Mit Heroes: Reborn versucht das US-Network NBC an den Erfolg der beliebten Superheldenserie Heroes anzuknüpfen. Klappt die Wiedergeburt oder werden wir nur Zeugen billiger Schaustellertricks?

Noah Bennett (Jack Coleman) greift wieder zu seiner berühmten Brille. / (c) NBC
Noah Bennett (Jack Coleman) greift wieder zu seiner berühmten Brille. / (c) NBC

Wer die Begriffe „Heroes“ und „Reborn“ hört, ist sicherlich durch die verschiedenen Versuche der Mutterserie, ihre eigene Prämisse immer wieder zu ändern, äußerst negativ vorbelastet. Nun präsentiert NBC mit Heroes: Reborn einen (fast) kompletten Neuanfang, der vor allem eines gut beherrscht: die Kunst des Vergessens. Doch während wir nur noch ein paar alte Bekannte zu Gesicht bekommen, schafft es der Pilot, zunächst eine spannende neue Ausgangssituation zu schaffen.

I'll see you soon, Claire-Bare!

Der Pilot startet dabei direkt mit einer Doppelfolge, von der ich beide Hälften separat besprechen werde. Sie laufen wie bereits in der Mutterserie unter einem Überthema namens „Awakening“, von welchem „Brave New World“ das erste Kapitel darstellt. Die Fans der Mutterserie werden auch direkt angesprochen, indem uns Noah Bennett (Jack Coleman) zu Beginn in die Geschichte zurückholt und uns an das bekannte Motto „Save the world, save the cheerleader“ erinnert.

So erfahren wir per Voice-Over, dass der Ziehvater anscheinend kein allzu nahes Verhältnis mehr zu Claire (nur akustisch vertreten: Hayden Panettiere) pflegt und diese sich von ihm distanziert hat. Stattdessen fiebert er dem großen Ereignis der Gleichstellung zwischen Menschen und Evos (Menschen mit Fähigkeiten) entgegen, der „Evos and Humans United“-Messe in Odessa.

Na; wo sind sie denn? © NBC
Na; wo sind sie denn? © NBC

Doch nachdem es bei der Messe zu einem terroristischen Anschlag kommt, scheitert die Gleichstellung und wir erfahren in verschiedenen Szenen, wie Evos nun auf der ganzen Welt verfolgt werden, und (durch eine spätere Rückerzählung) zudem, dass anscheinend auch Claire an diesem Ort ihr Leben verlor, wie auch immer das geschehen sein soll. Somit setzt Heroes: Reborn den Ereignissen von Heroes mit einem großen Knall ein Ende, um fortan ihre neuen Charaktere zu etablieren.

All Humans are equal, but some are more equal than others

Und auch diese Etablierung beginnt äußerst spannend. So sehen wir, wie unter anderem Jungspund Tommy (Robbie Kay) und der mysteriöse Luke (Zachary Levi) Teil eines geheimen Treffens von Evos werden, Doch auch dieses Treffen stellt sich als Massaker heraus, das Luke und seine Partnerin Joanne (Judith Shekoni) zur Ausrottung der restlichen Evos inszeniert haben. Was genau ihre Beweggründe dabei sind, bleibt noch unklar, anscheinend hat Luke jedoch sein Kind ebenfalls bei der Messe vor über einem Jahr verloren.

Insgesamt dreht sich der Serienpilot natürlich darum, besonders viele Mysterien und Verweise auf die Mutterserie aufzubauen, was insgesamt mal besser und mal schlechter gelingt. So bekommen wir unter anderem zu sehen, dass Tommy die bekannten „9th Wonders“-Comics liest, Tommy an der „Pinehearst High School“ oder der Mexikaner Jose (Lucius Hoyos) an der „Linderman Junior High School“ ist. Was genau Linderman oder Pinehearst mit dem Schulwesen in Heroes: Reborn zu tun haben, erschließt sich mir noch nicht.

Luke (Zachary Levi) und Tommy (Robbie Kay) treffen sich auf Kaffee und Kuchen. © NBC
Luke (Zachary Levi) und Tommy (Robbie Kay) treffen sich auf Kaffee und Kuchen. © NBC

Ein weiteres großes Rätsel stellt der Verbleib des Wissenschaftlers Mohinder Suresh (Sendhil Ramamurthy) dar, der anscheinend in der Öffentlichkeit als Terrorist hinter dem 13. Juni dargestellt wird und diese Tat auch selbst zugegeben haben soll. Jedoch erfahren wir immer wieder, dass dies nicht der Wahrheit entspricht.

