Houdini and Doyle 1x01

Die seltsame Freundschaft zwischen Bühnenzauberer und Entfessslungskünstler Harry Houdini und dem Sherlock-Holmes-Autor Arthur Conan Doyle wäre eigentlich auch ohne das zusätzliche Krimielement von Houdini and Doyle eine Serie wert. Während der Vater des rational und logisch denkenden Ermittlers nämlich von der Existenz von Geistern und sogar Feen überzeugt war und seine Arbeit an der Erforschung des Übersinnlichen sogar für wichtiger hielt als seine Krimigeschichten, war es der Magier, dessen Arbeit darin bestand, Menschen hinters Licht zu führen, der äußerst kritisch gegenüber der damals populären Spiritualismusbewegung war und sich dafür einsetzte, Scharlatanerie aufzudecken. Die beiden Legenden lernten sich 1920 kennen und freundeten sich trotz unterschiedlicher Ansichten an, denn sie schätzten einander und sie schätzten ihre jeweilige Expertise.
Die neue Koproduktion von ITV, Global und FOX nimmt sich nun der transatlantischen „Bromance“ an und nimmt diese als Anfangspunkt für eine Krimiserie, die im Grunde ein 1920er-The X-Files mit Doyle als Mulder und Houdini als Scully ist. Der amerikanische Zauberer wird dabei von dem aus House und Six Feet Under bekannten Michael Weston gespielt, während Stephen Mangan (Episodes), der schon einmal als Dirk Gently einen Serienermittler mimte, die Rolle des britischen Autors übernimmt.
Mörderische Geisternonnen?
Der erste uns in der Pilotepisode präsentierte Fall mit dem Episodentitel The Maggie's Redress hat es auch gleich in sich: Die Nonne Sister Fabian wurde in ihrem von innen verschlossenen Raum ermordet und die sie auffindende Schwester will die Täterin noch gesehen haben: die vor Monaten verstorbene Lucy. Für Doyle ein gefundenes Fressen, um das Leben nach dem Tod zu beweisen, für Houdini eine weitere Möglichkeit, seinem Freund aufzuzeigen, wie falsch er liegt und gegebenenfalls 10.000 Dollar bei einer Wette zu machen. Natürlich ist die Polizei nicht gerade davon begeistert, die beiden Promis an der Backe zu haben, aber Houdinis Kontakte zu Scotland Yard lassen sie an der Untersuchung teilhaben, solange sie in Polizeibegleitung bleiben, weshalb ihnen eine junge Polizistin, Constable Stratton (Rebecca Liddiard), zur Seite gestellt wird.
Zu dritt wird der Tatort untersucht, zu welchem Houdini dank seiner Fähigkeiten auch ohne Schlüssel Zugang erhält und schnell kommt der Verdacht auf, dass auch entwendetes Geld das Motiv gewesen sein könnte. Die Zeugin, Sister Winnie (Adelayo Adedayo), besteht jedoch darauf, die tote Lucy gesehen zu haben, deren Ableben zum Teil die Schuld der unbarmherzigen Schwestern Fabian und Mathilda (Amanda Lawrence) gewesen sein soll. Die junge Mutter kam mit ihrem Baby ins Kloster und wurde gequält, bis ihr das Kind genommen wurde und sie krank verstarb. Doyle befragt ein Medium und lässt daraufhin einen Verdächtigen mit viel Geld in den Taschen in Whitechapel festnehmen. Houdini hingegen ist davon überzeugt, die vorbestrafte Schwester Mathilda sei viel verdächtiger. Beide Verdachte lösen sich jedoch in Wohlgefallen auf, nachdem in der kommenden Nacht ein weiterer Mord, dieses Mal an Schwester Mathilda, begangen wird.
