Hazbin Hotel 1x01

© Amazon
Dass die Hölle von „evil gays“ gemanagt wird, die stets ein Lied auf den Lippen haben und gar nicht so übel sind, wenn man sie erst kennenlernt, wissen wir spätestens seit dem South Park-Film „Bigger, Longer & Uncut“, der Satan als singende Süßmaus inszenierte. In eine ganz ähnliche Kerbe schlägt Vivienne Medrano („Helluva Boss“) mit ihrer animierten Musical-Comedy Hazbin Hotel, die genauso wenig für Kinder gedacht ist, und nach langer Wartezeit endlich als Serie erschienen ist.
Das Projekt begann schon vor vier Jahren mit einem Indie-Piloten, den man nach wie vor ganz legal auf YouTube abrufen kann. Die halbstündige Episode begeisterte erwachsene Cartoonfans mit einer ansprechenden Mischung aus niedlichen Charakteren mit teuflischem Touch, brillanten Musiknummern und absolut dreckigem Höllenhumor jenseits der Gürtellinie.
Der Auftakt der Amazon Prime Video-Serie, die von A24 mitproduziert wird, heißt passenderweise „Overture“ und spielt eine Woche später, funktioniert aber auch für sich als Einstieg. Durch einen stilisierten Prolog werden wir darüber informiert, dass die Lucifer und Lilith (Adams rebellische Erstfrau) eine Tochter namens Charlie Morningstar haben, die aktuell als Managerin der überbevölkerten Hölle fungiert. Einmal im Jahr wird diese von Oberengel Adam und seinen himmlischen Scharen heimgesucht, um die Höllenbevölkerung per Ausrottung in Schach zu halten. Wer hier schon mal gar nicht die offensichtlichen Guten sind, dürfte also klar sein.
Charlie hingegen glaubt fest daran, die Anzahl der Verdammten durch Rehabilitation niedrig halten zu können und eröffnete deshalb das Hazbin Hotel als potentiellen Übergang in den Himmel. Sie wird zwar von fast allen Höllenbewohner:innen dafür belächelt, lässt sich aber nicht von ihrer positiven Einstellung abbringen, wie sie mit dem ersten Song „Happy Day in Hell“ unter Beweis stellt, bei dem sie sich an kleckernden Kannibalen, vögelnden Furrys, vollgedröhnten Junkies und aufdringlichen Exhibitionisten vorbeiträllert. Stellt Euch eine Mischung aus „Mountain Town“ aus dem besagten „South Park“-Film und „Belle“ aus „Beauty and the Beast“ vor.
Charlie - Des Satans liebste Tochter
Während der satanic panic der 80er Jahre wäre „Hazbin Hotel“ ein gefundenes Fressen für fundamentalistische Christen gewesen, die sich vermutlich heute noch über das blasphemische Beelzebub-Propagandaformat aufregen können. Schließlich werden die verdammten und/oder dämonischen Charaktere der Hölle als komplizierte Sympathieträger dargestellt, während die Lawful-Good-Soldaten des Himmels als autoritäre Arschgeigen gezeichnet sind. Subtil ist das nicht, das will man im Fall dieses überzogenen, aberwitzigen Musikeinlagen-Cartoons aber auch gar nicht sein. Dass die Hölle mehr Spaß macht als der Himmel, haben wir ohnehin immer geahnt...
Hochkarätig besetzt ist das Ganze mit namhaften Musical-Stars wie Erika Henningsen („Mean Girls“) als Charlie, Stephanie Beatriz („In the Heights“) als ihre aufbrausende Partnerin Vaggie, Blake Roman („Harmony“) als Pornostar Angel Dust, der nur für das Gratiszimmer im Hotel wohnt, Jeremy Jordan („Little Shop of Horrors“) als Diablo-Daddy Lucifer, Amir Talai („Annie“) als mysteriöser Radiodämon Alastor und Alex Brightman („Beatlejuice“) als Dudebro-Engel Adam.
Auf sein Konto geht das zweite Lied der Auftaktepisode, der mitreißende Rocksong „Hell is Forever“, mit dem der erste Mann Charlie musikalisch verklickert, was er als Schwarz-Weiß-Denker von ihrer Philosophie voller Grautöne hält. Unterschätzen sollte man die Höllenprinzessin allerdings nicht, denn wie in einigen Momenten durchscheint, schlummern auch in ihr ungeahnte Mächte der Finsternis, die sie lediglich mit einem Lächeln, Glitter und Regenbögen überschminkt...
Fazit
„Hazbin Hotel“ fühlte sich schon nach dem Jahre zurückliegenden Piloten nach der nächsten Cartoon-Obsession an, was auch beim Auftakt der professionell polierten Amazon-Serie nicht anders ist. Das gilt besonders für jene, die liebenswerte, interessant designte Charaktere à la „Gravity Falls“, Steven Universe oder „Dead End: Paranormal Park“ gemischt mit derbem Big Mouth-Humor über Sex, Drugs and Showtunes für eine diabolisch drollige Idee halten. Eingefleischte Muscial-Fans werden zudem über die vielen berühmten Broadway-Stars in der englischen Originalversion staunen, bei der man sich schon fragen darf, wer seine Seele für diesen Knüller-Cast verkauft hat.
Viereinhalb von fünf teuflische Tonys verleihen wir für den Auftakt, den Ihr übrigens auch komplett auf YouTube findet. Und hier ist der Trailer:
Verfasser: Mario Giglio am Freitag, 26. Januar 2024Hazbin Hotel 1x01 Trailer
(Hazbin Hotel 1x01)
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