Helix 1x13

In den USA ging die erste Staffel von Helix bereits Ende März dieses Jahres zu Ende, in Deutschland strahlte das deutschsprachige Pendant zum US-Sender Syfy dann ab 10. April die 13-teilige erste Staffel des eisigen Thrillerdramas aus. An diesem Donnerstag, den 03. Juli 2014, läuft nun hierzulande die synchronisierte Fassung des Staffelfinales - und die Meinungen zu ebendiesem dürften gewaltig variieren.
Nicht wenige waren überrascht, als kurz nach dem Ende der ersten Staffel die Nachricht die Runde machte, Syfy hätte das von Ronald D. Moore (Star Trek: The Next Generation und weitere Ableger, Battlestar Galactica, Caprica, Outlander) mit produzierte und mit konzipierte „Helix“ nun doch noch eine zweite Staffel à 13 Episoden beschert. Diese Entscheidung ließ ziemlich lange auf sich warten, was wohl auch an den Woche für Woche sinkenden Einschaltquoten lag.
Zwischen Genreserie, Trashformat und Quotenschreck
Aber auch rein qualitativ musste sich „Helix“ einiges an Kritik gefallen lassen. Viele Kritiker waren kurz vor der Ausstrahlung der finalen Episoden gar der Meinung, dass dem Virenthriller eine abgeschlossene Handlung guttun würde und man es bei den 13 Episoden aus der ersten Staffel belassen sollte. Kurz nachdem dann die letzte Episode der ersten Staffel im TV lief, wurden schnell einige Unkenrufe laut, dass selbst die Serienmacher von der plötzlichen Verlängerung ihres Formats überrascht wurden. Also hätte man sich auf den letzten Metern der finalen Folgen noch schnell einen kleinen Kniff einfallen lassen, um für die Fortführung der Geschichte genügend Spielraum zu haben.

Inwiefern das Ende der ersten Staffel dann wirklich die Zuschauer der Serie zufriedenstellte, darf angezweifelt werden, wurden doch bereits nach gut der Hälfte der 13 Episoden der Premierenstaffel erste Abnutzungserscheinungen deutlich. Dabei wanderte „Helix“ stets auf dem schmalen Grat zwischen packendem Horrorthriller und hanebüchenem Trash. Wo man gerade zu Beginn noch oftmals nägelkauend und wie gefesselt vor dem Bildschirm saß, trieben einem das eigenartige „Plotting“ sowie ein gar übernatürlicher Einschlag zum Ende hin ein Runzeln auf die Stirn.
Doch mit der angemessenen Sichtweise bezüglich „Helix“ konnten Serienfans dem ohne Frage unterhaltsamen, gelegentlich recht spannenden, jedoch oftmals auch ziemlich konfusen Finale der ersten Staffel auch etwas abgewinnen. Die richtige Einordnung des Syfy-Formats stellte sich bereits früh in der ersten Staffel als sehr hilfreich heraus. Allzu ernst sollte man das Ganze lieber nicht nehmen, auch einige abstruse Einfälle der Autoren sollte man besser weglächeln. So würden einem viele frustrierende Momente erspart bleiben und „Helix“ könnte mit seiner nicht uninteressanten Prämisse und dem kurzweiligen Aufbau als solide Fernsehunterhaltung durchgehen, was sich am Ende der ersten Staffel so auch durchaus bestätigt hat.
Gefangen in der Eishölle
Die Ausgangssituation in Helix ließ einige Gruselfans klassischer 80er-Jahre-Horrorstreifen zweifellos hellhörig werden: Ein Team an Wissenschaftlern und renommierten Virologen reist zu einer abgeschotteten Forschungsstation inmitten der Arktis, um dort einen scheinbar verheerenden Virus zu untersuchen. Dort angekommen stellt sich nach einer Weile die Situation als weitaus prekärer heraus als zuvor angenommen.
Die Anzahl der Infizierten nimmt stetig zu, diese wiederum ähneln alsbald flinken Untoten, die den wenigen Übriggebliebenen ans Leder wollen. Zusätzlich umgibt den führenden Forscher der Forschungsbasis ein dunkles Geheimnis, das geradezu danach schreit, aufgelöst zu werden. Und als wäre das noch nicht genug, hat auch noch ein dubioses Unternehmen seine Finger mit im Spiel und sieht in dem Virus eine Chance auf... ja, auf was eigentlich? Eine Frage, deren Beantwortung wohl in der zweiten Staffel von „Helix“ folgen wird, die man sich jedoch als findiger Zuschauer auch selbst zusammenreimen kann.
