärt dem Zuschauer hin und wieder direkt die Feinheiten des Washingtoner Politikalltags / Foto (c) Netflix

The greatest trick the devil ever pulled was convincing the world he didn't exist.“ Einer der berühmtesten Sätze der Filmgeschichte, gesprochen durch Kevin Spacey als Verbal Kint im Hollywoodklassiker „The Usual Suspects“, findet in der Auftaktepisode der Politthrillerserie House of Cards neue Anwendung. Der Teufel ist in diesem Falle Spaceys Charakter Francis Underwood, der es wie kein Zweiter versteht, seinen politischen Gegnern (und auch Freunden) seine Meinung als deren eigene zu verkaufen.

Power over Money, Money over Power

Erlernt hat Underwood diese Fähigkeit durch seine jahrelange Arbeit im Zentrum der Macht. Als chief whip der demokratischen Mehrheit im US-Repräsentantenhaus war und ist er dafür verantwortlich, die Abgeordneten auf Parteilinie zu halten und dem frischgewählten Präsidenten Garrett Walker (Michael Gill) bei wichtigen Abstimmungen die nötigen Mehrheiten zu verschaffen. Naturgemäß ist dies eine der mächtigsten Positionen, die ein amerikanischer Politiker innehaben kann.

Doch Underwood ist dies nicht genug. Er strebt nach Höherem, genauer gesagt nach dem höchsten Amt im Lande. Dies bleibt zwar in der ersten Episode unausgesprochen, jedoch liegt dieser Schluss bei all der Ambition, die Underwood an den Tag legt, recht nahe. Jedenfalls soll ein erster Schritt in diesem Marathonlauf der ihm bei gewonnener Wahl hoch und heilig versprochene Posten des Außenministers sein.

Francis Underwood (Kevin Spacey) mit seiner ebenso ambitionierten Gattin Claire (Robin Wright) auf einem Ballabend der Washingtoner Elite Foto © Netflix
Francis Underwood (Kevin Spacey) mit seiner ebenso ambitionierten Gattin Claire (Robin Wright) auf einem Ballabend der Washingtoner Elite Foto © Netflix

Im Büro der Stabschefin des Präsidenten, Linda Vasquez (Sakina Jaffrey) kommt es in Abwesenheit des mächtigsten Mannes der Welt jedoch zum unerwarteten Bruch der beiden langjährigen Partner. Mit der fadenscheinigen Begründung, er sei als majority whip im Abgeordnetenhaus unverzichtbar, rammt ihm Vasquez von Angesicht zu Angesicht das Messer in den Rücken. Natürlich gebe sie nur weiter, was der Präsident ihr aufgetragen habe. Die offensichtliche Unfähigkeit von Walker, Underwood bei der Überbringung der schlechten Nachrichten ins Gesicht zu schauen, macht die Sache für Francis jedoch noch unerträglicher.

Hier wird ein Paradebeispiel an politischen Ränkespielen durchexerziert. Das unübersichtliche Netz an politischen Allianzen, geheimen Absprachen und gebrochenen Versprechen lassen für Underwood (und stellvertretend für den Zuschauer) nur einen Schluss zu: Er kann nichts und niemandem vertrauen. Fortan befindet er sich also auf einem Rachefeldzug gegen seinen Außenminister-Ersatzkandidaten Michael Kern und - ultimativ - Präsident Walker und alle, die sich ihm bei seinem vermeintlich unaufhaltsamen Aufstieg in den Weg stellen.

Eine unheilige Allianz

Zu diesem Zweck instrumentalisiert er die Medien, genauer die fiktive Tageszeitung „The Washington Tribune“ (in starker Anlehnung an die Washinton Post). Sehr gelegen kommt ihm dabei die ambitionierte, von ihren Kollegen jedoch weitestgehend ignorierte und zu boulevardesken Artikeln verdonnerte junge Journalistin Zoe Barnes ( Kate Mara), die eines Tages an seiner Haustür auftaucht und ihn beinahe nötigt, sie in seinen inner circle aufzunehmen.