All Things Come in Threes
Eine Botschaft am Fenster zum Tatort deutet einen weiteren geplanten Mord an und die Untersuchungen gehen von vorne los. Gleichzeitig erforscht die Folge die Gründe für Houdinis Kreuzzug gegen den Spiritualismus und Doyles Willen zu glauben. Der Illusionist sieht sich in der Pflicht, weil seine Arbeit die Menschen seiner Meinung nach nur noch mehr in die Arme der Scharlatane treibt. Der Autor möchte Kontakt mit seiner Frau aufnehmen, was er auch regelmäßig für viel Geld bei dem Medium tut. Dieses verplappert sich allerdings in der Annahme, seine Frau sei tot - dabei liegt sie nur im Koma. Doyle ist dennoch derjenige, der auch ohne übersinnliche Unterstützung hinter die Identität des Mörders kommt.

Schwester Grace (Simone Kirby), die Nonne, die die Ermittler zu Beginn in Empfang genommen hatte, leidet unter der gleichen erblichen Krankheit wie die tote Lucy und versteckt ähnlich rote Haare unter ihrer Nonnenhaube. Sie ist die Mutter der zu früh verstorbenen, die ihr Kind einst ebenfalls abgegeben hatte, als sie ins Kloster gekommen war. Als sie vom dynamischen Duo gestellt wird, nimmt sie Reißaus und führt Houdini und Doyle durch einen Gang mit Falltür. Houdini versucht, seine Schlossknackerfähigkeiten einzusetzen, doch vor dem Tod im steigenden Wasser der Themse rettet sie schließlich Constable Stratton.
Immerhin kann Harry die aufgebrachte Schwester davon abhalten, sich selbst zum dritten Opfer zu machen, indem er den Geist von Lucy ein weiteres Mal heraufbeschwört. Wie abschließend erklärt wird, waren Vibrationen einer neuen Londoner U-Bahn-Strecke, die im Innenohr einen panischen Zustand hervorrufen und optische Illusionen erzeugen können, für den Effekt verantwortlich.
Fazit
Houdini and Doyle ist nichts für ernsthaft an Harry Houdini oder Arthur Conan Doyle Interessierte, aber immerhin ist es offensichtlich, wie viele Freiheiten man sich im Rahmen dieser unterhaltsamen Krimiserie genommen hat. Ganz anders verhielt es sich beim zweiteiligen Houdini mit Adrien Brody, welches vorletztes Jahr bei History gezeigt wurde und von Houdini-Forschern aufgrund seiner vielen Hinzudichtungen (zu Recht) in der Luft zerfetzt wurde.
Der in The Maggie's Redress präsentierte Kriminalfall ist leider alles andere als beeindruckend und vor allem die Erklärung für den Geist lässt ganz schön zu wünschen übrig. Rein optisch wurde Houdini zwar recht gut getroffen, aber Stephen Mangan sieht bei aller Liebe kein bisschen wie Arthur Conan Doyle aus. Darüber hinaus ist Constable Stratton keine unbedingt uninteressante Figur und der Polizeikontakt hat durchaus Sinn. Das Wort tokenism kommt einem trotzdem des Öfteren in den Sinn, wenn sie in vielen Szenen wie das fünfte Rad am Wagen wirkt.
Trotz all dieser Kritikpunkte ist es schwer, sich nicht von Mangan und Weston begeistern zu lassen. Die zwei Teilen sich den Bildschirm wie eine gut geölte Double-Act-Maschine und geben ein äußerst charmantes ungleiches Ermittlerpaar ab. Leider konnten die Autoren sich am Ende nicht verkneifen, auch Zugeständnisse in Richtung Doyle zu machen, nachdem die Episode eigentlich mehr auf Houdinis Seite war. Es wird interessant sein zu sehen, inwiefern man sich in Zukunft auf übersinnliche Elemente einlässt oder größtenteils Houdinis rationaleres Weltbild untermauert. Dann aber bitte in etwas einfallsreicheren Kriminalfällen.
Verfasser: Mario Giglio am Samstag, 26. März 2016Houdini and Doyle 1x01 Trailer
(Houdini and Doyle 1x01)
Schauspieler in der Episode Houdini and Doyle 1x01
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