Home Economics: Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus dem Piloten der Serie Home Economics (c) ABC
Das Konzept der neuen ABC-Serie Home Economics kommt zunächst in den ersten Minuten etwas zu sehr konstruiert daher und das beschreibt auch den Gesamteindruck der Pilot-Folge. Allerdings ist die Single-Kamera-Comedy, die zunächst für FOX entwickelt wurde, dann doch auf Anhieb sympathischer, als man denken könnte.
Worum geht es in Home Economics?
Im Zentrum stehen nämlich drei Geschwister, die unterschiedliches finanzielles Glück und Können vorweisen. Connor (Jimmy Tatro, American Vandal, Modern Family) ist der Jüngste der drei. Ihm gehört eine Privatinvestment-Firma (aka Beteiligungsgesellschaft), er ist der Vater von Gretchen (Shiloh Bearman) und ist kürzlich nach San Francisco gezogen, wo er das alte Heim von Hollwood-Star Matt Damon übernommen hat, was auch dazu führt, dass eine Reihe von Anspielungen auf diesen im Auftakt gemacht werden.
Sarah (Caitlin McGee, Bluff City Law, Mythic Quest: Raven's Banquet) ist eine Kindertherapeutin, die jüngst ihren Job verloren und deswegen Schwierigkeiten hat, über die Runden zu kommen. Sie ist mit Denise (Sasheer Zamata; „SNL“, Woke) verheiratet und die beiden haben zwei Kinder. Sarah wird als feministische Kämpferin und Veganerin dargestellt, die zu Thanksgiving mit fleischfreien Alternativen experimentiert, die wohl nicht jedem schmecken. Auch sonst setzt sie sich stark für Gleichberechtigungsthemen ein, etwa wenn es darum geht, dass in den Romanen des Bruders überhaupt mal Frauen auftauchen.
In der finanzielle Mitte zwischen den beiden befindet sich Tom (Topher Grace, That '70s Show), der zwar schon zahlreiche Bücher geschrieben hat, damit aber nur überschaubaren Erfolg hat. Seine Frau Marina (Karla Souza, How to Get Away with Murder) war einst als Anwältin tätig und scheint jetzt mit dem Kindersegen des Paares überfordert zu sein, so dass sie gerne zu tief ins Glas schaut. Da auch Tom knapp bei Kasse ist, möchte er den millionenschweren kleinen Bruder Connor um einen Kredit bitten - weil er jedoch weiß, wie seine Schwester Sarah drauf ist, hat er Probleme damit, beim Besuch des riesigen Anwesens zur Sache zu kommen.
Die Kinder der Geschwister sind derweil vom Luxus beeindruckt. Als dann zur Sprache kommt, dass das nächste Thanksgiving mit den Eltern der drei in der Karibik gefeiert werden soll, bricht ein Streit aus, der aber auch die Wahrheit ans Licht bringt.
Ein neues Modern Family?

Serien wie Home Economics gab es in den vergangenen Jahren wohl schon einige. Modern Family, Life in Pieces, Splitting up Together, The Goodwin Games oder Single Parents kommen einem da in den Sinn. Darin geht es meistens um Patchworkfamilien, Großfamilien oder befreundete Individuen, die gemeinsam das Leben meistern und sich bei der Kindererziehung helfen. Oftmals laufen solche Single-Kamera-Formate, wie auch in diesem Fall, bei ABC, wo sie auch gut hinpassen. Am ehesten möchten die Macher wohl so eine Art modernes Modern Family machen, das aber nicht als Mockumentary daherkommt und den Fokus noch mehr auf die Geschwisterbeziehung und ebenso die finanzielle Situation der Beteiligten legt.