Kate Mara ist als aufstrebende Journalistin Zoe Barnes ein integraler Bestandteil des Rachefeldzugs von Francis Underwood Foto © Netflix
Kate Mara ist als aufstrebende Journalistin Zoe Barnes ein integraler Bestandteil des Rachefeldzugs von Francis Underwood Foto © Netflix

Nachdem die beiden ihren faustischen Pakt geschlossen haben, kommt der shitstorm über Kern, Vasquez und den Präsidenten sofort ins Rollen. Behilflich sind Underwood dabei nicht nur Barnes, sondern auch der verbündete Kongressabgeordnete Peter Russo (Corey Stoll), der selbst ein Drogen-, Alkohol- und Frauenproblem hat. Die seinen Weg pflasternden Prostituierten und Ex-Affären werden kurzerhand mit einem Bündel Bargeld zum Stillschweigen gebracht. Für diese spezielle Form der Konfliktbewältigung ist wiederum Underwoods Büroleiter und rechte Hand Doug Stamper (Michael Kelly) verantwortlich.

Während des gesamten Prozesses versucht Underwood, selbst eine weiße Weste zu behalten. Ein Paradebeispiel des eingangs genannten Zitats aus „The Usual Suspects“ exerziert er am eher links von der Mitte stehenden Kongressabgeordneten Donald Blythe vor. Der Experte für Bildungspolitik ist vom Präsidenten damit beauftragt worden, einen Gesetzesentwurf für die Reform des maroden amerikanischen Bildungssystems zu verfassen. Die Reform soll (in Anlehnung an Obamas Gesundheitsreform Obamacare) zum Aushängeschild der neuen Präsidentschaft werden.

Underwood will das Gesetzesvorhaben also an sich reißen, um sich damit weiter Anerkennung in der Öffentlichkeit und dem politischen Establishment zu verdienen. In einem ersten Schritt lässt er Zoe Barnes einen früheren, für amerikanische Verhältnisse beinahe linksradikalen Entwurf von Donald Blythe veröffentlichen, was diesen in der Öffentlichkeit zunehmend diskreditiert. Dem verzweifelten Blythe macht er hernach das großzügige Angebot, die Ausarbeitung des Gesetzesentwurfs zu übernehmen. Vorerst scheint also alles rund zu laufen für Francis Underwood. Bis sich dies ändert, ist es jedoch nur eine Frage der Zeit.

Fazit

Gekonnt übertragen Regisseur David Fincher, die Drehbuchautoren und die Darsteller die britische Vorlage aus dem Jahre 1990 in die politische Realität der amerikanischen Gegenwart. In Fincher-typischer kühler Ausleuchtung werden die Washingtoner Politintrigen in realistischer Art und Weise porträtiert.

Die Rolle des Erzählers übernimmt dabei der alle überragende Hauptdarsteller Kevin Spacey als Francis Underwood gleich selbst. Das aus seinem größten filmischen Erfolg „American Beauty“ bekannte Stilmittel, direkt in die Kamera zu sprechen und dem Zuschauer dadurch eine zusätzliche Erzählebene zu eröffnen, wird nicht zu inflationär eingesetzt und erfüllt dadurch seinen Zweck.

Die Geschichte rund um Underwood wird in gemäßigtem Tempo und recht geradlinig erzählt. Zwar wirkt Spaceys Spiel bisweilen recht selbstverliebt, dies mindert jedoch nur selten die erzeugte Spannung und wird oftmals durch die hochwertigen Dialoge aus der Feder des jungen Drehbuchautors Beau Willimon aufgefangen.

Diverse Nebengeschichten erzählen beispielsweise von Underwoods ebenso ambitionierter Ehefrau Claire (Robin Wright), die als Chefin der Nichtregierungsorganisation Clean Water Initative in der ersten Episode plant, ihre halbe Belegschaft zu entlassen, um die Organisation in eine neue Richtung zu führen. Schnell merkt der Zuschauer, dass Claire ihre Ziele nicht weniger skrupellos verfolgt als ihr Ehemann.

Die in Washington, D.C. allgegenwärtigen Lobbyisten dürfen in diesem Politpanorama natürlich auch nicht fehlen. Zwar werden sie in der Pilotepisode anhand des Charakters Remy Danton (Mahershala Ali) nur am Rande eingeführt, jedoch sollte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine größere Rolle dieser Spieler der politischen Arena erwartet werden. Die packend erzählte Auftaktepisode kann durch ein Porträt der massiven Einflussnahme wirtschaftlicher Interessen auf die Politik nur weiter bereichert werden.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 1. Februar 2013

House of Cards 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(House of Cards 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Das Spiel beginnt
Titel der Episode im Original
Chapter 1
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 1. Februar 2013 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 4. Februar 2013
Autor
Beau Willimon
Regisseur
David Fincher

Schauspieler in der Episode House of Cards 1x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?