Home Before Dark 1x01

© zenenfoto aus der Pilotepisode der US-Serie Home Before Dark (c) Apple TV+
Apple TV+ präsentiert ab sofort die neue Serie Home Before Dark, die im Vorfeld gar nicht so leicht einzuschätzen war. Handelt es sich um eine Kinderserie, nur weil eine junge Protagonistin im Zentrum steht? Ist es doch eher eine Serie für Erwachsene, weil Verbrechen und gar Morde eine gewisse Rolle spielen? Nach der Sichtung der ersten Folgen kann man sagen: Es ist eine Mischung aus beidem. Ganz jungen Zuschauern sollte man den Stoff vielleicht noch nicht an die Hand geben. Aber ab zehn oder zwölf Jahren könnte man es wohl probieren, sofern man selbst als Erziehungsberechtigter einmal Probe schaut. Die Protagonistin Hilde ist wie ein Mischmasch aus Lisa Simpson, Veronica Mars und Nancy Drew.
Worum geht es in Home Before Dark?
In den ersten drei Minuten erzählt uns Hilde (Brooklynn Prince) selbst per Voiceover das Wichtigste vorab. Sie und ihre Familie müssen von Brooklyn nach Erie Harbor ziehen, weil der Vater Matt (Jim Sturgess) seinen Job als Journalist verliert. Im Haus seines Vaters können sie umsonst leben, da der Opa inzwischen im Pflegeheim wohnt und an Gedächtnisproblemen leidet. Zwar werden Hilde immer wieder Versprechen gegeben, dass die Lage nur temporär ist, aber sie ist schlau genug, um zu wissen, dass die Erwachsenen den Kindern gerne mal Notlügen erzählen. Die sehr neugierige und forsche Hobby-Journalistin wittert überall eine große Story und hat in ihren jungen Jahren schon ein gutes Auge für die kleinsten Details und Abweichungen von der Norm entwickelt. Obwohl ihre beiden Schwestern und ihre Eltern sie immer dazu anhalten, nicht so neugierig zu sein, kann sie es nicht unterlassen, auf eigene Faust nach einer großen Story zu suchen.
Bald findet sie dann auch etwas bei ihrer Nachbarin Penny Gillies (Sharon Taylor), die täglich einen Vorgartenverkauf veranstaltet und früher mit ihrem Vater befreundet war, was Hilde stutzig macht. Kurze Zeit später hat Penny angeblich einen Unfall und wird für tot erklärt. Wusste sie etwas zu einem Vorfall aus der Vergangenheit von Matt?

Hilde bleibt hartnäckig und veröffentlicht online eine Artikel, wird daher jedoch zum Stadtgespräch und auch in der Schule zum Ziel von Lästereien. Doch auch das bringt sie nicht von ihrem Ziel ab und so geht sie zur Polizei, bei denen sie Akteneinsicht verlangt. Auch dort wird sie zunächst müde belächelt, bis eine weibliche Beamtin mit ihr zusammenarbeitet und ihr zumindest einige weitere Anhaltspunkte zum Fall liefert. Weil der Artikel aber weitere hässliche Kommentare nach sich zieht, wollen die Eltern diese vor ihr geheim halten. Doch Hilde hasst Geheimnisse und beschließt, den Hass öffentlich in der Cafeteria vorzulesen. So erhält sie ein paar neue Mitstreiter und kann auch im Büro der Schulleiterin schnüffeln, die ebenfalls etwas zu verstecken scheint...
Auf einem versteckten VHS-Tape findet sie eine Aufnahme, die eine Entführung zeigt, welche ihr Vater womöglich vor der Familie verbirgt und die Penny zuvor bereits angedeutet hatte. Auf den Rat ihrer Schwester Izzy (Kylie Rogers behält sie das Geheimnis über die Videokassette zunächst für sich. Doch gegenüber ihrem Vater, der selbst auf dem Dachboden des neuen Zuhauses alte Geheimnisse ausgräbt, kündigt sie an, dass sie der Wahrheit weiterhin auf der Spur bleiben will, ob er sie nun dabei unterstützt oder nicht. Matt sieht ein, dass er ihren Forscherdrang nicht aufhalten kann und überreicht ihr seine alte Kamera. Dabei sehen wir, dass die beiden in ihrer Kindheit ähnlicher waren, als er es mittlerweile zugeben möchte. Doch was hat sich seitdem ereignet?
Be smart. - I rather be brave.

