Hellcats 1x01

Hellcats 1x01

Zwischen Flickflacks und Hinternwackeln: Hellcats, die neue Cheerleading-Serie bei The CW, scheut sich nicht davor, vor allem was fürs Auge zu sein. Der Lichtblick ist ein unerwarteter: Ahley Tisdale.

Der Cast von „Hellcats“ / (c) CW Television Network
Der Cast von „Hellcats“ / (c) CW Television Network

Smile, they're only cheerleaders.“ Gerade noch haben sich Jurastudentin Marti (Alyson Michalka) und ihr Kumpel Dan (Matt Barr) aus der Ferne über die Cheerleader ihrer Uni amüsiert, da werden die peppigen Hüpfdohlen Martis letzte Hoffnung: Entweder sie schafft es ins Team und bekommt so ein Stipendium - oder es ist vorbei mit dem Traum von Abschluss, Karriere und einer besseren Zukunft. Ein paar markige Sprüche und Flickflacks später ist es geschafft und Marti zieht widerwillig nach Cheertown, ihrer persönlichen Hölle aus Pompoms.

Natürlich bietet die neue CW-Serie Hellcats auch die unvermeidlichen Referenzen an „Girls United“ („Bring It On“), jenen Cheerleader-Film mit Kirsten Dunst und Eliza Dushku, der das Genre vor zehn Jahren überhaupt erst erschuf. Alles, was danach kam, war ein unorigineller Abklatsch. Die goldenen Regeln dabei: Cheerleading ist ein Sport, Cheerleading ist keine Demokratie, und wer fällt, verliert.

Auch „Hellcats“ kann kaum etwas Neues bieten, zumal die Serie stellenweise so wirkt, als sei schlicht eine andere Teen-Sendung des Senders ein wenig umgemodelt worden. Den Zusammenstoß von zwei Welten - die von Marti, die es nicht leicht hatte in ihrem Leben, und den Cheerleadern, die im übertragenden Sinne wohl die Oberschicht darstellen sollen, - findet man auch in 90210, Gossip Girl oder den frühen Folgen von One Tree Hill.

Sie alle leben von diesem Leitmotiv, das mindestens ebenso wichtig ist wie das klassische Miteinander von Protagonist und Antagonist (in diesem Fall die verletzte Alice, dargestellt von Heather Hemmens). Beiläufig versucht „Hellcats“ auch die ganz große Geschichte von Träumen und Scheitern zu erzählen: das Mädchen mit White-Trash-Mutter (Gail O'Grady), das dem Prekariat entfliehen will. Noch so ein quasi-traditionelles Motiv, das jedoch zumindest in der ersten Episode noch nicht wirklich begeistert.

Da Protagonistin Marti mit ihrer pseudo-rebellischen Attitüde vor allem das Potential hat, zu nerven, ist es an „High School Musical“-Starlet Ashley Tisdale, der Serie über Pepp den notwendigen... nun ja: Pepp zu geben. Was überraschenderweise sogar ganz gut funktioniert. Sie spielt den überoptimistischen Cheerleader-Captain Savannah, die spirituelle Leitfigur für das Team ist statt Ober-Bitch - eine schöne Abwechslung zu den sonst typischen Erzählungen von Cheerokratie.

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Heather Hemmens und Ashley Tisdale; Antagonistin und Comic Relief in %26bdquo;Hellcats%26ldquo; © CW Television Network
Heather Hemmens und Ashley Tisdale; Antagonistin und Comic Relief in %26bdquo;Hellcats%26ldquo; © CW Television Network

Die zu Beginn suggerierte feindliche Stimmung zwischen ihr und Marti verpufft noch in der Pilotepisode. Und nach 42 Minuten stellt man staunend fest, dass die wenigen Momente, in denen man sich wirklich amüsiert hat, vor allem der etwas neurotischen Savannah zu verdanken sind. Etwa als sie fragt: „If we're going to improvise, shouldn't we make some sort of plan?“ Oder als sie ein anderes Mal Martis Witz nicht gleich als solchen versteht und beiläufig meint: „We should come up with a signal for that to avoid confusion.

Die Hoffnung auf einen ironischen Umgang mit dem Genre, die eine Serie über Cheerleading durchaus interessant machen würde, wird in der ersten Folge leider vorerst enttäuscht. Hellcats macht von Anfang an keinen Hehl daraus, was seine vorrangigen Qualitäten sind: Gefühlt die Hälfte der Pilotepisode wackeln junge Schauspielerinnen, allen voran Aly Michalka, wild mit dem Popo. Während sich die Zuschauerinnen bei The CW an den - wie so oft pseudo-spontanen, aber beeindruckenden - Choreografien erfreuen, sollen die schönen schlanken Tänzerinnen in ihren kurzen Röcken zweifelsohne auch männliches Publikum locken.

Alles in allem ist „Hellcats“ das perfekte Twen-Drama für den geneigten CW-Zuschauer. Der weiß, welche Art von Unterhaltung er zu erwarten hat: soapig-oberflächlich, vorhersehbar und stellenweise klischeehaft. Auch wenn die Hellcats ebenfalls von Budgetkürzungen bedrohte Underdogs sind, ist die Serie noch weit davon entfernt, das „Glee“ des Cheerleading zu werden. Was aber gar nicht schlimm ist, für ein Guilty Pleasure reicht es allemal.

Am Ende jedoch ist es mit Hellcats wie mit ähnlichen Formaten: Cheerleading hat in Amerika eine über hundertjährige Tradition. Wer das Konzept von Pepp und Rally, von Anfeuern und Wettbewerben nicht versteht, der wird zwar über die Akrobatik energisch in die Hände klatschen - aber den Kopf schütteln, wenn wiederum die Cheerleader energisch in die Hände klatschen.

Verfasser: Carolin Neumann am Donnerstag, 9. September 2010

Hellcats 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Hellcats 1x01)
Titel der Episode im Original
A World Full of Strangers
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 8. September 2010 (The CW)
Autor
Kevin Murphy
Regisseur
Allan Arkush

Schauspieler in der Episode Hellcats 1x01

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