Bereits früh erkennt man in „Helix“ klassische Genreelemente. Ob nun „The Thing“ aus 1980 von Genreurvater John Carpenter, die beiden frühen „Alien“-Filme, das „Resident Evil“-Franchise oder jeder x-beliebige Film über den Ausbruch eines tödlichen Virus - „Helix“ nimmt sich in voller Gänze seinem Genre und dessen Konventionen an, was man durchaus positiv bewerten kann. Einige Situationen gestalten sich zwar als vorhersehbar, aber dennoch ist es erfrischend, kein zigtausendes Spin-off der „CSI“-Marke oder Ähnliches zu sehen, sondern eben eine klassische Genreserie, die mit Referenzen an die oben genannten Titel um sich wirft und so nicht wenige Zuschauer unterhalten kann.

Die Atmosphäre macht's
Insbesondere die ersten Folgen von „Helix“ wussten die Stärken dieses Genres auszuspielen. Es war ein ruhiger Einstieg, gepaart mit einigen düsteren Andeutungen und Geheimnissen an allen Ecken und Enden. Der schmallippige Stationsleiter Dr. Hiroshi Hatake (Hiroyuki Sanada) hielt immer wieder mit wichtigen Informationen hinter dem Berg, das Team um Dr. Alan Farragut (Billy Campbell) stocherte wild im Ungewissen herum, was die Ursache des Virus sein und vor allem wie man ein Gegenmittel dafür entwickeln könnte.
Dabei punktete „Helix“ sogleich mit einer unangenehmen Atmosphäre, was zum großen Teil an dem authentischen Set lag. Lange, sterile Korridore, viele schattige Ecken in einer schier gigantischen Forschungsstation, geheime Ebenen innerhalb dieser, die tödliche Eiseskälte außerhalb der Anlage. All diese Komponenten trugen dazu bei, dass sich beim Zuschauer ein ähnlich beklemmendes Gefühl einstellte wie bei den Protagonisten.
Dieses Gefühl hielt sich lange, immer wieder gab es kleine bis mittelgroße Schocker zwischendurch, die gut getimt und ordentlich inszeniert waren. Das Mysterium des Virus, aber auch das Mysterium der Forschungsstation und einiger Charaktere entpuppte sich als ein guter Treibstoff für „Helix“, der immer wieder Überraschungen offenbarte und den Zuschauer auf dem falschen Fuß erwischte. Mit der Methode, jedem weiteren Tag in der abgelegenen Forschungsstation eine neue Folge zu widmen, wurde ein Rhythmus etabliert, der einen bei der Stange hielt und konstant Spannung aufbaute.
Hausgemachte Probleme
Zumindest bis zu einer bestimmten Stelle. Es ist schwer, den genauen Zeitpunkt auszumachen, an dem Helix einen fühlbar anderen Weg einschlug. Vermutlich war es kurz nach der ersten Staffelhälfte, als einige wenige Fragen beantwortet und gleichzeitig zahlreiche neue Fässer aufgemacht wurden. „Helix“ blieb zwar im Großen und Ganzen recht unterhaltsam, doch der Tempowechsel inmitten der ersten Staffel zog auch einige seltsame Entscheidungen ob der Handlung nach sich, die jedweder Logik entbehrten.
Dabei waren es vor allem Kleinigkeiten, die sich im Gesamtbild als störend erwiesen. An solchen Stellen war die zuvor erwähnte richtige Einstellung gegenüber „Helix“ von großem Nutzen, doch auch diese konnte einen nicht immer tolerant über einige Makel hinwegsehen lassen. Dabei waren die kleinen Fehler jedoch noch weit entschuldbarer als zum Beispiel das große Finale der ersten Staffel. Hier drehte die Storyline um das finstere Unternehmen Ilaria gänzlich ab und extrem überzeichnete Figuren sowie ein endgültig viel zu zweckmäßiges übernatürliches Element wurden eingeführt.

Womöglich war das der Plan der Serienmacher von Beginn an, dennoch hätte man sich weniger Holzhammer und mehr Selbstzügelung gewünscht. So wurde dem spannenden Virenthriller eine pulpige Trashvariante vorgezogen. Diese hatte sicherlich auch ihren Unterhaltungswert, unter anderem auch wegen einer recht expliziten Gewaltdarstellung mit dramatischen Konsequenzen. Dennoch ertappte man sich als Zuschauer oftmals dabei, wie man sich das stilvolle Gruselformat, was man in den ersten Episoden von „Helix“ zu sehen bekam, zurückwünschte.