Hilde ist eine moderne Protagonistin, wie sie im Buche steht. Für ihr Alter von gerade einmal neun Jahren ist sie schon sehr reif und schlau, manchmal auch etwas altklug und kaum aufzuhalten, auch wenn ihr stets Steine in den Weg gelegt werden. Ihr Drang für Geschichten verfolgt sie immer zu und so leicht lässt sie sich in dem Punkt weder durch die Familie noch die Schulkameraden, die Polizei oder andere Erwachsene entmutigen. Das muss man natürlich erst einmal schlucken und akzeptieren, wenn man sich auf den Stoff einlassen will. Die Hauptdarstellerin Brooklynn Prince macht ihre Sache aber in der Regel so überzeugend, dass ich zumindest keine Probleme damit hatte. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass sie manchem etwas zu kompetent ist. Allerdings hat der Stoff tatsächlich reale Ursprünge. Die Serie wurde nämlich inspiriert von der Investigativjournalistin Hilde Lysiak, die im Alter von neun Jahren einen Mord in ihrer Heimatstadt Selinsgrove, Pennsylvania aufdecken konnte und die Nachricht in einer eigenen Zeitung namens Orange Street News verbreitet hatte.
Gut ist, dass sie auch der eigenen Familie mit ihrem Verhalten manchmal etwas auf die Nerven geht, was besonders im Geschwisterverbund recht realistisch erscheint. Ob man allerdings einer neunjährigen wirklich Akteneinsicht bei Verbrechen gewähren würde, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Sie ist im Piloten oft eigenbrötlerisch unterwegs und passt sich wenig an, was durchaus an eine tiny Veronica Mars erinnern kann, denn dieser war die Wahrheit auch stets wichtiger als das eigene Image. Die Dialoge sind okay, beherbergen aber auch so manche Perle, wie zum Beispiel die Überschrift des Abschnitts. Aber auch der folgende Austausch brachte mich zum Aufhorchen: „Shouldn't you be at school?“ - „Crime doesn't care if it's third period!“ Persönlich gefallen mir auch die Momente des female empowerment und das Format liefert für die potentiellen weiblichen, jungen Zuschauer auch gleich mehrere positive Identifikationsfiguren.
Das Mysterium um die Vergangenheit des Vaters wird derweil langsam aufgebaut und es wirkt insgesamt etwas komisch, dass er das Geheimnis wohl auch vor seiner Frau verbirgt. Allerdings ist es logisch, dass man sich im Ort kennt und viele frühere Bekannte weiterhin dort leben und um die Geheimnisse wissen. Schon in der zweiten Folge gibt es dahingehend außerdem weitere Entwicklungen und Gespräche, so dass man immerhin schnell mehr dazu erfährt und auch die eigentlich Verdächtige entlastet wird. Dazu kommt noch, dass auch der Opa und dessen Gesundheitszustand die Familie beschäftigt, während Hildes Crew bald durch ein paar charmante Kameraden und Hobbydetektive anwächst. Einige Probleme innerhalb der Familie ließen sich aber recht einfach lösen, wenn man etwas offener in der Kommunikation wäre, was sowohl für Hilde als auch ihren Vater Matt gilt, aber auch für diesen und seine Frau Bridget (Abby Miller). Ich fürchte jedoch, dann hätte man weniger Material für eine Serie... Wahrscheinlich wird der große Fall in der Debütstaffel aufgeklärt. Eine zweite Staffel war bereits vor dem Start bestellt worden.
Die Regiearbeit an der Pilotepisode lag in den fähigen Händen von John M. Chu („Crazy Rich Asians“). Dana Fox und Dara Resnik sind die Drehbuchautoren und ebenso die Serienschöpfer. Auch die musikalischen Einsätze haben mir gut gefallen. Der Soundtrack besteht unter anderem aus dem belgischen Kinderchor Scala und zum Ende hin gibt es eine schöne „Invincible“-Coverversion mit Kinderstimmen. Während die ersten Episoden noch etwas über 50 Minuten lang sind, variiert die Laufzeit der anderen Folgen dann auch etwas und tendiert eher in Richtung 40 oder 45 Minuten, was ich für den richtigen Weg halte. Die ersten beiden Episodenenden machen dennoch direkt Lust aufs Weiterschauen.
Fazit

Es ist wahrscheinlich nach den ersten beiden Episoden noch früh, um etwas Genaueres zu sagen. Ich glaube persönlich auch, dass den Serien von Apple TV+ bisweilen etwas der Buzz fehlt, aber das, was Stranger Things für das Retro-Sci-Fi-Genre war, könnte Home Before Dark für den Young-Adult-Krimi sein. Denn letztlich hat die Produktion alles in allem Folgendes zu bieten: einen ziemlich starken Cast mit einer forschen Protagonistin und etlichen Geheimnissen, die es aufzudecken gilt, sowie ein Format, was seinen ganz eigenen Sog entfacht.
Hier der Trailer zur neuen Serie „Home Before Dark“:
Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 3. April 2020Home Before Dark 1x01 Trailer
(Home Before Dark 1x01)
Schauspieler in der Episode Home Before Dark 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?