Neben dem von Luke und Joanne verfolgten Tommy, dessen Kraft mich als One Piece-Fan an Kuma erinnerte, gehören anscheinend vor allem Carlos (Ryan Guzman) und dessen Neffe Jose sowie die Japanerin Miko Otomo (Kiki Sukezane) zu den zentralen Charakteren der neuen Serie, die jedoch gleichzeitig die wohl trashigeren Plots präsentieren dürfen.

Denn während Jose dem maskierten Evo „El Vengador“ entgegenfiebert, der sich schließlich als sein eigener Vater Oscar (Marco Grazzini) herausstellt und seine Maske am Totenbett an den vom Kriege vor allem durch seine Alkoholsucht gezeichneten Carlos weitergibt, darf uns die hippe Japanerin ihre ganz, ganz besondere Kraft zeigen.

Save the Game, save the Ice-Cream-Girl

Denn ihre Wohnung wird von dem Profi-Gamer Ren (Toru Uchikado) aufgesucht, der ihre Adresse als Geheimnis in dem Videospiel „Evernow“ freigespielt hat. Ren glaubt in dem jungen Mädchen die Heldin Katana-Girl wiederzuerkennen. In einem weiteren Comicbeleg erfährt sie zudem, dass sie durch ein mächtiges Katana-Schwert ihres Vaters an besondere Kräfte kommen soll.

Wer jetzt allerdings glaubt, dass wir es vielleicht mit der Tochter des Schwerter schwingenden Hiro Nakamura (Masi Oka) zu tun haben, irrt, denn stattdessen ist sie die Tochter des bisher unbekannten Hachiro Otomo, der zudem der Autor des Comics ist. In ihrer letzten Szene der Pilotepisode betritt sie schließlich das geheime Zimmer ihrer Wohnung und wird per Schwerterzug tatsächlich zu der lumpig animierten Videospielheldin ...

Japan = Katanas + Animationen © NBC
Japan = Katanas + Animationen © NBC

Die wesentlich besser funktionierenden Plots sind dagegen die von Tommy und Noah Bennett, der sich anscheinend ein neues, langweiliges Deckleben nach seiner Arbeit in der Papierfabrik zugelegt hat. So heißt dieser nun Ted Barnes und verkauft Autos in Austin. Doch die anscheinend von ihm gelöschte Vergangenheit holt ihn langsam ein, sodass er nach einem obskuren Besuch eines Verteidigers Mohinders schließlich seine alten Notizen durchsucht und in der Lumiere Augenklinik landet.

Hier kommt es nun zu dem spannenden Wiedersehen mit seinem ehemaligen Kollegen, dem „Haitian“ (Jimmy Jean-Louis), der sich zunächst als Freund ausgibt, und ihn dann, nach einer sehr schönen Übergabe der „Horny Rimmed Glasses“, zu erwürgen versucht. Was in seinem eigenen Tod mündet. Wie wir nun erfahren, war es Noah selbst, der ihm den Mord erteilt hat. Was also wurde alles aus seinem Gedächtnis gelöscht und was verbirgt sich dahinter noch?

Fazit: Reborn

Wer im Piloten von Heroes: Reborn auf Anhieb das gleiche Gefühl erwartet, dass wir zu Beginn der ersten Staffel der Mutterserie bekamen, kann sicherlich nur enttäuscht werden. Stattdessen scheint die Wiedergeburt, die NBC anstrebt, wie bereits die Mutterserie ein paar Parallelen zum „X-Men“-Universum zu bieten.

Save the Ice-Cream-Girl! © NBC
Save the Ice-Cream-Girl! © NBC

Nicht nur das zentrale Erzählelement der unterdrückten und verfolgten Minderheit von Superkräfteträgern, die hier eine deutliche Anspielung auf die Gleichstellung von Homosexuellen und Heterosexuellen darstellen, finden wir bereits in den bekannten Marvel-Comics. Zudem scheint Heroes: Reborn eine Art „Days of the Future Past“ zu sein, das versucht, die Fehler der Vorgänger auszumerzen. Wie geschickt das klappen wird, bleibt abzuwarten.

Insgesamt macht Heroes: Reborn jedoch einen soliden Pilotenjob, der jetzt zwar keine wahnsinnigen Überraschungen und Plotelemente bietet, jedoch mit Noah, Tommy und dem mysteriösen Glatzenmann drei interessant wirkende und mit Miko und Carlos zwei eher trashig wirkende Stränge bietet. Sollte die Serie an die erste Staffel von Heroes herankommen wollen, bleibt es abzuwarten, ob geschichtliche Ereignisse wie die Position eines Evo-Senators in Form von Nathan (Adrian Pasdar) aufgegriffen werden.

Das Review zum zweiten Teil des Piloten, „Odessa“, findet ihr hier.

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