Den Schauspielern möchte man in „Helix“ am wenigsten Vorwürfe machen, dass es zum Ende hin zu bizarr und eigenartig wurde. Generell lebte die Serie von Beginn an mehr von ihrer Atmosphäre als von allem anderen, darunter auch die Drehbücher zu den einzelnen Episoden. Diese waren zwar im Grunde genommen solide geschrieben und beinhalteten einige clevere Ideen, doch oftmals waren sie auch recht plump und viel zu wenig subtil. Die einzelnen Darsteller versuchten dennoch, das Bestmögliche aus diesen und ihren teilweise recht stereotypischen Charakteren herauszuholen.
Gemeinsam gegen Mensch und Virus
Auch wenn er es mit seiner Geheimniskrämerei oft auf die Spitze trieb, dem japanischen Charakterdarsteller Hiroyuki Sanada (Lost, Revenge) möchte man hier noch am meisten Lob aussprechen. Sanada konnte schon immer über seine unheimliche Präsenz und sein kraftvolles Auftreten punkten. Auch in der ersten Staffel von „Helix“ machte er in der Rolle des Forschungsstationsleiters Dr. Hiroshi Hatake immer wieder Gebrauch von diesen und fabrizierte so einige erinnerungswürdige Momente.
Hauptdarsteller Billy Campbell (The Killing, The 4400) wurde mit jeder Episode besser. Und auch wenn seine eintönigen Ansprachen nicht immer ihre Wirkung fanden, schlussendlich nahm man dem Amerikaner die Verkörperung seiner Figur und seine verzwickte Situation mit seinem infizierten Bruder durchaus ab. Kyra Zagorsky (Smallville) und Jordan Hayes (Flashpoint) übernahmen die beiden weiblichen Hauptparts. Beide bekamen ihren eigenen Subplot, der sowohl seine Tiefen als auch Höhen hatte. Im Endeffekt wusste aber Zagorsky als Dr. Julia Walker etwas besser zu überzeugen, auch weil sie mehr zu tun bekam.
Hayes hingegen fand sich zu oft den Grenzen ihrer Rolle der jungen Doktorandin Sarah Jordan ausgesetzt. Auch wenn sie ihre Sache ordentlich machte, oft sehnte man sich nach einer Art Initialzündung in ihrem Schauspiel als auch in der Entwicklung ihrer Figur. Die Auswüchse des Liebesdreiecks zwischen Alan (Campbell), seiner Exfrau Julia (Zagorsky), die dann mit seinem Bruder anbandelte, und Alans neuer Assistentin Sarah (Hayes) hielten sich in Grenzen und brachten ein wenig Abwechslung. Und das, obwohl dieses Storyelement klassischer nicht konzipiert hätte werden können.

Bei den Nebenfiguren waren die darstellerischen Leistungen eher wechselhaft. Nach nur wenigen Folgen wurde mit der lässigen Dr. Doreen Boyle (Catherine Lemieux) eine der sympathischsten Figuren eliminiert (auf äußerst unschöne Weise, wohlgemerkt). Meegwun Fairbrother konnte als rechte Hand und Ziehsohn Hatakes bis kurz vor seinem blutigen Ende nicht wirklich überzeugen, was vor allem an seinem immer gleichen Schauspiel lag. Da half auch keine dramatische Nebenhandlung für seine Figur. Mark Ghanime (Emily Owens, M.D.) schlüpfte in die Rolle eines zwielichtige Majors, der sich jedoch mehr wie ein plot device als ein wirklicher Charakter anfühlte.
Neil Napier (Bullet in the Face) machte sich dagegen als stummer Anführer der Infizierten und betroffener Bruder von Campbells Dr. Farragut insgesamt gut. Als er jedoch zum Ende hin geheilt wurde, blieb er eher blass, auch wenn er mit seinem undurchsichtigen Verhalten in der finalen Episode neue Fragen für die zweite Staffel aufwarf. Star Trek: Voyager-Fans wurden dann noch mit einem kurzen Gastauftritt von Jeri Ryan beglückt. Dieser verpuffte jedoch wieder ziemlich schnell und so pompös wie ihr Auftritt als Abgesandte Ilarias war, so unspektakulär blieb dieser. Ein Twist zum Ende hin sollte ihrer Figur ein wenig mehr Sinn geben, doch auch dieser entpuppte sich als recht abgedroschen.