Bei Home Economics kann man einige typische Krankheiten eines Piloten feststellen. Man möchte beispielsweise sehr hip erscheinen und erwähnt deswegen einige Trends, wie zum Beispiel TikTok und Influencer, und wählt in manchen Fällen einen sehr groben Pinselstrich in der Charakterisierung, um das Thema der Serie zu untermauern. Leidtragende ist die Figur Sarah, deren Darstellerin ein bisschen zu dick auftragen muss, was ihre Marotten angeht. Schlimm finde ich das nicht, aber das kann alles gerne etwas subtiler und weniger mit dem Holzhammer in den weiteren Folgen eingestreut werden. Auch Marinas Null-Bock-Attitüde und ihr Trinkproblem wirken zunächst etwas befremdlich, wenn man ihre Schauspielerin jahrelang in einer dramatischen Serie gesehen hatte (nämlich How to Get Away with Murder). Daran gewöhnt man sich aber sicher schnell. Ich verstehe allerdings, dass man bei einem Piloten, mit dem man bei den Senderchefs auffallen muss, auf solche Mittel zurückgreift. Zudem müssen ja auch die Zuschauer die Figuren und ihre Unterschiede erst einmal kennenlernen. Da erscheint Grace als Tom schon fast etwas zu zahm, wenn nicht sogar lahm dagegen. Die Darsteller wirken an sich aber eigentlich alle recht sympathisch und haben auch eine gute Chemie miteinander, was bei einer solchen Serie enorm wichtig ist.
Natürlich gibt es im Verlauf der ersten Episode ein paar Geheimnisse, die rauskommen müssen: Toms Bitte um Geld, Sarahs Jobverlust und die Tatsache, dass Connor ohne Ehefrau Emily auskommen muss, da sie ihn betrogen hat, und er nun die Unterstützung der Geschwister braucht, bringen das Ganze erst ins Rollen. Die Szene, in der sie in den Miniatur-Autos eine kleine Verfolgungsjagd veranstalten, fand ich dabei sogar einen witzigen Einfall. Connors gigantisches Haus (inklusive High-Tech-Toilette, gym und Spielzimmer) macht ohnehin jeden neidisch, wobei dieser Blick auf die Golden-Gate-Bridge dann doch etwas zu viel des Guten scheint. Das Spiel Monopoly spielt ebenfalls eine Rolle und einige Spieler werden von Connor eiskalt analysiert, was ich ebenfalls durchaus sehenswert finde.
Nach einer Folge ist es dementsprechend ohnehin zu früh, Vergleiche zu anderen Formaten zu rechtfertigen, zumal sich seit der Premiere von Modern Family so viel getan hat, so dass es für Network-Comedyserien immer schwerer wird, zum Hit zu werden. Schleichend konnte „MoFa“ damals allerdings einige gesellschaftliche Änderungen in die Handlung einbauen (gleichgeschlechtliche Ehe, Beziehungen mit großem Altersunterschied, Adoption, et cetera), ohne dass es die Zuschauer groß „störte“, sondern vielleicht sogar eher noch zur Akzeptanz im Mainstream beisteuerte. Ansätze sehe ich davon auch hier, besonders bei Sarah und Denise. Nur muss man sicherlich auch aufpassen, dass gewisse Ideen nicht zu penetrant vorgetragen werden.
Fazit

So sehr mir der erste Geschmack von Home Economics eigentlich gefallen hat, so skeptisch bin ich leider auch, ob man damit in den Einschaltquoten punkten kann. Ich würde mir weitere Folgen jedenfalls angucken und das ist das, was solche Formate ja eigentlich erreichen wollen. Gespannt bin ich, inwiefern auf den finanziellen Unterschieden nun wirklich „herumgeritten“ wird und ob sie ein wichtiges Handlungselement bleiben oder ob man sich sehr bald zur normalen Familiencomedy mausert. Wem andere ABC-Comedys der letzten 20 Jahre in diesem (Sub-)Genre zugesagt haben, könnte hier auch gut amüsiert werden - aber, wie so oft in einem Piloten, gibt es auch noch reichlich Verbesserungspotential.
Hier der Trailer zur Serie „Home Economics“: