Hot in Cleveland 6x24

Hot in Cleveland 6x24

Am vergangenen Mittwoch ist in den USA die Sitcom Hot in Cleveland nach sechs Staffeln zu Ende gegangen. Für den Kabelsender TV Land war die Serie ein Meilenstein. Für Serienjunkies.de-Redakteur Christian Junklewitz war sie eine lieb gewonnene Gewohnheit.

Der Cast von „Hot in Cleveland“ / (c) TV Land
Der Cast von „Hot in Cleveland“ / (c) TV Land

In dieser Woche ist mir etwas Seltsames passiert.

Ich habe das Serienfinale von Hot in Cleveland geschaut. Und zunächst war alles wie immer: Es gab einen richtig guten Gag, über den ich mich köstlich amüsiert habe - Bob (Dave Foley, The Odd Couple) lässt sich am Abend vor seiner Hochzeit mit Joy (Jane Leeves, Frasier) aus Versehen ein Bild von Melanie (Valerie Bertinelli, „One Day at a Time“) auf die Brust tätowieren und versucht zunächst, dieses Malheur vor seiner Verlobten geheim zu halten.

Dann gab es aber auch viele Gags, die zumindest bei mir so überhaupt nicht gezündet haben - etwa Mamies (Georgia Engel, „The Mary Tyler Moore Show“) plötzliche Spielsucht. Und die Existenz von Spielautomaten in einem Knast in Las Vegas. Ich verstehe, warum das theoretisch lustig sein könnte. Wirklich gelacht habe ich darüber aber nicht.

Das Finale von Hot in Cleveland habe ich - wie schon die ganzen letzten Staffeln - mehr aus lieber Gewohnheit geschaut. Als Fan der Serie hätte ich mich nicht unbedingt bezeichnet.

Dann ereignete sich jedoch auf einmal das Seltsame: Die vier Protagonistinnen sind - ähnlich wie zuvor bereits in der Pilotfolge - auf dem Weg nach Paris. Joy hat gerade verkündet, dass sie ihr frisch adoptiertes Baby Betty nennen will - „Never Met a Betty I Didn't Like“. Das an sich war natürlich schon sehr berührend - mit Betty White alias Elka direkt neben ihr. Dann begann Melanie auch noch über die Freundschaft der Frauen zueinander zu sprechen. Wie sehr sich ihre Leben in den letzten sechs Jahren verändert haben. Und welch große Veränderungen aktuell anstehen.

Und auf einmal war ich in Tränen. Ich saß da und habe geschluchzt. Mir ist überhaupt nicht klar gewesen, wie viel mir die Serie bedeutet hat. Bis zu diesem Augenblick kurz vor Schluss, als es auf einmal hieß, Abschied zu nehmen. Noch einmal schossen mir die Tränen dann in die Augen, als die vier Frauen in der allerletzten Szene - wiederum analog zum Ende der Pilotfolge - vor dem Haus zusammensitzen und sich für den kommenden Mittwoch verabreden. Weil Mittwoch doch „ihr“ Tag ist.

Es war der perfekte Weg, um von Hot in Cleveland Abschied zu nehmen: Die Leben der Protagonistinnen haben sich verändert. Aber ihre Freundschaft, an der wir jeden Mittwoch teilhaben durften, überdauert.

Hot in Cleveland war weit davon entfernt, eine Spitzen-Comedy zu sein. Die Entwicklungen der Figuren in ihrem Privat- wie Berufsleben waren mitunter ziemlich sprunghaft, was natürlich auch damit zu tun hatte, dass der Hauptcast nur aus den vier Frauen bestand. Ansonsten stützte sich die Serie (was bei einem kleinen Sender wie TV Land auch finanzielle Gründe gehabt haben dürfte) allein auf (wiederkehrende) Gaststars, deren Verfügbarkeit häufig schwer im Voraus zu kalkulieren ist. Durchaus bezeichnend ist, dass sowohl Elka als auch Melanie am Ende Partner finden, die eigens für das Finale aus dem Hut gezaubert wurden (Bob Newhart und Thomas Gibson). Für Victoria (Wendie Malick, Just Shoot Me) konnten die Produzenten wenigstens Huey Lewis auftreiben, der schon in den ersten zwei Staffeln als ihr Ex-Freund mit von der Partie gewesen ist.

Auch in Sachen Comedy war Hot in Cleveland sehr wechselhaft. Es gab Folgen, die einen wirklich laut auflachen ließen. Aus jüngerer Vergangenheit kommt einem da etwa Cleveland Calendar Girls in den Sinn. Dann aber auch Folgen, in denen es maximal bei einem Schmunzeln blieb.

Toll waren natürlich die vielen Gaststars, die sich bei Hot in Cleveland sehen ließen: Ehemalige Kollegen von Betty White wie etwa Mary Tyler Moore, Ed Asner und die schon erwähnte Georgia Engel. Legendäre Altstars der US-amerikanischen Comedy wie Carl Reiner, Carol Burnett und Don Rickles. Aber auch viele aktuelle TV-Größen wie Jennifer Love Hewitt, Chris Colfer, Ken Jeong, Constance Zimmer, Yvette Nicole Brown, Enrico Colantoni, Robbie Amell und Max Greenfield.

Mein persönliches Highlight war der Auftritt von William Shatner in einer der beiden Live-Episoden von Hot in Cleveland. Dabei zeigte er sich von einer Seite, von der ich ihn zumindest noch nie zuvor gesehen hatte.

Was die Serie jedoch wirklich auszeichnete und was auch der Grund für meine Tränen beim Abschied gewesen ist, das ist der familienartige Zusammenhalt der Hauptfiguren gewesen. Vier Frauen im teilweise doch schon etwas fortgeschrittenen Alter, die gemeinsam durch Dick und Dünn gehen. Und die selbst dort, wo es unter ihnen Reibereien gibt (man denke an das von gegenseitigen Beleidigungen nicht ganz freie Verhältnis zwischen Elka und Joy), eine tiefe, darunter liegende Freundschaft und Verbundenheit spüren lassen. Das war schon toll an Hot in Clevelands Referenzserie „Golden Girls“. Und diese Qualität hat auch Hot in Cleveland - nicht zuletzt dank des superben Casts - eingefangen.

Es ist der Grund dafür, warum es trotz aller Schwächen, die man sonst an Hot in Cleveland benennen könnte, für mich zu einer so lieb gewonnenen Gewohnheit geworden ist, den Geschichten dieser vier Frauen Woche für Woche zu folgen. Und warum mir die Serie fehlen wird.

Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 7. Juni 2015
Episode
Staffel 6, Episode 24
(Hot in Cleveland 6x24)
Deutscher Titel der Episode
Bye, bye Ladies!
Titel der Episode im Original
I Hate Goodbyes
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 3. Juni 2015 (TV Land)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 9. April 2016

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