Mit Pauken und Trompeten
Doch man kann über die vielen durchschnittlichen Leistungen einiger Darsteller und Darstellerinnen hinwegsehen. Ein paar mäßige computergenerierte Effekte (Stichwort: Laboräffchen), überdramatische Sequenzen und theatralische Dialoge - das alles kann man verzeihen, wäre da nicht ein Finale, das die Toleranzbereitschaft des Zuschauers noch einmal stark strapazierte. Vieles von dem, was sich hier ereignet, ist schlichtweg an den Haaren herbeigezogen (ein durch die Luft fliegender Kopf aus dem Nichts, eine plötzliche Schwangerschaft, ein dramatischer Tod jagt den nächsten) und dient dem Zweck, den Zuschauer mit allen Mitteln auf die nächsten großen Mysterien vorzubereiten, die auf uns in der nächsten Staffel warten werden.
Hier hätte etwas mehr Bescheidenheit und Zurückhaltung dem Ganzen ohne Frage sehr gutgetan, doch offensichtlich war man mehr daran interessiert, ein vollgepacktes Actionfinale mit schockierenden Cliffhangern abzuliefern, als stringent zu arbeiten und zumindest ein wenig sinnvoll die Handlungsebenen zusammenführen.
Von der Wucht des überraschenden Endes, das uns „Day 235“ präsentiert (also mehr als ein halbes Jahr nach den Ereignissen in der Arktis), war auch ich zugegeben noch einmal gepackt. So zeigte man uns doch zum Beispiel Julia in führender Position bei Ilaria. Das Unternehmen mit den vielen Geheimnissen, unklaren Zielen und Angestellten mit silbernen Augen und unnatürlichen Selbstheilungskräften wird in der zweiten Staffel von Helix wohl endgültig zum großen Bösen aufsteigen. Alan Farragut wird wohl alles daran setzen, Julia zurückzugewinnen und Ilarias Pläne zu vereiteln.

Neuausrichtung in der zweiten Staffel?
Am Ende der Staffel von „Helix“ war ich doch ein wenig enttäuscht, dass die sehenswerte erste Hälfte in packender Thrillermanier Platz machen musste für eine recht verwirrende Sci-Fi-Hatz. Dieser möchte ich den Unterhaltungswert nicht absprechen, doch zu oft machte man es sich zu einfach. Zu abgefahren und übertrieben waren einige Entscheidungen der Macher.
Dennoch sollten auch nicht die Stärken von „Helix“ unerwähnt bleiben. Als Genreserie macht das Syfy-Format nämlich einiges her und gerade die stimmungsvolle Atmosphäre zu Beginn der ersten Staffel hinterließ Eindruck. Wenn man sich in der zweiten Staffel wieder mehr auf diese konzentrieren kann und nicht zu sehr der Effekthascherei verfällt, wäre das sehr wünschenswert. Jedoch muss man auch abwarten, wie sich die neue Ausgangslage in der nächsten Staffel gestalten wird, ist das abgeschlossene Setting der arktischen Forschungsstation doch nun passé. Vorstellbar wäre eventuell ein Hauch von Agententhriller, der uns Alan im geheimen Kampf gegen Ilaria zeigt, samt Verrätern (sein Bruder Peter?) in den eigenen Reihen.
Ob ein solches Konzept dann aufgehen wird, bleibt abzuwarten. Mit der übernatürlichen Komponente hat man sich bereits jetzt schon viel aufgebürdet. Diese muss nun gut und sinnig verpackt werden, ansonsten drohen erneut bizarre Wendungen und fragwürdige Handlungsstränge. Vielleicht erwartet uns tatsächlich eine Art Neuausrichtung, was Erzählstruktur und -tempo angeht. Besinnt man sich auf seine alten Stärken, wäre dies durchaus wünschenswert.
Wie ist Eure Meinung zu Syfys Helix? Was hat Euch an der ersten Staffel gut gefallen, was hat Euch weniger gut gefallen? Diskutiert mit uns im Kommentarbereich oder im dazugehörigen Forum.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 3. Juli 2014(Helix 1x13)
Schauspieler in der Episode Helix 1x13
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